Bildung Sommerakademie auf ehemaligem Truppenübungsplatz

Geislingen an der Steige / Claudia Burst 09.06.2018

Es war bereits im vergangenen Jahr, als Professor Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) den Senior-Studenten der Hochschule 50plus einen Vortrag hielt über die Kulturlandschaft im Allgemeinen und das Biosphärengebiet Schwäbische Alb im Besonderen. Dazu hat die Exkursion der Sommerakademie in diesem Jahr gepasst. Sie führte nach Münsingen auf den ehemaligen Truppenübungsplatz, der einen kleinen Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ausmacht und als Ausgangspunkt und Herzstück gilt – nicht zuletzt weil sich die Geschäftsstelle und Verwaltung des Biosphärengebiets dort befindet.

Roman Lenz war Gast bei der Busfahrt über die Rundstrecke rund um das 6700 Hektar große Gebiet, das durch die intensive militärische Nutzung 100 Jahre lang nicht landwirtschaftlich verändert wurde und daher in faszinierender Ursprünglichkeit besteht.

Ihm zur Seite stand der Truppenübungsplatz-Führer Manfred Waßner, der die Gegend wie seine Westentasche kennt und zahlreiche spannende, lustige und auch erschreckende Geschichten aus den vergangenen Jahrzehnten erzählte. Etwa aus den 1980er-Jahren, als die Franzosen auf dem Gebiet aktiv waren: Für die Granat-Übungen war das Gelände zu klein, deshalb hatten sie außerhalb sogenannte Außenfeuerstellungen installiert, von denen aus sie ihre Granaten in den Truppenübungsplatz abfeuerten. „Einmal, als ich noch Bürgermeister von Magelsheim war, haben sie sich dabei verrechnet – und 36 Granaten zu uns ins Wohngebiet geschossen“, erzählte Waßner.

Seit 2005 ist kein Militär mehr auf dem Gebiet. „Seitdem hat es plötzlich überall Schranken“, sagte er – und kritisierte damit die rigorosen Reglementierungen auf dem Naturschutzgelände. Dabei spielten sich der Guide und der Hochschul-Professor gegenseitig die Bälle zu, um deutlich zu machen, dass die Gefahr von Minen oder anderen Sprengkörpern vorgeschoben werde. „Da gibt es vermutlichen keinen Quadratmeter, über den in den vergangenen Jahrzehnten nicht ein Panzer gefahren ist“, machte Waßner deutlich.

Die Verdichtung durch die Panzer, die durch sie entstandenen Pfützen und Mini-Seen hätten dem Gebiet eine außergewöhnliche Flora mit blühenden Wiesen im Frühjahr und Fauna mit Amphibien in diesen Wasserlöchern beschert. „Das ist heute fast weg. Und obwohl es offiziell Naturschutzgebiet ist, dürfen wir hier mit unseren Studenten nicht mehr rein, um die Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren seit der letzten Erfassung zu kartieren und zu dokumentieren“, kritisierte auch Roman Lenz. Er genauso wie Waßner finden es schade, dass der größte Teil der „wunderschönen Wanderwege“ unter fadenscheinigen Begründungen für Wanderer gesperrt ist. Die beiden Männer waren sich einig: Man könnte das Gelände auf so vielerlei Weise nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich machen – und die Touristen so lenken, dass sie nichts zerstören.

Nach dem Mittagessen in dem von den Nazis entvölkerten Dörfchen Gruorn, in dem es heute nur noch zwei Gebäude gibt, ging es für die Senioren nach Bad Urach. Dort warteten auf die Geislinger Besucher zwei faszinierende und humorvolle Führungen durch das Residenzschloss. Der weiße und der goldene Saal sowie die außergewöhnliche Schlittensammlung zog sie besonders in ihren Bann.

Hatte sich das Wetter den ganzen Tag über von seiner besten Seite gezeigt, so fing es genau in dem Moment an zu regnen, als die Senioren-Studenten in Geislingen wieder aus dem Bus stiegen.

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