Geislingen an der Steige Tiefe Trauer um den Ehrenbürger

Tatkraft und Energie zeichneten ihn aus: Professor Dr. Eduard Mändle hat für Geislingen Herausragendes erreicht. Am Samstag ist er im Alter von 77 Jahren verstorben. Foto: Markus Sontheimer
Tatkraft und Energie zeichneten ihn aus: Professor Dr. Eduard Mändle hat für Geislingen Herausragendes erreicht. Am Samstag ist er im Alter von 77 Jahren verstorben. Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / RODERICH SCHMAUZ 27.12.2013
Weihnachten wurde überschattet von der traurigen Nachricht, dass der frühere Hochschulrektor Professor Dr. Eduard Mänd- le im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Geislingen verdankt seinem Ehrenbürger viel.

"Ich bin stolz und dankbar auf das Erreichte." Mit Fug und Recht äußerte sich Eduard Mändle vor zwei Jahren im GZ-Interview so. Anlässlich seines 75-jährigen Geburtstags hielt er damals Rückblick und bilanzierte sein Berufsleben.

Es ist geprägt von enormer Schaffenskraft, von einem tatkräftigen, energischen Einsatz auf vielen Gebieten, von Weitblick und Gestaltungswillen. Wer hat schon solch große, bleibende Erfolge vorzuweisen wie Eduard Mändle?

In erster Linie hat seine Heimatstadt Geislingen davon profitiert. Ohne Eduard Mändle wäre Geislingen keine Hochschulstadt geworden - und erst recht keine Stadt mit einer Hochschule, die einen derartigen Aufschwung nahm und dauerhaft so floriert.

Professor Mändle war als Hochschulpolitiker bestens vernetzt, er war langjähriger Hochschulrektor und -lehrer. Er drückte der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) seinen Stempel auf, steht er doch für eine ganze Ära des Ausbaus und der zielgerichteten Fortentwicklung.

Mändle war - natürlich - auch Wissenschaftler, renommierter Autor vieler Fachbeiträge, Bücher und lexikalischer Standardwerke. Als er es zuletzt mal addierte, kam er auf rund 140 wissenschaftliche Beiträge und 1300 Vorträge. Mändle galt insbesondere als Kapazität im Genossenschaftswesen. Als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, gehörte er zahlreichen genossenschaftlich organisierten wohnungs- und energiewirtschaftlichen Gremien und Aufsichtsräten an - angefangen beim Geislinger Albwerk.

Am 11. Februar 1936 wurde Eduard Mändle im Mühlbrückenweg geboren, sein erster Wohnsitz war zeitlebens Geislingen. Mit seiner Frau, der Pianistin Erika Russ, mit der er seit 1965 verheiratet war, wohnte er in der Bücklestraße.

Mändle studierte an der Universität Mannheim Wirtschaftswissenschaften, 1965 wurde er promoviert. Bereits ein Jahr später kam er als Dozent und Professor für Volkswirtschaftslehre, Agrarpolitik und Genossenschaftswesen an die Ingenieurschule Nürtingen. Nach fünf Jahren als Prorektor war Mändle von 1977 bis zu seinem Ruhestand 2001 deren Rektor. In diesen 24 Jahren baute er die FH mit ihren rund 400 Studenten aus zu einer Hochschule mit über 3000 Studenten und zwölf Studiengängen.

1988 erreichte er mit Mitstreitern wie dem Landtagsabgeordneten Hermann Seimetz die Gründung der FH-Außenstelle Geislingen. Deren Fortbestand stand mehrfach auf des Messers Schneide. Mit all der Energie, die ihm eigen war, kämpfte Mändle um den Fortbestand - mit Erfolg. Mit der Hochschule in Geislingen schrieb Mändle eine Erfolgsstory.

Im Juni dieses Jahres nahm er an den Feiern zum 25-jährigen Bestehen dieses Hochschulstandortes teil, dessen Campus mittlerweile aus mehreren modernen Hochschulgebäuden und Studentenwohnheimen besteht, mit 1850 Studenten, 45 Professoren, 200 Lehrbeauftragten und über 50 Hochschulangestellten. Dabei mag es Mändle mit großer Genugtuung erfüllt haben, zu sehen, wie seine Nachfolger ganz in seinem Sinne die Hochschule weiterentwickelt haben und fortführen wollen. Zumal auch sein Sohn Markus eine Professur an der HfWU inne hat.

Zahlreiche Ehrungen wurden Mändle zuteil, darunter 1990 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2001 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Aus Geislinger Warte die höchste Ehrung war die Verleihung der Ehrenbürgerwürde im September 2007 im Rahmen einer feierlichen Sondersitzung des Gemeinderats in der Jahnhalle - seit über 20 Jahren war Mändle der Einzige, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Damit würdigte die Stadt seine Lebensleistung.

Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb Eduard Mändle bereits am Samstag. Am kommenden Montag wird er auf dem Friedhof in Altenstadt beigesetzt. Die ökumenische Trauerfeier, zu der auch zahlreiche Repräsentanten aus Politik und Hochschule erwartet werden, findet in Sankt Maria statt.

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