Stötten So lebt sich's hier: Familie Liebermann aus Stötten

Stötten / CLAUDIA BURST 19.08.2016
Kälbchen streicheln, Bulldog fahren: Ole und Tom Liebermann wissen, was ihnen in Stötten gefällt. Auch ihre Eltern genießen das Dorfleben in dem Geislinger Stadtbezirk.

„Die Erdbeeren bei Margret im Garten“, fällt dem fünfjährigen Ole als Erstes auf die Frage ein, was ihm an Stötten gefällt. Dann kommen seine Antworten Schlag auf Schlag: „Weil Maren mit uns spielt und auch Mia von nebenan, aber die ist noch klein. Und unser Piratenschiff im Garten. Und die Kälber bei Eberhard im Kuhstall streicheln. Aber die großen Kühe sind auch schön. Am besten ist aber Bulldogfahren mit Matthias und Hermann.“ Sein dreijähriger Bruder Tom nickt bestätigend zu allem.

Dass sie die Kinder draußen spielen lassen können, ohne Angst zu haben, gehört für Thilo und Yvonne Liebermann zu den großen Pluspunkten des Lebens im Dorf. „Hier gibt es so viele Kinder, da fahren alle Anwohner langsam“, erzählen sie. Jeder hier wisse, wo die Kinder hingehörten und alle hätten ein Auge drauf. „Sie wachsen behütet auf.“ Schade finden die Eltern der beiden Jungs, dass es keinen Kindergarten mehr im Ort gibt. „Dadurch lernen sich die Kinder nicht mehr so leicht kennen. Weil die gemeinsame Basis fehlt“, sagt Yvonne Liebermann. „Wir kennen gerade mal die, die auch in die Kinderkirche gehen.“

Yvonne Liebermann war 17, als ihre Eltern von Ebersbach nach Stötten zogen, vor 16 Jahren zog ihr heutiger Mann mit in eine der Wohnungen ihres elterlichen Hauses. Als sie das Haus verkauften, aber keinen Bauplatz in Stötten fanden, verschlug es die Liebermanns für acht Monate nach Geislingen. Dann aber kam die Vorbesitzerin ihres Hauses direkt auf sie zu, erzählt das Paar. Sie hatte gehört, dass Liebermanns etwas in Stötten suchten.

Nur auf dem Dorf funktioniert diese Art der effektiven Botschaftsübermittlung, ist das Paar überzeugt. Ein weiterer Punkt, der für Stötten spreche, seien die Preise für Häuser oder Bauplätze. „Das ist einfach noch bezahlbar für Normalsterbliche“, konstatiert Thilo Liebermann, der gelernter Maler und Lackierer ist und heute bei „Wala“ in Eckwälden als Logistiker sowie bei der Werksfeuerwehr arbeitet.

„Wir waren froh, dass wir von Geislingen wieder zurück konnten. Das Leben hier ist einfach herzlicher als in der Stadt“, sagt Yvonne Liebermann. Schnell fallen ihr mehrere Beispiele ein: „Auf der Straße steht man oft zusammen und redet. Oder lädt die Nachbarin auf eine Tasse Kaffee ein. Oder der Nachbar weiht seinen neuen Pizza-Ofen ein und ruft uns alle einfach rüber.“

Das mit der guten Nachbarschaft gelte nicht nur fürs fröhliche Beisammensein, sondern grundsätzlich: „Wenn man Hilfe braucht, ist das nie ein Problem“, sagt Thilo Liebermann und seine Frau fügt hinzu: „Nachbarschaftshilfe wird auf jeden Fall groß geschrieben.“

Wenn man sich im Dorf zeige, sei die Integration einfach, sind sich die Liebermanns einig. So waren sie beim Waldfest im Schützenhaus, bei dem sie „natürlich“ mitgeholfen hätten. „Ich gehöre zum Schützenverein und zur Feuerwehr“, sagt der 44-Jährige, „aber bei diesen Festen, da helfen alle mit.“ Die Frauen backen Kuchen und machen Salate, die Jugendlichen bedienen, die Männer bauen auf. Yvonne Liebermann gehört zu den Landfrauen in Stötten. Dort gibt es eine Turngruppe;  sie geht zudem zu den Mitgliederversammlungen oder backt Kuchen für den Altennachmittag. „Der Einsatz ist überschaubar“, wiegelt sie ab.

„Ach ja“, fällt ihrem Mann da noch ein, „was ich noch toll finde, ist der Bauwagen.“ Der steht bei Christian und Matthias Eberhardt auf dem Grundstück, und dort trifft sich fast jeden Dienstagabend eine große Gruppe Stöttener, manchmal sind auch Auswärtige darunter. „Das ist kein Jugend- sondern ein Mittelaltertreffpunkt“, erklärt der gebürtige Franke schmunzelnd. Den Treff gebe es schon viele Jahre: „Man hockt zusammen, trinkt ein Bier, grillt. Völlig ungezwungen. Ich geh’ da gerne hin.“

Serie „So lebt sich’s hier“

Porträts: Sechs Stadtbezirke gehören zu Geislingen: Aufhausen, Eybach und Stötten, Türkheim, Waldhausen und Weiler. Wie lebt es sich dort als Familie? Wie kommen die Kinder in die Schule, die Eltern zur Arbeit, und wie sieht die Freizeitgestaltung aus? In der GZ-Sommerserie erzählen Familien vom Leben in ihrem Stadtbezirk.