"Gewährung eines Investitionskostenzuschusses an das Tierheim Geislingen-Türkheim", so steht es nüchtern auf der Tagesordnung des Verwaltungsausschusses, der sich heute um 16 Uhr im Kapellmühlsaal trifft. Daumen hoch oder Daumen runter: Für den Geislinger Tierschutzverein wird der Beschluss des Gemeinderatsgremiums eine wegweisende Entscheidung. Für 54.000 Euro baut der Verein sein Tierheim um und aus. Sowohl der Katzen- als auch der Hundebereich werden umgemodelt und auf den Stand der Zeit gebracht. Klappen kann das nur mit Zuschüssen der öffentlichen Hand. In diesem Fall wäre die Finanzierung zu gleichen Teilen gedrittelt zwischen Verein, Stadt und Land.

Unterstützung bekommt der Tierschutzverein durch die SPD-Gemeinderatsfraktion. Schon bei den Etatberatungen hatten die Genossen den Antrag gestellt, einen "angemessenen Betrag als Drittelfinanzierung im Haushalt einzustellen", in dem Falle 18.000 Euro. "Für eine Stadt wie Geislingen ist es eine Pflichtaufgabe, ein Tierheim vorzuhalten", betont Stadtrat Peter Zajontz, der bei den Etatberatungen auf die Dringlichkeit des Projekt hingewiesen hatte: "Es geht um das Wohl der Tiere. Wenn die Polizei in oder um Geislingen einen Hund auffindet, ist es nicht zumutbar, dass er erst nach Göppingen oder noch weiter gefahren werden muss, um ihn unterzubringen." Außerdem wird in der bestehenden Anlage bei Türkheim der Platz knapp, schon im Sommer 2014 war das Katzenhaus völlig überbelegt. "Und die Zahl der ausgesetzten Tiere nimmt zu", prognostiziert Vereinschef Hans-Georg Hoffmann. Andere Heime - dieselben Probleme.

Das Pikante an der ganzen Angelegenheit: Die Erweiterung des Tierheims stand bereits 2013 auf der Agenda, kippte aber damals am Widerstand der Mitglieder - woraufhin der Vorstand zurücktrat. Die Mitglieder hatten seinerzeit Kritik an den aus ihrer Sicht überkandidelten und bisweilen unzweckmäßigen Plänen wie etwa einer Katzenbrücke im Außengehege geübt. Die damals angesetzten Kosten hätten sich auf rund 63.000 Euro belaufen.

Schon seinerzeit lag bei der Stadt ein Zuschussantrag vor, das Regierungspräsidium hatte grünes Licht für eine Förderung gegeben. Durch den Wechsel in der Vereinsführung sowie notwendige Überarbeitungen der Umbaupläne verstrich viel Zeit. Zu viel für das Projekt, sodass die Frist zum Abruf der Landesfördermittel verstrich. Ende November schließlich stellte der Tierschutzverein einen neuen Zuschussantrag bei der Stadt.

Die wiederum kann sich auf die Unterstützung der Umlandgemeinden verlassen. Wie schon 2012 im Vorfeld des ersten Anlaufs mit dem Gros der Kommunen im Kreis Göppingen vereinbart, werden selbige auch nun ihren Anteil zum Geislinger Zuschuss beisteuern. Womit sich die finanzielle Belastung für Stadt in Grenzen hält, sie muss nur noch 4000 Euro aufbringen. "Das sollte selbst bei einer angespannten Haushaltslage vertretbar sein", sagt Stadtrat Zajontz. Die 4000 Euro will die Stadt durch Einnahmen aus Bußgeldern wieder reinholen.

Dass der finanziell nicht auf Rosen gebettete Tierschutzverein das Projekt stemmen kann, davon ist Hoffmann überzeugt: "18.000 Euro sind zwar kein Pappenstiel. Aber inzwischen können wir Eigenleistungen mit einrechnen, das war bis Anfang des Jahres nicht möglich", erklärt der Vorsitzende.

Die erste Eigenleistung ist übrigens schon zu sehen: Die Arbeiten am neuen Zwinger im Hundebereich haben bereits begonnen. "Da müssen wir zuerst ran. Wenn das davor liegende Katzenhaus neu gemacht wird, kommen wir nicht mehr hin", erklärt Hoffmann: "Das ist auch so gewollt, weil wir bei der neuen Planung außer der Modernisierung der Gebäude großen Wert auf abgeschirmte Bereiche gelegt haben. Die Tiere sollen sich schnell sozialisieren. Das geht aber nur, wenn sie ihre Ruhe haben."

Das Regierungspräsidium muss ebenfalls eine Zusage geben

Bedingung Sollte der Verwaltungsausschuss des Geislinger Gemeinderats sein Okay für einen Zuschuss über 18.000 Euro für die Erweiterung und Modernisierung des Tierheims bei Türkheim geben, ist die Kuh dennoch nicht ganz vom Eis: Bedingung der Stadt ist, dass die beiden weiteren Parteien - der Tierschutzverein als Betreiber und das Regierungspräsidium (RP) ihren jeweiligen Anteil von 18.000 Euro bewilligt. Es geht also letztlich um die Zusage des RP.

Unterstützung Hans-Georg Hoffmann, der Vorsitzende des Tierschutzvereins, ist davon überzeugt, diese letzte Hürde zu nehmen: "Wir sind Mitglied im deutschen Tierschutzbund und stehen in ständigem Kontakt mit dem Landesverband. Der hat uns seine Unterstützung signalisiert und wird gegebenenfalls Druck machen." Zudem gebe es die Verwaltungsvorschrift des Landwirtschaftsministeriums über Zuwendungen zu Sanierung und Bau von Tierheimen. Die Maßgabe darin: Durch eine Förderung solle vermieden werden, dass notwendige Maßnahmen langfristig zurückgestellt werden müssen. eis

SWP