So gesehen: Die Säule sieht alles

Sieht alles - blitzt alles: Die neue Poliscan-Säule, die am Eybacher Ortseingang den alten Starenkasten ersetzt. Der stand auf der anderen Seite.
Sieht alles - blitzt alles: Die neue Poliscan-Säule, die am Eybacher Ortseingang den alten Starenkasten ersetzt. Der stand auf der anderen Seite. © Foto: Markus Sontheimer
KARSTEN DYBA 20.02.2016

Vorsicht! Die graue, unscheinbar und bei genauem Hinsehen doch bedrohlich wirkende graue Säule am Ortsrand von Eybach ist keine Straßenlaterne, kein Plakathalter und auch keine Begrüßungsstele. Das Ding überwacht - Autofahrer, die notorisch schneller als die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer fahren. Big brother is watching you. Vollautomatisch. Unfehlbar.

"Die Anlage arbeitet mit einem voll digitalen Messsystem und digitaler Fototechnik", schreibt der Geislinger Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner. "Sie arbeitet unabhängig von der Tageszeit, der Wetterlage und der Verkehrsdichte, wobei falsche Messwerte ausgeschlossen sind."

Die neue Säule in Eybach war nötig geworden, weil das Eichamt den alten "Starenkasten" aus dem Verkehr gezogen hatte. Denn die Mess-Schleifen im Asphalt, die das Tempo messen, wenn ein Fahrzeug drüberfährt, waren alt und haben ungenau gemessen. Deren Wartung oder Erneuerung kann sich die Stadt sparen. Früher hat man dafür den Straßenbelag aufreißen müssen - was entsprechend Geld kostete und die Bußgeldeinnahmen schmälerte. Dumm nur, dass die neue Säule nicht am alten Standort keinen Platz hatte. Nun steht sie auf der anderen Straßenseite. Kein Problem, sagt Theiner: "Die neue Generation der Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen misst mehrere Fahrzeuge auf unterschiedlichen Spuren gleichzeitig und kann sogar in beide Richtungen messen." Kurz: Dem Ding entgeht nichts.

Noch ein Vorteil: Die Wut erboster Autofahrer perlt an dem neuen Gerät ab wie Wasser auf glattem Lack. Eine Mülltonne drüberstülpen? Bringt nichts! Den Kasten knacken und den Film rausziehen? Versuchen Sie's mal! Die Messergebnisse juristisch anfechten? Da lacht die Ortspolizeibehörde aber! Theiner: "Die Eichgültigkeit der Anlage wird vollautomatisch überwacht, und die Falldaten sind durch eine elektronische Sicherung vor unberechtigten Zugriffen geschützt."

Wozu das Ganze dient? Natürlich nicht der Sanierung des städtischen Haushalts, versichert Theiner, sondern der "Abschreckungswirkung" und "Überwachungsreichweite". Und dies trage natürlich "nachhaltig zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei". Ganz nebenbei: Nach Auswertung und Hochrechnung der ersten Messergebnisse darf sich der Stadtkämmerer auf jährliche Einnahmen in Höhe von etwas mehr als 140000 Euro freuen.

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