Geislingen an der Steige / Claudia Burst  Uhr

Raimund Briel wird im August 80 Jahre alt. „Ich kann es selbst kaum glauben“, konstatiert der schlanke, lebensfrohe Mann. Eigentlich fühle er sich 20 Jahre jünger, sagt er, um schmunzelnd hinzuzufügen: „Meistens jedenfalls.“

Raimund Briel dürfte in Geislingen einer der bekanntesten Menschen sein, jedenfalls unter der Gruppe der 35- bis 70-Jährigen. Wer immer aus dieser Altersgruppe in seiner Jugend in der Fünftälerstadt einen Tanzkurs besucht hat, hat dies mit großer Wahrscheinlichkeit in der Tanzschule Briel getan – von 1965 bis 1974 in der Heidenheimer Straße, danach im Tanzstudio am Sternplatz. Wie viele Tanzschüler es genau waren, kann Raimund ­Briel nicht sagen, „aber es waren viele Tausend“, ist er sich sicher.

Einige trifft Raimund Briel jetzt im Alter wieder – erneut in der Funktion als Tanzlehrer.  „Ich kann’s nicht lassen“, sagt er, „Tanzen ist mein Leben.“ Er freut sich über den großen Zuspruch dienstagabends in Hausen und freitagabends im Geislinger Mehrgenerationenhaus (MGH). Dorthin kommen viele seiner Mittwochs-Wanderfreunde aus der Senioren-Natur-Sport-Gruppe (Senaspo) des Deutschen Alpenvereins, um ihre Tanzkenntnisse aufzufrischen.

Briel strahlt übers ganze Gesicht, während er – seine Mittänzer hinter sich – in vorderster Reihe demonstriert, in welcher Schrittfolge Line-Dance getanzt wird. Locker bewegen sich seine Glieder, der ganze Körper schwingt im Rhythmus, alles sieht einfach bei ihm aus. Wenn alle Tänzer aufgewärmt sind, geht es weiter mit Standard- und Lateintänzen. Er präsentiert deren Raffinessen mit seiner Freundin Janine Reichart, die in ihrer Jugend das Tanzen bei ihm gelernt hat und seine Leidenschaft teilt.

Mit seiner Frau viel gereist

Der Tanzlehrer, der seit 40 Jahren in Bad Überkingen wohnt, war erst 53, als er und seine acht Jahre ältere Frau Gerti die Tanzschule an ihren Nachfolger weitergaben, um den Ruhestand zu genießen. „Wir haben uns einen Wohnwagen gekauft und sind viel durch ganz Südeuropa gereist, haben aber auch große Reisen nach Kanada und Ostasien gemacht“, erzählt der Senior mit leuchtenden Augen. Das sei die richtige Entscheidung gewesen, denn so hätten er und seine Frau noch viele schöne Jahre gehabt, bevor sie 2008 zum Pflegefall wurde und 2012 starb.

Tanzkurse für Ältere gab Briel bereits Ende der 1990er Jahre zusammen mit seiner Frau im Mehrgenerationenhaus, später dann auch in der Volkshochschule. Sabine Wettstein, früher im MGH tätig, jetzt Leiterin der Volkshochschule, hatte ihn wegen der Tanzkurse angefragt. Der Kontakt zu Sabine Wettstein entstand durch ein weiteres Hobby Briels: Er spielt gern Billard. Am eigenen Tisch zu Hause bevorzugt er die Variante Carambolage, jeden Dienstag und Donnerstag spielt er im Foyer des Mehrgenerationenhauses mit Bekannten Pool-Billard.

Was sich Raimund Briel ebenfalls möglichst nicht entgehen lässt, ist das „Jazz open“ in der Rätsche an jedem letzten Donnerstag im Monat. „Das ist immer toll, das macht riesig Spaß“, schwärmt er. Noch mehr Spaß jedoch macht ihm das Tanzen zum eigenen Vergnügen. „Wir haben natürlich schon die Karten für den Bad Überkinger Blumenball, waren beim Sportlerball in Göppingen und gehen auch zum Maientagsball und dem Staufer-Pokal“, sagt er, und seine Augen blitzen unternehmungslustig.

Infokasten