Geislingen Sportgeschäfte bleiben auf Fanartikeln sitzen

Geislingen / Angelina Neuwirth, Eva Heer, Isabelle Jahn 29.06.2018
Nach dem WM-Aus für Deutschland verkaufen sich Fan-Artikel schlecht. Die Polizei blickt voraus auf das morgige Kroatienspiel.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist in der Vorrunde ausgeschieden – das ist noch nie passiert. Niemand hat mit so einem Debakel gerechnet  und mit Sicherheit auch nicht die Sportgeschäfte im Raum Geislingen, die Trikots und Fanartikel in den Deutschland-Farben verkaufen. Was passiert jetzt damit? „Wir haben normale Fanartikel wie Fahnen, Hüte und Schals weggeräumt und die Trikots im Preis reduziert, da die Nachfrage entsprechend kleiner wird und die Artikel nur Platz wegnehmen“, sagt Silas Wohlrab, Fachberater und stellvertretender Geschäftsleiter bei Intersport Sebald.

Bei Intersport Britzelmayer verkaufen sich die Trikots tatsächlich trotz der Pleite gegen Südkorea noch. „Am Mittwochabend, gleich nach dem Spiel, kam ein kleiner Junge rein, der sich ein Trikot gekauft hat“, erzählt Filialleiter Markus Banzhaf. Fahnen und andere Fanartikel werden im Gegensatz zu den Shirts nicht reduziert.  Das Sportgeschäft Kölle in Gingen hatte nur Trikots im Sortiment, von denen auch nur noch einige wenige übrig seien, wie Fachberater Yannick Beeck sagt. „Ich denke, die Preise werden wir demnächst noch reduzieren“, fügt er hinzu.

Fahnen, Schminke,  Verzierungen fürs Auto: Evelyn Fiedler von Drogerie Müller in Geislingen hat die deutschen Fan-Artikel aus den Regalen geräumt: „Für Deutschland ist das Spiel ja nun aus“, sagt die Mitarbeiterin. Einzig schwarz-rot-goldene Smileys aus Plüsch hat der Drogeriemarkt am Sternplatz noch im Angebot – zu gesenkten Preisen.

Eine andere Strategie verfolgt Galeria Kaufhof in Göppingen. Das Kaufhaus hat hochwertige Deutschland-Trikots mit dem Weltmeister-Wappen im Angebot – jetzt stark reduziert. „Das Trikot ist jetzt sehr beliebt“, sagt Geschäftsführer Benedikt Wiegel. Denn das Wappen wird das kommende WM-Trikot der deutschen Mannschaft natürlich nicht mehr verzieren. Weitere Devotionalien wie Fahnen, Trillerpfeifen, schwarz-rot-gold geschmückte Haushaltswaren sind bei Galeria Kaufhof immer noch im Angebot, allerdings nicht mehr so prominent platziert.

Dennoch bleibt dieser wirtschaftliche Einbruch nicht ohne Folgen: „Für die kleinen und mittelständischen Händler bedeutet es einen finanziellen Schlag, die bleiben auf der Ware sitzen. Große Ketten können so etwas querfinanzieren und haben ein breites und großes Sortiment“, sagte Hilmar Pfister vom Einzelhandelsverband Baden-Württemberg gegenüber dem SWR. Auf persönliche Nachfrage war Pfister gestern nicht zu erreichen.

Public Viewing geht weiter

Auch auf die Anbieter von Public Viewings hat das Ausscheiden der Nationalelf seine Auswirkungen: Bei den öffentlichen Übertragungen der Deutschlandspiele waren die Sitzbänke „gerammelt voll“ – sowohl im Stadtpark als auch im Biergarten in Altenstadt, heißt es von den Verantwortlichen. „Ich hätte mir auf jeden Fall gewünscht, dass wir weiterkommen“, sagt Manfred Reif, Geschäftsinhaber des Biergartens im Stadtpark, und meint damit nicht nur sein privates Interesse.

Gemeinsam Fußballschauen im Freien kann man in Geislingen aber trotzdem weiterhin: Im Stadtpark werden laut Reif alle Spiele übertragen, auf bis zu vier TV-Geräten. Je nach Anzahl der Gäste stelle man mehr oder weniger Apparate auf. Im Biergarten in Altenstadt werden ebenfalls alle Spiele gezeigt, sagt Chef Mark Semmler. Es kämen auch viele ausländische Besucher, zum Beispiel Kroaten. Die Fans des kroatischen WM-Teams fiebern morgen Abend wieder mit ihrem Favoriten um den Sieg: Ab 20 Uhr tritt Kroatien gegen Dänemark im Achtelfinale an.

Auf das morgige Spiel und insbesondere auf danach bereitet sich auch die Polizei vor. In der Vorrunde haben zwischen 200 und 300 kroatische Fans am Sternplatz gefeiert, unter anderem mit einem Autokorso, berichtet Geislingens Polizeichef Jens Rügner. Dabei sei es stets friedlich zugegangen. Er und seine Kollegen sowie Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner sind diesmal trotzdem wieder vor Ort, um Sicherheit zu gewährleisten, auch für Autofahrer, die einfach nur vorankommen wollen. Eine Straßensperrung ist in diesem Fall laut Rügner nicht erforderlich – anders als nach dem Sieg der Deutschen gegen die Schweden, als mehr als 800 Feiernde den Sternplatz belagerten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel