Sogar die Stadtkapelle war gekommen: Die Musiker lockten mit schmissigen Melodien die Gebauer-Kunden aus den anliegenden Geschäften zum Getränkemarkt. "Dabei hab ich an die Stadtkapelle gar nicht gedacht, als ich versucht habe, alle einzuladen, die irgendwie mit der Kaiser-Brauerei verbunden sind", gibt der SPD-Landtagsabgeordnete und Geislinger Gemeinderat Sascha Binder zu. Die Stadtkapelle habe ihr Kommen von allein angeboten.

Aber auch alle anderen zögerten nicht und sagten innerhalb von zwei Tagen ihr Kommen zu, so Binder - darunter die Bundestagsabgeordneten Hermann Färber, Nicole Razavi (beide CDU) und Heike Baehrens (SPD), Oberbürgermeister Frank Dehmer, die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, Landrat Edgar Wolff, die Ortsvorsteher im Umkreis sowie die Vorsitzenden der Geislinger Vereine und der Feuerwehr. Sie stellten sich am Samstag während einer vier Stunden langen Solidaritätsaktion in den Dienst der Kaiser-Brauerei, die Anfang September Insolvenz angemeldet hatte, und warben dafür, dass Kunden in Geislingen und der Region verstärkt zu den grünen Kisten greifen. Binder sagte, er habe die Aktion als Freund der Familien Kumpf gestartet, und nicht als Lokalpolitiker.

Die Aktion stieß auf große Aufmerksamkeit. Die Mitarbeiter der Kaiser-Brauerei hatten einen Laster voller Bierkisten vor dem Getränkemarkt aufgebaut. Kundschaft, die drinnen zahlte, durfte sich die grünen Kästen von den anwesenden Promi-Helfern vom Lkw runter in den Einkaufswagen stellen lassen. "Schön, dass eine Stadt so solidarisch ist", zeigte sich der Brauerei-Insolvenzverwalter Tobias Sorg beeindruckt. "Mit diesem Rückhalt und vor allem dem motivierten Mitarbeiter-Team hab ich das Gefühl, da kann man was erreichen."

Genauso zuversichtlich zeigten sich die beiden Chefbrauer Hans-Friedrich und Ulrich Kumpf in Bezug auf die Zukunft ihres Traditionsbetriebs. "Ich bin überwältigt, sowohl von der Aktion als auch von der Reaktion sowie vom Einsatz unserer Mitarbeiter", lobte Ersterer, und Ulrich Kumpf sagte: "Das tut uns richtig gut." Er bedankte sich unter anderem bei Manfred Gebauer, den er als "Begleiter und Unterstützer, wies nur wenige gibt" bezeichnete.