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Stuttgarter Straße
Geislingen / Kathrin Bulling  Uhr
Nach Anwohnerprotesten in Altenstadt wegen den Straßenbauplänen der Geislinger Stadtverwaltung, kündigt Oberbürgermeister Frank Dehmer an, die bisherigen Pläne noch einmal zu prüfen.

Nach der Berichterstattung der GEISLINGER ZEITUNG über den Protest gegen zwei geplante Straßen in Altenstadt hat die Geislinger Stadtverwaltung am Mittwoch in einer Pressemitteilung erklärt, den Sachverhalt komplett aufarbeiten zu wollen. Dies beziehe sich auf das Gesamtgebiet westlich der Schlachthausstraße, südlich der Rheinlandstraße, nördlich der B 10 und östlich des Capitol-Hochhauses und umfasse Planung und Umlegung.

„Wir gehen mit der Thematik in den Technischen Ausschuss“, sagt Oberbürgermeister Frank Dehmer. Und weiter: „Sofern Alternativen sich als tragfähig erweisen, wäre eine Änderung des Bebauungsplans theoretisch möglich.“ Dieser Vorgang werde aber eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Rund 100 Altenstädter Bürger protestieren gegen den Bau zweier Erschließungsstraßen westlich der Schlachthausstraße. Sie fühlen sich von der Stadtverwaltung nicht gehört.

Anwohner Frank Meyer nimmt diese Nachricht verhalten auf. „Das ist ein positives Signal, dem jetzt aber Taten folgen müssen“, sagte er auf Nachfrage der GZ. „Wir drängen weiterhin auf einen Vorort-Termin, damit sich die Verantwortlichen von Verwaltung und Gemeinderat das dringend nötige Bild vor Ort machen können.“ Seine Hoffnung ist, dass die Sachlage eventuell von dem im Juli startenden neuen Gremium neu bewertet werden könnte. Meyer: „Bislang haben wir den Eindruck gewonnen, dass so mancher Stadtrat gar nicht genau weiß, was hier geplant ist.“

Straßenbau in Altenstadt? Bebauungsplan von 1983

Frank Meyer und seine Frau Carola Henseler wären, wie berichtet, ebenso von der geplanten Erschließung betroffen wie Uli Schweizer, Inhaber des ehemaligen „Hauses des Kindes“ und zahlreiche andere Bewohner des Quartiers. Würde der rechtsverbindliche Bebauungsplan von 1983 – dessen Anfänge nach Angaben der Bewohner mindestens in die 1950er Jahren zurückreichen – umgesetzt werden, dann würden künftig zwei neue Straßen durch das Gebiet führen: der von der Schlachthausstraße kommende, nach Westen führende Moselweg und die von der B 10 als Abzweig nach Norden führende Stuttgarter Straße. Die Straße sei als „schmale Anliegerstraße im Einbahnverkehr“ geplant, so die Verwaltung.

Meyer, Henseler und Schweizer: Grüngürtel mit vielfältiger Tier- und Pflanzenwelt soll erhalten bleiben

Diese weitere Erschließung des Areals halten die Anwohner für überflüssig; sie befürchten Lärm und Verkehr sowie die Zerstörung eines Grüngürtels mit vielfältiger Tier- und Pflanzenwelt. Rund 100 Quartiersbewohner protestierten bereits mit einer Unterschriftenaktion gegen den Bebauungsplan; nach der Berichterstattung der GZ äußerten etliche Nutzer in den sozialen Medien ihr Unverständnis über die städtischen Pläne.

OB Dehmer schreibt in der Pressemitteilung, dass man nach den „von verschiedenen Seiten“ erhobenen Vorwürfen gegen Stadtverwaltung und Gemeinderat „unsere Sicht der Dinge und die Fakten dazu kommunizieren“ wolle. Der Gemeinderat habe den Bebauungsplan von 1983 im Jahr 2010 bekräftigt. 2018 habe das Gremium das laufende sogenannte Umlegungsverfahren angeordnet, das dazu diene, „die betroffenen privaten Grundstücke so umzugestalten, dass sie, entsprechend den Vorgaben des rechtsverbindlichen Bebauungsplans, bebaut werden können“.

OB Frank Dehmer: „Nehmen die Sorgen ernst“

Teil des Umlegungsverfahrens sind sogenannte Erörterungsgespräche der Stadtverwaltung, in denen den betroffenen Anwohnern die Modalitäten des Verfahrens erklärt und die geplanten Zuteilungen und deren finanzielle Auswirkungen für das jeweilige Grundstück besprochen werden. Für die Anwohner Meyer/Henseler und Schweizer waren sie kein Grund zur Beruhigung: Vielmehr hätten sie den Eindruck gewonnen, so berichteten sie der GZ, dass das Umlegungsverfahren weit fortgeschritten sei und ihre Argumente nichts mehr ändern würden.

Dehmer betont, dass man die Sorgen ernst nehme und sich um eine Prüfung von Alternativen bemühe – „trotz der schriftlichen Zustimmung, die einige der Betroffenen bereits vor Jahren zur Umlegung gegeben haben“.

Verlegung des Straßenverlaufs?

Die Anwohner kritisieren den Bebauungsplan, weil sich die Rahmenbedingungen seit 1983 völlig verändert hätten. So wäre es aus ihrer Sicht beispielsweise möglich, den geplanten Moselweg weiter südlich auf mittlerweile städtischen Grund zu legen. Diese Alternative nennt nun auch die Verwaltung in ihrer Mitteilung: Bereits 1934 habe man die geplante Straße nach Süden verschoben, 1994 ein zweites Mal.

Denkbar wäre auch, so ergänzt Dehmer, nur eine Straße von der Rheinlandstraße zur Stuttgarter Straße zu bauen und den Abschnitt zur Schlachthausstraße wegzulassen. Beides seien bislang aber nur Überlegungen, die geprüft werden müssten. Der Vorschlag der Anwohner, die Straße zu verkürzen und stattdessen eine Wendeplatte zu bauen, sei aus Sicht der Verwaltung wegen des höheren Flächenbedarfs und des dann nötigen Zweirichtungsverkehrs „nicht die beste Lösung des Problems“.

Unser Video vom 31. Mai:

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