Göppingen Starkes Europa kann helfen

Göppingen / NADJA KIENLE 16.03.2012
Zur aktuellen europäischen Finanzkrise fand in der Göppinger Stadthalle ein vom Grünen-Kreisverband veranstaltetes Podiumsgespräch statt.

Rund um die aktuelle europäische Finanzkrise fand jüngst in der Göppinger Stadthalle ein spannendes Podiumsgespräch statt, das der Kreisverband der Grünen organisiert hatte. Als Redner nahmen daran Dr. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, Dr. Hariolf Teufel, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Göppingen, Wolf Ulrich Martin, Präsident der IHK Bezirkskammer und Vorstandschef des Bankhauses Gebrüder Martin, sowie Bernd Rattay, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Göppingen-Geislingen, teil. Die Diskussionsleitung hatte Dr. Rolf Wehaus, ehemaliger Tagungsleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll.

"Ist Griechenland zu retten, wer zahlt am Ende dafür die Kosten und welche Regulierungen müssen im Finanzsystem erfolgen?" Mit diesen Fragen eröffnete Walter Kißling, Kreisvorsitzender der Grünen, den Abend, bevor Finanzexperte Schick einen Zugang zum Thema herstellte.

Jede Finanzkrise sei im Kern eine Schuldenkrise, bei der das Verhältnis zwischen Verschuldung und realer Wirtschaftsleistung außer Kontrolle geraten sei, sagte Schick. Er zeigte auf, dass dabei auch von einer Vermögenskrise gesprochen werden müsse, da Vermögenspositionen untrennbar mit Krediten verbunden seien und dies im Endeffekt bei ungleicher Verteilung zu einer zunehmenden Destabilisierung der Finanzmärkte führe. "Um die Krise überwinden zu können, müssen diese Ungleichgewichte korrigiert werden", verdeutlichte der finanzpolitische Sprecher der Grünen.

Schick diagnostizierte auch einige "Konstruktionsfehler" der EU, wie das Fehlen eines Instruments zur Regulierung von Ungleichgewichten oder sinnvolle Regelungen zur Staatenrettung. Zudem forderte er mehr Ehrlichkeit, auch was die Frage der letztendlichen Kostenträger anbelangt. Die Grünen plädierten hier für eine einmalige Vermögensabgabe für Millionäre, erklärte er.

Den allgemeinen Grundtenor der Redner, für ein starkes Europa zu kämpfen, brachte Kreissparkassenchef Teufel auf den Punkt: Griechenland habe zwar über seine Verhältnisse gelebt, aber als EU-Mitgliedsland könne es trotzdem Solidarität erwarten. "Wir brauchen ein starkes Europa", erklärte Teufel. Nur ein starkes Europa könne eine gute Rolle mit entsprechender Position in der Weltpolitik spielen. Griechenland müsse einfach längere Zeit eine Anpassungsrezession durchlaufen, was zwar für die Bevölkerung "hart und schmerzhaft" sei, nur dadurch werde aber ein solides Wachstum möglich. Teufel sprach sich zudem für eine Finanztransaktionssteuer aus.

IHK-Bezirkskammer-Präsident Martin bezeichnete die momentane Situation als "Schrecken ohne Ende". Doch sieht er letztendlich keine Alternative zu den Regierungsbeschlüssen.

Gewerkschafter Rattay verdeutlichte, dass bei den jeweiligen Rettungsmaßnahmen auch die Auswirkungen auf die Güterströme nicht außer Acht gelassen werden dürften. Zudem brachte er in Bezug auf die Stärkung der Binnenkaufkraft den Abbau von Leiharbeit und geringfügiger Beschäftigung zur Sprache.