Gingen/Geislingen Social Media: "Flüchtlingsgegnern nicht das Feld überlassen"

Felix Bürkle vom Arbeitskreis Asyl Geislingen kümmert sich um die Facebook-Seite „Flüchtlinge in Geislingen“.
Felix Bürkle vom Arbeitskreis Asyl Geislingen kümmert sich um die Facebook-Seite „Flüchtlinge in Geislingen“. © Foto: Rainer Lauschke
Gingen/Geislingen / RUBEN WOLFF 11.11.2015
In den Sozialen Medien tobt oft ein verbaler Krieg zwischen Flüchtlingsgegnern und Asylbefürwortern. Der Streit beschäftigt auch Felix Bürkle, der die Seite „Flüchtlinge in Geislingen“ betreut.

„Facebook wählt für dich aus, was du auf deiner Startseite siehst“, sagt Felix Bürkle mit einem düsteren Unterton. Das Soziale Netzwerk merkt sich, auf welchen Seiten ein User unterwegs ist und „es zeigt dir, was deine Freunde mögen und kommentieren“, fügt Bürkle hinzu. Der Ernst in seinen Worten entspricht seiner Sorge um die angebliche Freiheit, mit dem die Internet-User durch die Weiten von Facebook surfen. Statt Freiheit sieht der 32-Jährige also Grenzen.

Wer Freunde hat, die mit AfD und Pegida sympathisieren, findet das spätestens dank Facebook heraus. Im schlimmsten Fall quillt die eigene Startseite mit deren Beiträgen über. Bürkle denkt kurz nach. Dann kommt er zum eigentlichen Punkt, auf den er hinaus will: Wer selbst Flüchtlingsgegner ist, ist davon überzeugt, dass er einer von vielen sei. Das alles lasse den „perversen Irrglauben einer bislang schweigenden Mehrheit“ entstehen, „die glaubt, jetzt laut zu werden.“

Der Gingener ist davon überzeugt, dass die Rechten und die Flüchtlingsgegner nicht die Mehrheit in Deutschland bilden – obwohl einige von ihnen das vielleicht glauben wollen. Doch auch dank Facebook sähen sie sich auf dem Vormarsch. Ihr Selbstvertrauen sei gestiegen. Wenn alle das Gleiche denken, müsse es ja wahr sein. Und so kommt Bürkle zu seinem Schluss: „Facebook ist denkbar ungeeignet dafür, seine eigenen Einstellungen zu hinterfragen.“

Kein Groll gegen Soziale Medien

Doch der 32-Jährige hegt keinen Groll gegen die Sozialen Medien. Er kennt die Grenzen der virtuellen Freiheit und ihn widern manche Diskussionen auf den Seiten von Tageszeitungen an, in denen Flüchtlingsgegner ihre Wut in Anklageschriften für die mediale Welt niederschreiben. Felix Bürkle glaubt aber sehr wohl an den Sinn und den Nutzen von Facebook und anderen Social-Media-Plattformen. „Social Media ist ein Muss“, betont er und deswegen betreue er auch gerne die Seite „Flüchtlinge in Geislingen“ - für die der Arbeitskreis Asyl verantwortlich ist. „Für uns ist es wichtig, ansprechbar zu sein.“ Über kurze Nachrichten und Post entstehe ein erster einfacher Kontakt, der kurze Zeit später zu einem persönlichen Gespräch führen kann.

„Flüchtlinge in Geislingen“ ist eine Anlaufstation für jene, die helfen wollen. Fast 1000 Menschen folgen bereits täglich den Beiträgen, informieren sich und diskutieren, wo und wie sie am besten helfen können. „Negative Post haben wir eigentlich nie“, sagt Bürkle.

Es gibt viele Arbeitskreise im Landkreis Göppingen, die sich um Asylbewerber kümmern. In den Sozialen Medien findet man jedoch nur einen von ihnen – den Geislinger. Das habe mit einem glücklichen Umstand zu tun, wirft Bürkle ein. „Flüchtlinge in Geislingen“ habe es schon früher gegeben, doch der Arbeitskreis habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt und die Seite übernommen, als sie jemanden fanden, der bereit dafür war: Felix Bürkle. Der 32-jährige Gingener ist Online-Promoter bei Nuclear Blast in Donzdorf und verdient sein Geld mit dem Internet. Für Wolfgang Nordmann, Leiter des Geislinger Arbeitskreises, war Bürkle die perfekte Wahl. „Betreuung von Flüchtlingen ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, betont der Online-Experte. Er könne dank des AKs seinen Teil dazu beitragen und diesen mit seiner Leidenschaft für die Sozialen Medien verbinden.

Der Arbeitskreis Asyl hat sich im Internet mittlerweile ganz neu aufgestellt. Seit Kurzem gibt es auch eine neue  Homepage  - siehe „Facebook-Hetze“.

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