Geislingen Teenie-Stars erobern die Herzen

Geislingen / Angelina Neuwirth, Stefanie Schätzle, Tomas Cabanis 24.07.2018
Das Wetter hielt, die Zuschauer waren gut drauf, die angereisten Bands sowie Lokalmatadoren begeisterten: Das Abendprogramm beim Tag der Jugend war ein Erfolg.

Jana versucht zu atmen. Die 15-Jährige wischt sich die Tränen aus dem  Gesicht. „Die zwei sind so goldig“, schwärmt die Schülerin. Die Stuttgarterin hat ihre Idole „Bars and Melody“, ein britisches Popduo, beim 48. Tag der Jugend in Geislingen getroffen – und kann ihr Glück kaum fassen. Bei dem Fest, das der Stadtjugendring Geislingen ehrenamtlich veranstaltet, trafen am Sonntag kreisch­ende Fans auf Rocker, Partygänger und Einheimische. Vier Bands und DJ Amaro füllten den sonst so ruhigen Pausenhof des  Helfenstein-Gymnasiums mit Hunderten von Besuchern.

Für Andrang sorgten Rapper Leondre Devries und Sänger Charlie Lenehan, die gemeinsam unter dem Namen „Bars and Melody“ bekannt sind. Sonst singen die Stars aus Großbritannien, die durch eine britische Castingshow berühmt geworden sind, auf größeren Bühnen. Doch am Sonntag legten die Teenie-Idole einen Zwischenstopp in Geislingen ein. Bedingung für den kurzen Auftritt in der Fünftälerstadt war, dass man die beiden aus Saarbrücken, wo sie auf dem „TubeFestival“ spielten, mit dem Auto abholte, erzählt Sven Renken vom Stadtjugendring. „Dass wir den Fahrservice anbieten, war die einzige Chance, das Duo nach Geislingen zu bringen“, fügt der 24-Jährige hinzu.

Die Influencerinnen Ana Kohler und Carla Brocker begleiteten die Musiker. Von der Freundlichkeit der Geislinger zeigen sie sich überrascht. „Hier sind die Leute supernett und das meine ich ernst“, sagt die 15-Jährige Carla. Der 19-jährige Charlie Lenehan aus der Nähe von Bristol ist zum ersten Mal im Schwabenland. „Hier ist es ganz anders als ich es mir vorgestellt habe“, erzählt der Musiker. Wie anders, verrät er nicht, denn die Stars müssen schnell weiter. „Leondre fährt in den Urlaub und Charlie zurück in die Heimat, bis es im August mit Konzerten weitergeht“, sagt der Manager der Gruppe. Produzent Piero Vecchioli, der mit Weltstars wie Justin Bieber, Pitbull oder Chris Brown zusammenarbeitet, stand den Jungs während der angekündigten Autogrammstunde zur Seite –  bei der es jedoch gar keine Autogramme gab. „Man konnte nur schnell ein Foto machen“, erzählt die 16-Jährige Ellie aus Göppingen.

Begonnen hatte das Abendprogramm mit den Jungs von „Concusion“. Die Gruppe, bestehend aus Drummer Gerrit Schieß (Gerry), Bassist Luca Schöfisch (Lugge), Gitarrist Tobias Lohrmann (Toby) und Sänger Philipp Erhardt (Phil Rocks), eröffnete die Bühnenshow und brachte die zahlreichen Besucher in Feierstimmung. Das halbstündige Programm der 16- bis 18- jährigen Jungs war gefüllt mit selbst getexteten und komponierten Songs, wie „Fight on“ und „We are Rock N‘ Roll“. Die Rocker unterhielten die Zuschauer mit einem Mix aus wilden Gitarrensoli und klassisch-rockigem Headbanging. „Das Publikum war fett!“,  lautete Gerrys Fazit nach dem Auftritt. Mit diesem Debüt sind die Jungs ihren Idolen, etwa der Band „Greenday“ und „Deep Purple“, gar nicht mehr allzu fern. Wer mehr von „Concusion“ sehen und hören möchte, hat am 29. Septemer in Ebersbach die Möglichkeit. Dort tritt die Band gemeinsam mit der Band „Shred Attack“ auf.

Heimspiel hatte die Rock- und Popband „Lilly Maars“, die mit drei Neuzugängen Premiere feierte. Die fünf Geislinger spielten neun selbst geschriebene Songs, bei denen sie Themen ansprechen, die die Bandmitglieder berühren. „Wir möchten auch etwas mitteilen“, sagt Schlagzeuger Arne Ebner. „Machen, was man will“, sei die Botschaft, fügt Sängerin Annika Schmidt hinzu. Der 29-Jährigen ist der Spaß am Musizieren wichtig: „Es muss nicht perfekt sein“, erläutert die Geislingerin. Unterstützt werden die beiden von den Gitarristen Amadeus Kaspschyk und Manuel Stäudle sowie Tim Beckmann.

Energiegeladen ging es am späten Abend weiter mit „Nuju“ aus Kalabrien. Die Band um Frontmann Fabrizio Cariati, der in Deutschland geboren ist, machte politisch angehauchte Musik gegen die Mafia und prekäre Arbeitssituationen. Die Musiker waren schon zweimal in Geislingen zu Gast und freuen sich über die größere Bühne beim Tag der Jugend. „Wenn die Leute Spaß haben, haben wir auch Spaß“, sagt Cariati und freut sich, dass es durchweg gutes Feedback gab und die Zuschauer ausgelassen tanzten, obwohl die wenigsten Italienisch verstehen. Grund dafür könnte die ausgewogene Mischung aus Folk, Rap, Reggae und Weltmusik sein. Vielleicht lag es auch an der schweißtreibenden Bühnenshow, die Cariati mit Jonglage und Ballontierchen machte.

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