Schreinerhandwerk Teamwork ist ausnahmsweise erlaubt

Geislingen/Göppingen / Michael Scheifele 27.07.2018

Draußen schwitzen die Geislinger bei 30 Grad, und auch den angehenden Schreinern im Werkraum der Gewerblichen Schule ist es an diesem Nachmittag längst richtig warm geworden. Die 18 Lehrlinge im Alter zwischen 19 und 34 Jahren arbeiten seit 9 Uhr an ihrem Prüfungsstück, das den Abschluss ihrer Ausbildung bedeutet. Bis 16 Uhr haben sie Zeit, dann ist Abgabe. Herstellen müssen sie einen Beistelltisch fürs Wohnzimmer.

„Die Schwierigkeit ist es, mit der knappen Zeit zurechtzukommen“, sagt Berufsschullehrer Peter Rapp. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen“, ruft Hannes Ehrhardt. Er und die anderen Lehrlinge sägen, feilen, hämmern und leimen, was das Zeug hält. Außer Holz bearbeiten die Prüflinge auch Kunststoff und Edelmetall. Die Handgriffe wirken routiniert – und sind es auch. Schließlich haben sich die Auszubildenden drei Jahre auf den Tag vorbereitet. Die Klasse wirkt fokussiert, der eine oder andere flachst allerdings gelegentlich.

Teamwork ist trotz Prüfungssituation ausnahmsweise erlaubt: Die Schüler helfen sich gegenseitig, die Schraubzwingen an den Werkstücken festzuspannen. „Wir müssen besonders konzentriert arbeiten, um keine Fehler zu machen. Falls wir neues Material benötigen, werden uns Punkte abgezogen“, erklärt Jonas Egetemeyr aus Bad Überkingen.

Die Lehrlinge fertigen außer den Prüfungsstücken in der Schule ihre Gesellenstücke im Betrieb an. Beide Arbeiten zählen zur Hälfte zur Note der Abschlussprüfung. Für das Gesellenstück haben sie im Betrieb 80 Stunden Zeit gehabt, erzählt Jonas Egetemeyr. Die Planungsphase von der Idee über die Skizze bis zum fertigen Werkstück habe jedoch Monate gedauert. Die Lehrlinge entwickelten eigene Ideen und setzten sie in Rücksprache mit ihrem Lehrbetrieb um. Dabei sollte ein Möbelstück ausgesucht werden, welches sie selbst gebrauchen können.

Dass die Schüler stolz auf ihre Werke sind, ist ihnen anzumerken. Gestaltet haben sie ganz unterschiedliche Dinge. Eine Minibar etwa oder ein Waschbecken und eine Garderobe. Die Gesellenstücke sind in der Volksbank in Göppingen ausgestellt (siehe Extra-Meldung) und können heute noch angeschaut werden. „Am Schreinerberuf gefällt mir vor allem, dass ich am Ende des Tages genau sehe, was ich gearbeitet habe“, fasst Hannes Erhardt seine Motivation zusammen.

Alle 18 schaffen die Prüfung und sind jetzt Schreiner

Die Gesellenprüfung erfolgreich absolviert haben Christoph Beil, Pascal Böhmke, Pascal Duckeck, Jonas Egetemeyr, Hannes Ehrhardt, Florian Gaspar, Mario Hagmeier, Jan Heim, Lukas Hoffmann, Tim Jordan, Rene Jung, Lauritz Kluge, Stefan Koronios, Alexander Kröner, Julius Litke, Nazario Stoduto, Florian Straub und Marco Wohlfahrt.
Preise erhielten Mario Hagmeier (Frank Neubrand Möbelwerkstätte, Kuchen), Christoph Beil (Hoetzel Objekteinrichtungen, Deggingen), Marco Wohlfahrt (Brenner Einrichtungshaus und Schreinerei, Boll)

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