Hobby Tierliebhaberin züchtet Meerschweinchen

Geislingen / Claudia Burst 09.11.2018
Erst waren es nur Haustiere, mittlerweile züchtet Ruth Alber aus Geislingen Meerschweinchen. Es fällt ihr nicht immer leicht, die Tiere zu verkaufen.

Es fiept und raschelt in den geräumigen Boxen im Gartenhäuschen von Ruth Alber. Als die Meerschweinchenzüchterin eins der 20 Tiere ergreift, bleibt es ruhig. Es hat gelernt, dass von seiner Besitzerin keine Gefahr ausgeht. „Meerschweinchen sind eigentlich keine Streicheltierchen, aber mit Geduld und Liebe kann man sie an die Hand gewöhnen“, erklärt die Expertin.

Die Geislingerin hatte schon als kleines Mädchen einen Zoo mit kleinen Tieren zuhause: „Kanarienvögel, Wellensittiche, Hamster, Meerschweinchen, später sogar ein Pflegepferd – ich wollte nie ohne Tiere sein“, berichtet die 49-Jährige.

Allerdings war sie das dann doch während ihrer Ausbildung zur Gemeinde-Diakonin, weil sie einfach nicht genügend Platz hatte.

Als ihr ältester Sohn Nils sechs Jahre alt war, wünschte er sich ein Haustier. „Mir war es wichtig, dass meine Kinder lernten, dass Tiere Lebewesen mit Macken und Launen sind, die man akzeptieren muss. Und auch, dass sie artgerecht gehalten und zuverlässig gefüttert werden müssen“, sagt Ruth Alber. Nils bekam zwei Meerschweinchen. Zwei, weil Meerschweinchen Rudeltiere sind. Das wusste seine Mutter damals schon. Meerschweinchen – und nicht etwa Kaninchen – bekam das Kind, weil Meerschweinchen nicht kratzen oder beißen. „Und auch nicht plötzlich vom Arm auf den Boden hopsen“, sagt Alber.

Die beiden kastrierten Böckchen bekamen in Weinheim, wo die Albers damals wohnten, ein großes Außengehege. „Weil wir den Platz hatten, entschieden wir, ein Rudel daraus zu machen.“

Ruth Alber erinnert sich wie heute daran, dass sie in der Zoohandlung speziell nach Böckchen fragte, weil Nils ja bereits zwei männliche Tiere hatte. „Die Verkäuferin war ganz entzückt – weil normalerweise alle Kunden Weibchen wollen.“ Männchen würden meist als Schlangenfutter verwendet. Böckchen hätten den Ruf, zu stinken, schnell aggressiv zu werden und einander zu bekämpfen. „Aber wenn man ihnen genug Platz gibt und sie artgerecht hält und füttert, dann sind Bock-Rudel problemlos möglich“, weiß Ruth Alber aus langjähriger Erfahrung.

Die 49-Jährige absolvierte eine Schulung

Bei ihrer Suche nach weiterem Wissen über Meerschweinchen stieß die Tierliebhaberin im Internet auf eine Züchterseite. Sie wurde erst neugierig, dann total fasziniert – und absolvierte schließlich eine umfangreiche Schulung, die sie 2008 mit zertifizierter Züchterprüfung beendete. Die 49-Jährige freut sich heute über schöne Würfe und gesunde Tiere und verkauft ihre „English Crested“ und „CH-Teddys“ an Privatpersonen. „Die frage ich dann schon aus, um möglichst sicherzugehen, dass es meinen Tieren nachher auch gut geht. Deshalb würde ich auch nie an Zoohandlungen verkaufen.“ Manchmal, sagt sie, ist ihr das Tier, das sie verkauft, so ans Herz gewachsen, dass ihr die Tränen kommen. „Und von manchen kann ich mich gar nicht trennen.“

Trotz des Verkaufs sei ihre Hobby-Zucht immer noch Hobby. „Da zahl ich im Endeffekt immer drauf. Die Tiere kosten vor allem Zeit. Aber sie brauchen auch mal den Tierarzt, brauchen Heu und frisches Gemüse, das nicht bläht. Sie brauchen viel Platz, ein Außengehege mit frischem Gras.“ Aber das alles stört Ruth Alber nicht. „Ich liebe diese Wollknäuel“, sagt sie lachend. „Ich hab’ zwar reduziert, aber ganz kann ich es nicht lassen.“

„Die haben richtig Flausen im Kopf“

Vor allem an den English Crested hängt ihr Herz, weil die den ursprünglichen Glatthaar-Meerschweinchen sehr nahe kommen, aber durch den Wirbel auf ihrem Kopf „voll süß“ aussehen. „Die sind quirlig, aufgeweckt und ständig in Bewegung. Die haben richtig Flausen im Kopf und die komischsten Ideen“, schwärmt die Züchterin. Zu ihren Schweizer Teddys kam sie über ihre Söhne, die sich diese Rasse wünschten. „Die sehen aus wie kleine Wollkugeln, einfach total putzig.“

Info Weitere Informationen unter
www.meersch-wein-heim.de

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