Ortsporträt So lebt sich’s hier: Stöttener lieben das Dorfleben

Heike Siegemund 25.08.2017
275 Menschen leben in Stötten. Zwar gibt es keinen Laden, aber über die ausgebaute Steige erreicht man die Kernstadt Geislingen schnell, sagt der Ortsvorsteher.

Eine kleine Dorfgemeinde mit großem Zusammenhalt: So beschreibt ­Stöttens Ortsvorsteher Hermann Eberhardt seinen ­Heimatort. „Wenn ich morgen sage: ,Wir machen eine Dorf­putzete‘, dann habe ich sofort viele Helfer“, nennt Eberhardt ein Beispiel. Und wenn das Waldfest des Schützenvereins stattfinde, mangle es nicht an Freiwilligen, die Kuchen backen oder beim Aufbauen mit von der Partie sind.

„Die Stöttener lieben das Dorf­leben. Sie sind stolz auf ihre Heimat“, sagt Eberhardt. Stötten sei ein überschaubarer Ort in schöner Südhanglage mit „wunderbarer Aussicht“. Es gebe Ruhe, gute Luft, attraktive Baulandpreise „und trotzdem die Nähe zur Stadt“.

So erreiche man über die ­fertig ausgebaute Steige, die in einem „top Zustand“ sei, mit dem Auto in fünf Minuten zum Beispiel den Edeka-Markt in der Heidenheimer Straße in Geislingen. Überhaupt ist der Ortsvorsteher besonders stolz auf „seine“ Steige: Kein Stadtbezirk der Fünftälerstadt verfüge über eine solch‘ schöne Steige wie Stötten, meint er.

Dass die 275 Einwohner auf das Auto oder den Bus angewiesen sind, um einzukaufen, eine Apotheke oder einen Arzt aufzusuchen oder sich die Haare schneiden zu lassen, daraus macht der Ortsvorsteher keinen Hehl. Zwar fahren ein Bäcker und ein Metzger die Albgemeinde einmal wöchentlich an; doch einen Laden sucht man in Stötten vergebens. Ihre Einkäufe erledigen die Stöttener in Geislingen, Böhmenkirch oder Ulm, sagt Eberhardt.

In Stötten gibt es neun Landwirte, einen Gasthof, eine Fensterbaufirma, einen Bagger- und einen Forstbetrieb sowie die Feuerwehr, die Landfrauen, den Kirchenchor, die Jagdgenossenschaft und den Schützenverein. Der geplante Wind- und Wetter-Erlebnis-Park steht laut Eberhardt kurz vor der Einweihung. Der Kindergarten wurde mangels Kindern bereits vor Jahren geschlossen. Auch eine Schule gibt es in dem kleinen Ort nicht. Die Kinder lernen an Schulen in Geislingen; auch die Grundschule in Treffelhausen wurde schon von Stöttener Kindern besucht.

Idyllisch präsentiert sich die Ortsmitte der kleinen Albgemeinde: Neben dem Rathaus steht der Dorfbrunnen, schräg gegenüber befindet sich die evangelische Kirche. Weiter oben, den Berg hoch, kommen im alten Schulhaus die Vereine des Ortes zusammen. Außerdem gibt es einen Spiel- und Bolzplatz.

Für diesen Bereich hat der Ortsvorsteher eine Vision: Sein Wunsch ist ein attraktiver Dorfplatz vor der alten Schule, um dort Feste feiern zu können. Den Platz könnte man mit Pflastersteinen belegen, eine kleine Terrassenanlage wäre denkbar, und die alte Schule könnte man zur Terrasse hin öffnen, überlegt Eberhardt. Weil ein Teil des Grund und Bodens der evangelischen Kirchengemeinde gehört, hofft er auf eine Zusammenarbeit: „Auch die Kirche könnte diesen Platz für Veranstaltungen nutzen.“ Bei den Bürgern seien die Pläne zur Gestaltung des Dorfplatzes sehr gut angekommen. In der Konzeptbeschreibung des Antrags für das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) sei der Dorfplatz bereits enthalten.

Apropos ELR: „Stötten hat den positiven Bescheid für den Ausbau der Winterreutestraße erhalten“, sagt Eberhardt erfreut. Im Frühjahr soll der Baubeginn erfolgen. Der Ausbau werde das Dorfbild zum Positiven hin verändern. Er sei auch deshalb wichtig, weil es sich bei dieser Straße um die Zufahrtsstraße zum Neubaugebiet handle, in dem einige junge Familien leben. Dort sind von den 35 Bauplätzen derzeit noch 15 zu haben.

Auch für schnelles Internet werden die Voraussetzungen geschaffen: Beim Ausbau der Winterreutestraße soll ein Leerrohr für Glasfaser verlegt werden; zwischen Kuchalb und Stötten sei dies bereits geschehen, betont der Ortsvorsteher.

Freilich gibt es aber auch das eine oder andere Problem, das Eberhardt nicht verschweigt: So würden manche Autofahrer von Schnittlingen her kommend den Berg hinab durch den Ort rasen. Deshalb hätten sich schon Anwohner beklagt. Der Ortsvorsteher appelliert an die Verkehrsteilnehmer, Rücksicht auf die Bewohner zu nehmen.

Auch das Thema Windkraft beschäftigt die Stöttener: Derzeit befinden sich auf Stöttener Gemarkung neun Windkraftanlagen. Zwei weitere für Forschungszwecke sollen hinzukommen. Der Ortschaftsrat habe diesem Vorhaben zugestimmt, sagt Eberhardt. „Aber mehr Windkraftanlagen brauchen wir jetzt nicht mehr.“

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