Geislingen Sind gute Vorsätze nur Augenwischerei?

Geislingen / SWP 05.01.2018
Bei den guten Vorsätzen scheiden sich die Geister – wie unser Pro-und-Contra zeigt.

PRO:

Warum man sich gute Vorsätze machen sollte

Von Jochen Weis

Nun, haben Sie Ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr gefasst? Nein? Ist eh nur eine Sache für all jene, die sich gerne in die eigene Tasche lügen, weil diese guten Vorsätze ohnehin nur die Halbwertszeit von Weihnachtsplätzchen haben?

Ganz ehrlich: Diese Einstellung ist Humbug und die Pauschalkritik eher so etwas wie Selbstabsolution, um sich ja nichts vornehmen zu müssen. Grundlegendes Problem an der ganzen Geschichte ist unsere schon in die Wiege gelegte deutsche Gründlichkeit. Wir machen entweder etwas ganz oder gar nicht. Fassen wir für uns gute Vorsätze, dann sind diese natürlich von immenser Tragweite und müssen unser Leben von Grund auf verändern. Und genauso gründlich vergessen wir diese Vorsätze bisweilen wieder.

Dabei ist es so einfach, die Kurve zu kriegen. Warum eigentlich muss der gute Vorsatz zum Beispiel lauten, fortan täglich Sport zu treiben, um etwas für die Gesundheit zu tun? Wer nicht gerade von der Midlife-Crisis gebeutelt wird, aus der es nur exzessives Joggen als Ausweg gibt, der kann sich doch das Ziel etwas niedriger stecken und einfach mal auf regelmäßige Spaziergänge setzen. Anderes Beispiel: Alkohol. Warum nie wieder einen Tropfen trinken? Macht es nicht mehr Sinn und Laune, den Konsum zu drosseln und sich trotzdem ab und an ein Glas zu gönnen, dann aber was richtig Gutes?

Es gibt diese Floskel, dass auch kleine Schritte zum Ziel führen. Aber die ist sowas von richtig, man muss sich nur aufs Thema einlassen. Eine gute Übung hierfür wäre, endlich mal die lästigen Vorurteile im neuen Jahr über Bord zu werfen.

CONTRA:

Es ist albern, sich ein festes Datum zu setzen

Von Kathrin Bulling

Jedes Jahr ist es dasselbe, ­spätestens an Silvester kommt die Frage: Und, was hast du dir fürs neue Jahr vorgenommen? Meine Antwort darauf: Nichts.

Dass wir uns nicht falsch ­verstehen: Ich finde es gut und wichtig, sich Gedanken über die eigene Weiterentwicklung zu machen. Keiner ist alt oder ­perfekt genug, dass es sich nicht lohnen würde, alte Gewohnheiten zu überprüfen und eventuell zu verändern. Im Mut, Neues zu wagen, liegt die Chance auf wunderbare Entdeckungen.

Ich halte es aber für albern, den 1. Januar als absolutes ­Datum zu setzen, ab dem alles anders werden soll. Mal ehrlich: Wer schafft es denn, die optimistisch zum Jahreswechsel ­gefassten Vorsätze länger als ein, zwei Wochen durchzuhalten? Wer pünktlich zum neuen Jahr zu einem besseren Menschen mutieren will, der fünfmal die Woche Sport treibt, keinen Alkohol mehr trinkt, dafür täglich zig Portionen Obst und Gemüse isst sowie regelmäßig die Oma besucht, setzt sich selbst unter einen enormen Druck. Und der Frust ist riesig, wenn es eben nicht klappt.

Ehrlicher, aber – in der Tat – auch anstrengender ist es, in jedem Tag des Jahres die Gelegenheit zu sehen, ein bisschen mehr von dem umzusetzen, was wir uns für uns selbst wünschen. So mache ich es, und befolge dabei die Devise „Schritt für Schritt“: Mehr Sport machen? Ja, aber nicht zwanghaft in übervolle Tage gestopft, sondern so, dass es als Ausgleich gut tut. Weniger Süßigkeiten essen? Na gut, jeden Tag Nachtisch muss nicht sein, aber ein Stückchen ­Schokolade als Betthupferl geht schon. So steht kein riesiger Berg vor mir, den ich bezwingen muss. Und 2018 kann kommen.

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