Über die Pressemitteilung Nummer 308/2015 des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dürfte sich der Geislinger Tierschutzverein am Montag besonders gefreut haben. „Minister Alexander Bonde: Land unterstützt Tierschutzvereine bei unverzichtbarem ehrenamtlichem Einsatz“ – so lautet der Anreißer der Nachricht aus Stuttgart. Dahinter verbirgt sich eine Förderzusage für insgesamt zehn Tierheime im Land, darunter auch die Anlage des Geislinger Vereins bei Türkheim. Exakt 18.094 Euro gibt das Ministerium an die Stadt Geislingen. Verwendungszweck: Errichtung und Erweiterung eines Katzengeheges inklusive Überdachung des Katzenaußengeheges.

„Große Erleichterung, unsere Mitglieder sind allmählich unruhig geworden“, sagt Vereinschef Hans-Georg Hoffmann. „Gut, dass es nun durch ist“, konstatiert Geislingens Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner – der Zuschuss-Antrag läuft gemäß Förder-Richtlinien über die Kommune, die dann wiederum das Geld an den Tierheimbetreiber weitergibt. Und auch SPD-Stadtrat Peter Zajontz, der sich schon bei den Etatberatungen zum laufenden Haushalt für die Belange des Tierschutzvereins stark gemacht hatte, atmet auf: „Der Einsatz hat sich gelohnt. Es lohnt sich immer, für Tiere einzustehen, es gibt da schließlich so viel Elend.“

Allerdings tritt Hoffmann noch auf die Euphoriebremse: Das Ministerium habe seine Entscheidung grundsätzlich getroffen. Die Antragsbearbeitung liege jedoch beim Regierungspräsidium (RP). Was bedeutet: Wann es nun genau losgehen wird, lässt sich laut Hoffmann noch nicht sagen. „Bei uns stehen alle Mitglieder schon lange Gewehr bei Fuß, ebenso unsere Lieferanten und Unternehmer, um in die Vergabegespräche einzusteigen“, erläutert der Vereinschef. Doch selbst wenn am Mittwoch das RP grünes Licht gibt, wird auch noch der Winter wohl zunächst einen Strich durch die Rechnung machen. Weshalb Hoffmann von einem Baubeginn frühestens im März ausgeht, „ursprünglich hatten wir wegen des guten Wetters gehofft, schon im Herbst loslegen zu können“. Zudem müsse man mit Eingang eines Zuwendungsbescheids abklären, welche Bedingungen das Regierungspräsidium an die Förderung knüpft.

Die neuen Katzenbereiche im Tierheim bei Türkheim sollen bei einem Baubeginn im März aber auf jeden Fall bis zur Jahresmitte fertig sein. Was dringend Not tut, wie die Belegungszahlen zeigen: Eigentlich bietet das Tierheim maximal 30 Katzen Platz, zwischenzeitlich liegt aber die Zahl schon bei 39 Tieren. „Es war im Prinzip den ganzen Sommer über relativ ruhig, seit Oktober sind aber 15 Fundtiere dazugekommen“, sagt Hoffmann. Ist dann einmal alles fix und fertig, finden 45 Katzen ein Obdach im Tierheim – bei dem die Helfer dann einmal alle Bereiche zentral vom Heimgebäude aus erreichen können.

Je früher, je besser – das ist ebenso Theiners Devise. „Wir haben ja immer wieder Tiere, die beim Ordnungsamt aufschlagen und die wir unterbringen müssen. Gerade bei den Katzen gibt es eine wahnsinnige Zunahme – auch wegen Fällen von Tierhorterei. Es ist deshalb wichtig, dass wir Anlaufstellen vor Ort haben.“ Dass das O.k. aus Stuttgart kommt, daran hat Theiner keine Zweifel, er ist vielmehr überrascht von der Dauer: „Es gab ja schon einmal einen bewilligten Zuschussantrag. Seinerzeit lag der Förderbescheid im September vor.“

Zur Erinnerung: Die Erweiterung des Tierheims war und ist schon seit Jahren Thema. 2013 gab es deswegen heftigen Knatsch zwischen der Vereinsführung und den Mitgliedern. Die liefen Sturm gegen die ihrer Ansicht nach völlig unzweckmäßigen Pläne wie etwa eine Katzenbrücke im Außengehege oder eine schlechte Raumaufteilung. Zudem hätte das Projekt auf Grundlage dieser Pläne 63.000 Euro und damit 9000 Euro mehr als im aktuellen Fall gekostet. Wegen der Zerwürfnisse trat damals der Vorstand zurück. Bis die Amtsnachfolger einge- und die Baupläne überarbeitet waren, war die Frist zum Abruf der Landesfördermittel verstrichen.

Das Projekt in Kürze

Kosten: Für den Ausbau des Geislinger Tierheims bei Türkheim veranschlagt der Betreiber, der Tierschutz Geislingen, insgesamt 54.000 Euro. Vorgesehen ist eine Erweiterung des Katzengeheges, wobei im Eingangsbereich des Tierheims ein Anbau entsteht.

Finanzierung: Die Kosten des Projekts teilen sich Land, Kommune und Verein zu je einem Drittel, sprich 18.000 Euro. Wobei der Verein Eigenleistungen als Teil der Finanzierung anrechnen kann. Die Stadt wiederum teilt sich ihren Anteil mit dem Gros der Kreisgemeinden. Unterm Strich bleiben an Geislingen 4000 Euro hängen, wobei zur Finanzierung die Einnahmen aus den Bußgeldern dienen. Der Gemeinderat hatte im Frühjahr den Zuschuss abgesegnet – unter der Bedingung, dass das Land ebenfalls das Projekt fördert.