ELR Stötten will in ELR-Fördertopf, Land entscheidet im März

Stöttens Ortsvorsteher Hermann Eberhardt zeigt das Sorgenkind des Geislinger Stadtbezirks, die marode Winterreute-Straße. Die Sanierung sollte schon vor 23 Jahren passieren, fiel aber dem städtischen Rotstift zum Opfer. Nun will Stötten ins ELR-Förderprogramm, um die Dorfsanierung wieder voranzutreiben.
Stöttens Ortsvorsteher Hermann Eberhardt zeigt das Sorgenkind des Geislinger Stadtbezirks, die marode Winterreute-Straße. Die Sanierung sollte schon vor 23 Jahren passieren, fiel aber dem städtischen Rotstift zum Opfer. Nun will Stötten ins ELR-Förderprogramm, um die Dorfsanierung wieder voranzutreiben. © Foto: Markus Sontheimer
Stötten / JOCHEN WEIS 18.02.2016
Ganz Stötten hofft: Der Geislinger Stadtbezirk will ins ELR-Förderprogramm des Landes, um endlich die marode Winterreute-Straße zu sanieren. Der Antrag ist seit Oktober raus, die Entscheidung fällt im März.

Eybach war schon drin, Aufhausen ist drin - und Stötten hofft in diesem Jahr endlich reinzukommen: das ELR, Kürzel fürs "Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum" und aus Stöttener Sicht die große Chance, die seit immerhin 23 Jahren unvollendete Ortskernsanierung doch noch hinzubekommen. Den Antrag hat die Stadtverwaltung Mitte Oktober beim Regierungspräsidium abgegeben, im März - so hofft Stöttens Ortsvorsteher Hermann Eberhardt - möge dann der positive Bescheid aus Stuttgart im Geislinger Rathaus eingehen.

23 Jahre - so lange schon taucht in schöner Regelmäßigkeit das Wort "Winterreute-Straße" auf - eine alte Dorfstraße am südwestlichen Ortsrand, die seit Ende der 1990er das Baugebiet "Vorderer Buch" mit dem Ort verbindet. Und deren Erscheinungsbild im Vergleich zum Bereich Kirche/Rathaus/Oberdorfstraße, dem bereits sanierten Teil des Geislinger Stadtbezirks, konträrer nicht sein könnte: Dort alles schön hergerichtet, gefasst und gepflegt, dagegen die Winterreute-Straße als Rumpelpiste mit Schlaglöchern, deren Asphaltgrau dank der Flicken und Ausbesserungen wenigstens in unterschiedlichen Farbnuancen schimmert.

"Die Sanierung wäre der Abschluss der Dorfsanierung in den 1990ern gewesen", sagt Eberhardt - wofür auch schon ein Zuschussbescheid über damals 150.000 Mark vorlag. Allerdings hatte die Stadt seinerzeit kein Geld mehr übrig für das Projekt. "Dann hieß es, die Winterreute-Straße könnte im Zuge der Ausweisung des Baugebiets Vorderer Buch saniert werden", erzählt Hermann. Allein: Es blieb beim Wollen. Nun wäre das ELR die große Chance, endlich zu Potte zu kommen: 800.000 Euro würde das gesamte Projekt laut Eberhardt kosten, davon 40 Prozent der (förderfähigen) Kosten als Landeszuschuss.

Dabei geht es um nichts Überkandideltes, sondern um Basics, die man bei einer Dorfstraße erwarten kann: gute Beleuchtung, Gehweg und eine funktionierende Entwässerung, sodass das Regenwasser nicht in die Grundstücke suppt. Reste des alten gepflasterten Kandels sieht man noch. "Dabei geht es nicht nur um eine optische Aufwertung, sondern auch um eine ordentliche Verbindung vom Vorderen Buch zum Ort", sagt Eberhardt: "Dort bauen ja in aller Regel nicht die 80-Jährigen, sondern junge Familien, deren Kinder in den Ort zur Bushaltestelle gehen."

Doch selbst die "Aufwertung" spielt eine nicht unwesentliche Rolle, "das erhöht zugleich die Lebens- und Wohnqualität". Hintergrund: Das ELR fördert auch private Investoren mit bis zu 30 Prozent, wenn sie Häuser modernisieren oder aber neuen Wohnraum schaffen, etwa indem sie alte Scheuern umbauen. "Da haben wir schon einige Interessenten an der Winterreute-Straße, andere warten noch ab, ob wir den Zuschlag erhalten", erläutert Eberhardt: "Die sagen, wir gehen nicht schon in Vorleistung mit Architekt und Planung und haben am Ende Ausgaben, aber keine Zuschüsse."

Immerhin: Ein fertiger Entwurf für die Winterreute-Straße liegt bereits seit 2012 vor, "im Prinzip könnte man auf dieser Grundlage mit der Sanierung beginnen."

Ein zweites Projekt, das Eberhardt und die Stöttener im Zuge einer Dorfsanierung verwirklichen wollen, ist der Bau eines Dorfplatzes. "Das Projekt ist zwar beschrieben, aber nicht beantragt." Zum Dorfplatz würde dann jener asphaltierte Platz vor dem ehemaligen Schulhaus, das die 280 Stöttener Bürger als Dorfhaus nützen. Dieser Platz - so sehen es erste Überlegungen vor - könnte eine Decke aus Pflastersteinen bekommen, außerdem zum benachbarten Freizeitheim der Kirche hin, das etwas höher liegt, tribünenförmig angeordnete Steinquader als Sitzgelegenheit. Eberhardt: "In dem Heim ist das ganze Jahr über Betrieb, die Leute dort hätten eine tolle Gelegenheit, um draußen zu entspannen. Und unsere Vereine hätten einen tollen Festplatz", sagt Eberhardt, "der Dorfplatz wäre da ein richtiger sozialer Mittelpunkt unseres Orts."

Gefragtes Programm

Förderung Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ist ein Strukturprogramm, mit dem das Ministerium für Ländlichen Raum zwei Ziele verfolgt: die Lebensqualität und den Wohnraum in den Dörfern zu erhalten. Gefördert werden dabei sowohl öffentliche als auch private Projekte. Im vergangenen Jahr bezuschusste das Land insgesamt 655 Projekte in 354 Gemeinden mit 60,7 Millionen Euro.

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