Tierschutz Tierhilfe Obere Roggenmühle feiert Sommerfest

Eybach / Jochen Horndasch 07.08.2018
Die Tierhilfe Obere Roggenmühle bietet ausgesetzten Tieren eine Heimstatt. Das Sommerfest ist eine wichtige Einnahmequelle.

Der Blick geht suchend umher. „Loretta, Loretta wo steckst du?“ Nach mehrmaligem Rufen reagiert die Rotstirn-Amazone. Mit einem lauten Krächzen gibt sie ihren Standort im Zierapfelbaum preis: Von einem Ast in gut drei Meter Höhe begrüßt die 18-jährige Papageien-Dame ihre Besitzerin Annette Schaum, Chefin der Tierhilfe Obere Roggenmühle. Während des Sommerfests am vergangenen Sonntag, zu dem am Ende gut 1000 Gäste kommen, bleibt Loretta völlig gelassen und entspannt.  Kein Wunder: Sie ist seit zehn Jahren Mitbewohnerin der Tierhilfe – und damit in besten Händen. „Mit Menschen verbindet sie nur positive Erlebnisse“, sagt Annette Schaum, die sich seit 35 Jahren um notleidende Tiere kümmert.

Seit dieser Zeit verwandelt sich das Tierheim im Roggental immer am zweiten Wochenende der Sommerferien in eine Gartenwirtschaft mit Essen und Trinken und bietet eine Menge an Unterhaltungsprogramm für Alt und Jung. Flohmarkt und Tombola gehören ebenso dazu wie Kinderschminken, Airbrush-Tattoos, Spielstraße, Büchsenwerfen und eine Hüpfburg.

Im Mittelpunkt stehen die Tiere, die zum überwiegenden Teil frei laufend und frei fliegend unterwegs sind. Wie eben auch Loretta, die gern mal einen Ausflug entlang der Eyb und durchs Roggental unternimmt. Hunde, Katzen, Hühner aber auch Wildtiere wie Rehe oder Hasen verbringen bei der Tierhilfe ein Leben in Harmonie und ohne Anfeindungen. „Die meisten werden vermittelt oder in die Freiheit entlassen“, erzählt Schaum.

Bis es allerdings soweit ist, haben viele von ihnen einige Zeit in der Krankenstation verbracht, beispielsweise ein kleiner Grünfink, der mit gebrochenen Flügeln abgegeben wurde und im Käfig bleiben muss. Und erst kürzlich wurden sieben Wanderfalken ausgewildert, die während eines Sturms aus dem Nest fielen und von Annette Schaum und ihren ehrenamtlichen Helfern aufgepäppelt wurden. Auch verletzte Milane, Bussarde oder Fischreiher gehören zu den Patienten. Das Repertoire der vierfüßigen Bewohner reicht von Rehkitzen, Wildschweinen, Füchsen, Hasen bis hin zu Hunden und Katzen.

Besonders stolz ist Annette Schaum, dass selbst Jäger das Tierheim Obere Roggenmühle als Auffangstation nutzen und das ein oder andere verwaiste Jungtier zu ihr bringen, das sonst keine Überlebenschance hätte. „Wir leisten die Erstversorgung und nehmen bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Tiere auf, die ein beschütztes Zuhause suchen“, erzählt die Vereinschefin. So kamen unlängst sechs alte Schafe von einem Biohof, den der Bauer aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, zur Tierhilfe. Nun werden sie zur Weidepflege eingesetzt und teilen sich das Revier mit fünf eigenen Schafen. Eine Bäuerin musste sich indes schweren Herzens von ihren alten Hühnern trennen, wollte aber auf keinen Fall, dass diese im Kochtopf enden. Sie sind seither Dauerbewohner des Tierheims. Jüngster Gast dort ist ein etwa eine Woche alter Siebenschläfer. Seit drei Tagen genießt er die Gastfreundschaft, ist putzmunter und erfreut sich bester Gesundheit.

Doch all das hat seinen Preis. „Tierhilfe kostet viel Geld und braucht viel ehrenamtliche Hilfe, ohne die nichts geht“, sagt Annette Schaum. Durch die Beiträge der rund 100 Mitglieder, durch Spenden, Flohmärkte und durch das jährliche Sommerfest komme wenigstens so viel zusammen, um über die Deckung der Futterkosten hinaus notwendige Renovierungs- und Bauarbeiten ausführen zu können. So werde derzeit der knapp 400 Quadratmeter große Hundeplatz komplett hergerichtet. Außerdem erhalte das in die Jahre gekommene Katzenhaus eine Grundsanierung mit neuem Dach, Wasser- und Strominstallation sowie eine neue Futterküche. Schaum: „Dann sind wir wieder bestens gerüstet, um auch in den nächsten Jahrzehnten die Tiere aufzunehmen, die sonst keiner will.“

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