Mühlhausen Spannender Beruf fordert Kopf und Hände

Die beiden Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik Ingo Borst (vorn) und  Tobias Feichtenbeiner finden ihren Beruf sehr spannend, zumal man Hände und Kopf braucht.  
Die beiden Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik Ingo Borst (vorn) und  Tobias Feichtenbeiner finden ihren Beruf sehr spannend, zumal man Hände und Kopf braucht.   © Foto: Claudia Burst
Mühlhausen / Von Claudia Burst 05.06.2018
Das besonders Spannende am Beruf „Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik“ ist die Kombination aus der Hände-Arbeit und der Arbeit mit dem Kopf.

Ingo Borst und Tobias Feichtenbeiner sind beide „Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik“. Beide Männer sind Mitarbeiter der „Hans Arnold GmbH“ in Mühlhausen, die seit über 40 Jahren technische Kunststoffteile herstellt und montiert.

Und beide sind inzwischen sogar Industriemeister in ihrem Fach. Das ist nur eine der Möglichkeiten, wie sich die Verfahrensmechaniker-Gesellen weiterbilden können. Andere sind der Techniker oder wählen im Anschluss daran oder an die Meisterprüfung die Möglichkeit, ein fachbezogenes Studium wie etwa Chemie oder Prozesstechnik an einer Fachhochschule zu absolvieren.

Die Chancen, eine Ausbildungsstelle zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechniker zu finden, sind sehr groß und damit gut. Voraussetzung dafür ist ein guter Hauptschulabschluss, sagt Tobias Feichtenbeiner, und zwar, weil Deutsch, Mathe und Englisch auch in der Berufsschule einen wichtigen Teil ausmachen. Die findet mit Blockunterricht in Ehingen statt. „Aber vor allem braucht ein Bewerber technisches Verständnis und Spaß am Arbeiten mit den Händen.“

Während der Ausbildung verbringt der Azubi das erste halbe Jahr seiner dreijährigen Lehrzeit im Werkzeugbau, das zweite Halbjahr in der Fertigung. „So bekommt er ein gutes Grundverständnis dessen, um was es geht“, erklärt Feichtenbeiner.

Und das ist in erster Linie, aus Kunststoffgranulat-Masse eine spezielle Form herzustellen. Das geht über hochtechnisierte Maschinen, die per Computer gesteuert werden. Aber jedes der unterschiedlichen Materialien muss mit einer anderen Temperatur geschmolzen werden, es muss unterschiedlich feucht sein und manchmal bringt selbst das Wetter die Maschinen durcheinander. „Dann ist es unsere Aufgabe, herauszufinden, warum die Maschinen nicht so funktionieren, wie sie sollen oder warum das Ergebnis nicht unseren Qualitätsansprüchen genügt“, erläutert Feichtenbeiner. Außerdem stellt jede der technischen Kunststoffformen der Kunden – zu denen Bosch, ­Festool, AEG, Stihl, Metabo und sogar Porsche gehören – andere oder gar neue Herausforderungen an die jeweiligen Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kaut­schuktechnik. „Das macht unseren Beruf so abwechslungsreich und vielseitig“, sind sich die beiden Arnold-Experten einig. „Es ist jeden Tag was anderes, was da auf uns zukommt“, sagt Tobias Feichtenbeiner und Ingo Borst gefällt, „dass wir sowohl körperlich arbeiten als auch mit dem Kopf.“

Ein Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ist nach der Ausbildung auch dafür zuständig, Mitarbeiter auf die Maschinen einzuweisen und ihnen die entsprechenden Kniffe und Fertigkeiten zu erklären, er muss seine Einstelldaten an der Maschine dokumentieren oder die Roboter programmieren, die die fertigen Kunststoffteile aus der Maschine entnehmen. „Roboter sind auch nur Menschen“, flachst Ingo Borst und macht humorvoll deutlich, dass es auch daran immer was zu tun gibt. Die Technik in der Herstellung der Formen entwickelt sich immer weiter. Als Ingo Borst vor 25 Jahren in seinem Beruf anfing, waren Formen mit zwei Kunststoff-Komponenten schon Hightech. „Heute spritzen wir mit bis zu vier Komponenten – und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

Bei der Berufswahl an Alternativen denken

Selten hatten junge Menschen so gute Startbedingungen für ihr Berufsleben wie jetzt. Fachkräfte mit einer Ausbildung und aufbauenden Qualifizierungen sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt und haben ebenso gute Karrierechancen wie mit einem Studium. Insgesamt gibt es rund 350 Ausbildungsberufe – und in nahezu allen werden Nachwuchskräfte gesucht. Es lohnt sich, neben den „Top 10“ der beliebtesten Ausbildungsberufe auch die nicht so bekannten anzuschauen und attraktive Alternativen für sich zu entdecken. In der Serie stellen wir einige von ihnen vor.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel