Knapp zehn Monate ist es her, als der Göppinger Tierschutzverein aus der Phalanx der Tierschutzkooperative im Kreis Göppingen ausgeschert war. Dem Verein ging es seinerzeit in erster Linie darum, die Verteilung der Pauschale für Unterbringung von Fundtieren neu zu regeln – und zwar zu eigenen Gunsten. Dahinter steckt aber ein viel tiefer gehendes Problem: „Den Tierschutzvereinen reichen die Mittel aus dieser Pauschale hinten und vorne nicht“, sagt Hans-Georg Hoffmann, Vorsitzender des Geislinger Tierschutzvereins. Was am bisherigen Finanzierungsmodus liegt.

2002 hatte sich besagte Kooperation – das Dreigestirn komplettiert der Katzenschutz Donzdorf – zur Aufnahme, Versorgung und Weitervermittlung sämtlicher Fundtiere verpflichtet. Dafür zwacken seither 38 Kommunen im Kreis jährlich zehn Prozent ihrer Einnahmen aus der Hundesteuer ab. Die drei Vereine teilten die Einnahmen nach einem festen Schlüssel: je 45 Prozent fließen nach Göppingen und Donzdorf, zehn Prozent nach Geislingen. „Zuletzt lag unser Betrag bei etwa 9500 Euro“, erklärt Hoffmann. Hört sich zwar nach einem ordentlichen Batzen an, ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, „das deckt gerade mal 18 Prozent unserer Ausgaben.“

Und die plagen alle Tierschutzvereine zusehends. „Die laufenden Kosten für den Tierheimbetrieb erhöhen sich ständig“, sagt Hoffmann, „allein die Tierarztkosten belaufen sich bei uns pro Jahr auf 15 000 Euro.“ Dazu kommen die Ausgaben für Strom, Gas, Versicherungen und Löhne für Mitarbeiter – „alles Ausgaben, die wir stemmen müssen“.

Dass die Geislinger im Vorjahr ihr Katzenhaus erweitert haben und ein Drittel der Kosten in Höhe von 54 000 Euro selbst tragen müssen  – der Rest stammt zu gleichen Anteilen von Land und Stadt – macht die Lage nicht gerade einfacher.

Keine Anpassung seit 2002

Als würde all das nicht reichen, kommt laut Hoffmann noch erschwerend hinzu, dass es bei der Fundtier-Pauschale nie eine prozentuale Anpassung gegeben hat. „Der Preisindex wurde in all den Jahren nicht berücksichtigt“, erklärt Hoffmann, „was vor 15 Jahren 1000 Euro Wert war, ist heute noch 800 Euro wert.“

Kurzum: Die Tierschutzvereine müssen sich immer mehr strecken und anstrengen, um zusätzlich zur Pauschale Einnahmen zu generieren. Doch auch hier schwebt das Damoklesschwert über den Köpfen der Tierschützer. „Seit ich vor drei Jahren das Amt als Vorsitzender übernommen habe, haben wir es geschafft, eine Nulllinie zu fahren“, erklärt Hoffmann. Wie lange das künftig noch gelinge, stehe aber in den Sternen. „Ohne ehrenamtliches Engagement und Spenden würde gar nichts mehr gehen. Allerdings geht das Spendenaufkommen stetig zurück.“ Das Gros dieser Spenden stamme von Kleinbetrieben. „Aber wenn die uns als Spender wegbrechen, weil bei ihnen die Aufträge weniger werden, geraten auch wir in den Abwärtsstrudel.“

Weshalb – darüber sind sich die Tierschutzvereine von Geislingen, Göppingen und Donzdorf einig – künftig über eine Pro-Kopf-Pauschale der beteiligten Kommunen laufen muss, „das ist die einzig sinnvolle Lösung“. Der bisherige Vertrag ist durch den Ausstieg der Göppinger seit Jahreswechsel nichtig, gilt aber weiter, bis Vereine und Bürgermeisterversammlung eine neue Übereinkunft treffen.

Verdoppelung wäre nötig

Die Forderung nach einer Pro-Kopf-­Pauschale ist nicht neu, soll aber nun in der nächsten Bürgermeisterrunde im Juni offizielle Verhandlungsgrundlage sein. Über die genaue Höhe haben Hoffmann und seine Kollegen vorerst noch Stillschweigen vereinbart, „ich kann aber so viel sagen: Wir werden in die Verhandlungen mit einem Betrag unter einem Euro einsteigen“. In Stuttgart und Ulm liege diese Marke drüber, „und selbst das ist nicht kostendeckend“.

Damit die Tierschutzvereine ihrer gröbsten finanziellen Sorgen bei der Fundtier-Versorgung entledigt wären, müsste sich laut Hoffmann der zur Verfügung stehende Betrag auf jeden Fall „verdoppeln“. An die 30 000 Euro, die für das Tierheim bei Türkheim ein regelrechter Befreiungsschlag wären, wagt Hoffmann indes nicht einmal zu denken.