Kreis Göppingen Traum vom Platz eins im Mittelfeld

JÜRGEN SCHÄFER 29.11.2012
Der Kreis liegt bei der Innovationskraft der Wirtschaft hinten. Um einen Platz ist er vorgerückt - für Wirtschaftsförderer Lohse "ein gutes Signal".

In der Rangliste des Statistischen Landesamtes für die 44 Stadt- und Landkreise belegt der Stauferkreis Platz 29. Vor zwei Jahren war er auf Platz 30. Das ist der Grenzbereich zwischen hinterem und mittlerem Tabellendrittel und gilt als Hinterfeld. In der Region Stuttgart ist er Schlusslicht. Das wirkt umso krasser, als der Kreis Böblingen Spitzenreiter im Land ist, Stuttgart Dritter, Ludwigsburg Vierter. Die Kreise Esslingen und Rems-Murr liegen im guten Mittelfeld - auf den Plätzen 14 und 18.

Für Reiner Lohse von der Wirtschaftsförderung des Landkreises ein gewohntes Bild. Er kann der Verbesserung um einen Platz aber etwas abgewinnen. "Eine Aufwärtsbewegung", sagt er, und ist guter Dinge, dass sich da mehr machen lässt. Ein paar Plätze vorrücken, das hält er für denkbar, und vielleicht irgendwann im gesicherten Mittelfeld landen. "Warum ist der Rems-Murr-Kreis auf Platz 18 so viel besser?", fragt er sich. "Der hat keine Fachhochschule wie wir."

Was bei der Innovationskraft zählt: Aufwendungen und Personal für Forschung und Entwicklung, Beschäftigte in der Hochtechnologie und in wissensintensiven Dienstleistungen, Existenzgründungen in der Hochtechnologie und Patentanmeldungen.

Lohse berichtet von Fortschritten. Die Firmen im Kreis hätten ihre Forschungsgelder erhöht, sie zögen hoch qualifizierte Fachkräfte an, sei es von der Fachhochschule oder von außen. Der Kreis könne zwar nicht glänzen mit Zukunftstechnologien wie Medizintechnik, Bio- und Gentechnologie. Beim Branchenmix sei ein solcher Aufschwung nicht festzustellen. Aber: In der Energieeinsparung liege auch die Zukunft, und da seien die hiesigen Maschinenbauer gut im Rennen. Sie machten Maschinen sparsamer und intelligenter. Als Beispiele nennt Lohse die Stama oder die EMAG. Bei der IT sei der Kreis durchaus auch sehr stark, auf den Feldern Administration und Support. Die MAG sei dank ihres amerikanischen Investors auch in die Bereiche Karbonfaser und Flugzeugbau vorgedrungen.

Bei den Patentanmeldungen hole der Kreis auch auf, sagt Lohse. Die Mittelständler ließen sich heutzutage mehr Entwicklungen patentieren als früher.

"Wir standen schon schlechter da", sagt auch Dr. Peter Saile, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. Mit der Fachhochschule, dem Kompetenzzentrum Mechatronik und der Innovationsförderung allgemein sei viel passiert. Nur strahle die Fachhochschule noch zu wenig aus, viele Abgänger entschieden sich für die Großbetriebe im Raum Stuttgart. Die Fachhochschule tue viel, ihnen die hiesigen Mittelständler schmackhaft zu machen. Bei all dem seien Fortschritte ein beharrliches Geschäft, "da kann man keinen Hebel umlegen".

Für Saile ist die Rangliste der Innovationskraft ein altes Lied und Leid. Die sei mit ein Grund dafür gewesen, dass die IHK eine Diskussion angestoßen habe: "Wo stehen wir?" Die Problematik: Die Wirtschaft im Kreis stehe zwar relativ gut da, "sie ist wettbewerbsfähig", aber es fehle an Dynamik und Entwicklung. "Wir haben nicht sehr viele wachstumsintensive Branchen." Die Säulen seien der Maschinenbau und die Zulieferindustrie.