So gesehen: Handwerk in Pink

Strippen ziehen beim Geislinger Alb-Elektrizitätswerk: Schülerinnen der Tegelbergschule arbeiten am "Girls' Day" 2013 in einem Männerberuf.
Strippen ziehen beim Geislinger Alb-Elektrizitätswerk: Schülerinnen der Tegelbergschule arbeiten am "Girls' Day" 2013 in einem Männerberuf. © Foto: Hans Beyer
ISABELLE JAHN 23.04.2016

Bauingenieurin, Tischlerin oder Werkzeugmechanikerin? Bei manchen Berufsbezeichnungen hört sich das "-in" am Ende fremd an. Handwerkliche und technische Berufe erwecken eher Vorstellungen von muskulösen Männern mit Blaumann und Schweißperlen auf der Stirn. Und umgekehrt bindet eher selten ein Florist den Blumenstrauß und wenige Erzieher betreuen anderer Leute Kinder.

Der "Boys' und Girls' Day" will mit diesen Rollenbildern brechen: Mädchen schnuppern in Handwerk, Naturwissenschaft und Technik. Jungs betreten soziale und pflegerische Gebiete, in denen Frauen vorherrschen. In Zusammenarbeit mit Landesministerien, der IHK und anderen Partnern veranstaltet die Bundesagentur für Arbeit den "Zukunftstag" bundesweit am 28. April.

In Zeiten von Lohnkluft und Aufstiegshürden hat der "Boys' und Girls' Day" zweifellos seine Daseinsberechtigung. Vieles spricht dafür, Frauen zu ermutigen, männerdominierte Berufe auszuüben - die dann eben keine solchen mehr wären. Sind Frauenberufe wie etwa im Gesundheitswesen oder im Einzelhandel doch häufig deutlich geringer bezahlt als die Männerdomänen. Aber auch der "Boys' und Girls' Day", der sich laut einer Pressemitteilung "frei von möglichen Rollenbildern" versteht, schwört Klischees nicht konsequent ab: Für beide Geschlechter hat die Arbeitsagentur eine eigene Internetseite eingerichtet. Dort bieten Arbeitgeber, Einrichtungen, Hochschulen und Organisatoren sich als Testfeld an. Über den "Radar" - eine Landkarte mit Suchfeld - finden Schüler, für die das Angebot gedacht ist, dann den "Job" für einen Tag. Ob sie auf der richtigen der beiden Internetseiten gelandet sind, merken sowohl Arbeitgeber als auch Schüler sofort: Auf der "Girls' Day"-Seite strahlt einen der Schriftzug in pink an. Gibt man die Geislinger Postleitzahl ins Suchfeld ein, ploppen immerhin zwei Pünktchen auf der Landkarte auf. Da drängt sich der Gedanke auf, ob die Arbeitgeber auch mit auf den Klischee-Zug springen: Sind die Werkzeugkästen beim Alb-Elektrizitätswerk am "Girls' Day" rosa? Da gäbe es im Online-Handel auch noch den passenden Akku-Schrauber und den genauso drolligen Rasenmäher dazu. Die Internetseite des "Boys' Day" sorgt immerhin für mildernde Umstände: Sie ist nicht blau, sondern orange.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel