Der heftig kritisierte Auftritt der Band „The Butcher Sisters“ beim vergangenen Tag der Jugend in Geislingen soll nach der Sommerpause am 11. September im Verwaltungsausschuss auf den Tisch kommen. Oberbürgermeister Frank Dehmer hat die Sache zum Tagesordnungspunkt erklärt.

Das stößt beim Stadtjugendring (SJR) Geislingen, der die Veranstaltung organisiert hat, auf Unverständnis: „Wir sind ziemlich angefressen“, sagt Holger Schrag, der Vorsitzende des SJR, im Gespräch mit der GEISLINGER ZEITUNG. „Wir sehen nicht die Notwendigkeit, die Sache in der Öffentlichkeit zu diskutieren“.

Hunderte Kommentare in den Sozialen Medien

Zahlreiche Bürger kritisierten das Konzert, das am 21. Juli auf dem Pausenhof des Helfenstein-Gymnasiums stattfand. In den Sozialen Medien gab es Hunderte von Kommentaren. Diese bezogen sich zum einen auf anstößige Textzeilen in den Liedern der Band, vor allem aber auf Äußerungen der Mitglieder und die Show, bei der zum Beispiel ein Umschnallpenis präsentiert wurde.

Stadtjugendring entschuldigt sich

Der SJR als Veranstalter des Tags der Jugend habe mit einer Stellungnahme, die Oberbürgermeister Frank Dehmer eingefordert hatte, „schon fast eine Entschuldigung“ ausgedrückt. „Wir werden uns in Zukunft natürlich genau damit auseinandersetzen, welche Bands wir einladen“, räumt Schrag ein. Doch für Dehmers Entscheidung, das Thema im September öffentlich zur Diskussion zu stellen, hat der Stadtjugendring-Chef kein Verständnis: „Wir hätten erwartet, dass die Sache erledigt ist.“

Der OB sieht das anders: „Ich habe noch nie derartige Reaktionen zu Teilen des Programms beim Tag der Jugend erlebt“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Dehmer, der an dem Abend selbst vor Ort auf dem Schulhof des Helfenstein-Gymnasiums war, findet eine derartige Inszenierung mit sexistischen Äußerungen und vulgärem Verhalten unangebracht: „Wenn Kinder vor der Bühne stehen, passt das nicht.“

OB Dehmer sieht Diskussionsbedarf

Die Stadt, die die Ausrichtung der Veranstaltung finanziell unterstützt, müsse sich des Themas annehmen, und es bestehe Diskussionsbedarf: „Es gibt vermutlich unterschiedliche Sichtweisen und mehrere Gruppen, die dazu etwas sagen sollten.“ Es gehe um die künftige Handhabung, so etwas dürfe sich nicht wiederholen, macht Dehmer klar.

Hock, Kinderfest, Tag der Jugend 2019 Geislingen feiert an vier Tagen im Juli 2019

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Schrag empfindet die Reaktion des OB als unfair – insbesondere in Anbetracht der Mühe, die sich der SJR mit der Vorbereitung der Veranstaltung mache: „Wir organisieren fast ein Jahr lang das Fest, 60 bis 100 Ehrenamtliche sind im Einsatz.“ Dass die Stadt als Zuschuss-Geber sich nun derart einmische, sei „zwar legitim, aber nicht cool“.

Auch in der nächsten Sitzung des Geislinger Jugendgemeinderats (JGR) am 14. September soll der Auftritt thematisiert werden. „Es ist gut, wenn sich alle Generationen noch dazu äußern“, sagt Roman Retsch. Der JGR-Sprecher hat das Konzert nur am Rande mitbekommen und sieht die Angelegenheit recht gelassen: „Jeder Künstler ist sehr individuell und will möglichst polarisieren.“

Jugendgemeinderat verteidigt Stadtjugendring

Für den Tag der Jugend seien die „Butcher Sisters“ jedoch nicht die beste Wahl gewesen, meint Retsch. Er sieht die Verantwortung aber nicht allein beim Stadtjugendring. Dieser habe nicht nur „großartig“ zu einer gelungenen Veranstaltung beigetragen, sondern sei dem JGR überhaupt eine wichtige Stütze. Retschs Vorschlag: Künftig nur noch eine Band und zudem einen DJ einladen. Anstatt den vergangenen Auftritt noch wochenlang zu diskutieren, gelte es außerdem, sich „auf wichtigere Aufgaben“ zu konzentrieren.

„The Butcher Sisters“ äußern sich ironisch zur Kritik

„The Butcher Sisters“, zu Deutsch „Metzgerschwestern“, lassen in einer Stellungnahme ihren Stil erkennen: Die Mitglieder der Mannheimer Band hätten sich in einem Geislinger Fitnessstudio „mental auf den Auftritt vorbereiten“ wollen, heißt es in dem Schreiben. Doch die Hanteln seien für die Jungs nicht schwer genug gewesen. „Dementsprechend waren wir etwas unausgelastet und konnten nicht unser volles Potenzial für das Geislinger Publikum abrufen“, schreibt die Band und verspricht für das nächste Mal „einen noch kreativeren und quantitativ höher angesiedelten Umgang mit Kraftausdrücken“.

Mit Kommentar im E-Paper und der gedruckten GZ am Samstag, 24. August.

Stadtfest Tag der Jugend - das Musikprogramm

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