Bodypaint So erotisch kann Kunst sein

FRANZISKA KONRAD 05.10.2014
Wie die Haut wohlgeformter Körper zur Leinwand wird, war beim ersten Bodypainting-Fest in Geislingen zu bestaunen. Drei renommierte Künstler griffen dort zu Farbe und Spritzpistole.
Geislingen erlebte am Samstagnachmittag und -abend eine Premiere: das erste Bodypainting-Fest, organisiert von der Aktionsgemeinschaft „5-Sterne“. Bis in den späten Abend hinein hatten vor allem in der Fußgängerzone die Modegeschäfte und einige weitere Fachhändler geöffnet. Zweiter Hauptort des Geschehens war der Städtische Sportplatz mit Albmarkt und Nel Mezzo.

Hauptanziehungspunkt für die Shopper, Bummler und Passanten, die auch am empfindlich kühlen Abend unterwegs waren, waren natürlich die drei Bodypainting-Künstler, die die fahle Haupt ihrer lebenden, fast gänzlich nackten Modelle mit Airbrush-Pistole, Schwamm und Pinsel in fanatasievolle, bunte Gemälde verwandelten. Die in ihrer Branche mit Titeln hoch dekorierten Künstler Udo Schurr, Fredi Schmid und Melanie Hill hatten sich an verschiedenen Stellen der Stadt eingerichtet, um dem Publikum hautnahe Einblicke in ihre Kunst zu gewähren.

In einem weißen Zelt in der Karlstraße konnte man Melanie Hill zuschauen, als sie ein männliches Model, lediglich mit Slip und Schuhen bekleidet, von Kopf bis Fuß besprühte. Eifrig schossen die sie umringenden Zuschauer Fotos. Davon ließ sich die dreifache Vizemeisterin nicht ablenken. Als sei es ein hauteng anliegendes, trikotartiges Kostüm, so wirkte die fertige Körperbemalung. Das meinte auch Beate Striegan, eine der Zuschauerinnen: „Das sieht aus wie ein Satinanzug. Hammer. Und dass denen nicht kalt ist“, wunderte sie sich über das Model.

Wenige Meter weiter, in der Fußgängerzone, war ein weiteres kleines Pavillonzelt aufgebaut. Dort machte sich Udo Schurr an seinem Model zu schaffen. Kleine Heizstrahler spendeten seinem Kunstobjekt, einer spärlich bekleiden Frau, etwas Wärme. Hoch konzentriert färbte der Künstler ihren attraktiven Körper in Blautönen ein. „Sieht ein bisschen aus, wie aus dem Film Avatar“, kommentierte es Alice Wannenwetsch, während sie dem zweifachen Weltmeister gebannt zuschaute.

Vor der dritten abendlichen Bodypainting-Bühne vor dem Albmarkt (nachmittags war dieses Podium bei Gebauers Aktivmarkt aufgebaut) fand sich ein gemischtes Publikum jeden Alters ein und bestaunte die Fähigkeiten von Fredi Schmid. Stimmige Musik untermalte den künstlerischen Akt. „Ich würd’ da, glaub, erfrieren“, flüsterte ein kleines Mädchen kichernd, die verwundert auf das Model blickte. Währenddessen konnte man sich im Nel Mezzo filigrane Henna-Verzierungen zum Beispiel auf Hand und Arm malen lassen.

Zu frieren, dieses Problem hatten die Nachtbummler nicht, hatten doch ebenso die Gaststätten, Kneipen und Bars geöffnet, wo man den Abend mit einem wärmenden Getränk ausklingen lassen konnte.