Hans-Georg Hoffmann kennt solch traurige Geschichten zur Genüge: "Da wollen die Kinder zu Weihnachten unbedingt einen niedlichen Welpen oder ein Kätzchen", erzählt der Vorsitzende des Geislinger Tierschutzvereins. "Wenn sie dann das Tier bekommen, sind sie auch zunächst begeistert. Aber leider endet das Ganze nur allzu oft im Tierheim - sobald sich die Halter mit den tatsächlichen Ansprüchen des Tieres konfrontiert sehen." Um nicht selbst das Elend zu befeuern, hat der Tierschutzverein deshalb die Vermittlung von Heimtieren in der Zeit vor Weihnachten eingestellt.

Hoffmann appelliert an alle, Respekt vor der Kreatur zu zeigen: "Ein Tier ist kein Pullover und kein Spielzeug, das man einfach umtauschen kann, wenn es nicht passt oder gefällt", betont der Vereinschef. "Mit einem Tier übernimmt man Verantwortung für ein Lebewesen - und muss auch dazu bereit sein, diese Verantwortung zu tragen, so lange das Tier lebt." Egal ob Meerschweinchen, Kaninchen, Katze oder Hund, "ein Tier sollte man sich immer bewusst zulegen, als Spontangeschenk ist es absolut nicht geeignet".

Die Leidensgeschichten der lebenden Weihnachtsgeschenke kennt Hoffmann in allen Ausprägungen. "Nach den Feiertagen oder im Laufe des neuen Jahres werden viele unüberlegt gekaufte Tiere in den Tierheimen abgegeben", berichtet Hoffmann. Die Gründe dafür seien vielfältig: Spontane Urlaubspläne, unerwartete Kosten oder aber die Erkenntnis, dass Tierhaltung und artgerechte Tierhaltung zwei völlig unterschiedliche Paar Stiefel sind. Gerade bei Familien komme es immer wieder vor, dass den Eltern erst viel zu spät klar wird, dass sie die Hauptarbeit bei der Versorgung des Tieres stemmen müssen - füttern, Käfig oder Stall säubern, Gassi gehen. "Selbst wenn das Kind hoch und heilig verspricht, sich um das Tier zu kümmern, muss man als Elternteil immer darauf gefasst sein, einzuspringen", mahnt Hoffmann. "Ein Kind kann und darf nie alleine die Verantwortung für ein Haustier tragen." Wie aber die Klippe umschiffen?

Wem die Sache ernst ist, der sollte sich laut Hoffmann im Vorfeld ausreichend darüber Gedanken machen, welches Tier am besten in die Familie passt. Deshalb, so mahnt der Vereinschef, muss die ganze Familie in die Entscheidung einbezogen werden und mit dem Haustier einverstanden sein.

Grundsätzlich legt Hoffmann jedem erst mal den Gang zu einem Tierheim nahe, "wo viele Tiere auf ein neues, liebevolles Zuhause warten". Was einen handfesten Vorteil bietet: "Bei der Auswahl des Tieres sollten sich Interessenten ausreichend Zeit nehmen. Die Erfahrung der Pfleger, die ihre Schützlinge genau kennen, kann helfen, das passende Tier zu finden."

Und selbst wenn die hehrsten Absichten hinter dem Haustierwunsch stehen, gilt laut Hoffmann: nie zu Weihnachten. "Der Trubel und die Hektik erschweren es dem Neuzugang, sich an sein neues Zuhause zu gewöhnen."

"Welches Tier passt zu mir?" - eine Broschüre hilft weiter

Broschüre "Welches Tier passt zu mir?" Unter diesem Titel bietet der Deutsche Tierschutzbund auf seiner Homepage www.tierschutzbund.de eine Broschüre zum Download. Darin enthalten ist eine Checkliste, in der Fragen zur Tierhaltung geklärt werden. Ist genug Zeit da, sich mit dem Tier zu beschäftigen, es zu erziehen oder zu pflegen, wenn es krank ist? Ist klar, dass es Unterhalt kostet - nicht nur Futter, sondern auch für den Tierarzt? Zudem gibt es Infos zu den gängigsten Haustierarten und Eigenschaften der Tiere, um falschen Erwartungen vorzubeugen.

Heimtiere Unmittelbar nach Weihnachten werden laut Hoffmann in Türkheim in erster Linie Kaninchen abgegeben. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil die Geschenke zu Weihnachten erst in den Folgemonaten im Tierheim landen.

Verein Infos zum Geislinger Tierschutzverein, dessen Tierheim bei Türkheim und der Tiervermittlung gibt es auf www.tierschutz-geislingen.de