An einen derartigen Großeinsatz kann sich Annette Schaum vom Verein Tierhilfe Obere Roggenmühle nicht erinnern. Von der Polizei wurde sie am Samstagnachmittag zu einem Hochhaus in der Geislinger Rheinlandstraße gerufen. In einer kleinen, möblierten Wohnung im zweiten Stock fand sie zwei Hunde, zwei Hasen und – alle in einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer – 39 Katzen.

„Man konnte da nicht mehr atmen“, verdeutlicht die Tierschützerin die verheerenden Umstände, die sie antraf. Alle Fenster waren zu. Überall wimmelte es von Tieren – unterm Bett, unter den Matratzen. Drei der norwegischen Waldkatzen (Edelkatzen mit relativ langen Fellhaaren) waren so schwer krank, dass sich Tierärztin Dr. Susanne Linckh noch am Samstagabend um diese Notfälle kümmern musste. „Diese Tiere hätten sonst die nächste Nacht nicht überlebt“, ist sich Annette Schaum sicher.

Doch auch der Zustand der übrigen Katzen erscheint ihr sehr schlecht: Sie haben Durchfall und Katzenschnupfen, sie sind von Flöhen und Milben befallen.

Viele Tiere sind krank und verstört

Bei den beiden Hunden handelt es sich um bräunliche West Highland Terrier. Einer ist völlig erblindet. In der Wohnung war es vergleichsweise sauber. Die Tiere bekamen zu essen und zu trinken. Andererseits sind einige Katzen abgemagert. Und sie sind sehr verstört, verängstigt und aggressiv. Annette Schaum und ihre drei Helfer bekamen das bei der Evakuierung der Wohnung mit vielen Kratzern und Bissen zu spüren. Mehrere Transportfahrten waren nötig, um am Sonntag alle Katzen ins Tierheim Obere Roggenmühle zu bringen. Damit nicht genug: Elf der zwölf Kater sind nicht kastriert, etliche Katzen hochträchtig. „Bald werden es 100 mehr sein“, befürchtet Schaum.

Die Tiere gehören einer 71 Jahre alten Geislingerin. Laut Polizei war der Frau die Wohnung gekündigt worden. Als Zwischenlösung gewährte ihr ein Wohnungsinhaber vor knapp einer Woche für wenige Tage Unterschlupf in der Rheinlandstraße. Als er gewahr wurde, wie viele Tiere die Frau nach und nach brachte, nahm er ihr den Wohnungsschlüssel wieder ab. Da wandte sich die Seniorin an die Polizei – so kam die Sache ins Rollen. Das Veterinäramt wird eingeschaltet. Der Frau droht ein Tierhalteverbot.

Die Tierhilfe hat jetzt mehrere Probleme: Sie sucht Helfer, die sich um einzelne Katzen kümmern, sie streicheln, damit sie sich wieder an Menschen gewöhnen und als Hauskatzen weitervermittelt werden können. Angesichts des zu erwartenden gewaltigen Nachwuchssegens an kleinen Kätzchen werden künftige Liebhaber gesucht, die ein Tier aufnehmen. Die meisten Fundtiere müssen noch kastriert werden – das kostet ebenso Geld wie die medizinische Versorgung. Deswegen bittet Annette Schaum um Spenden.


Spendenkonto der Tierhilfe Obere Roggenmühle e.V. 611 421 003 bei der Volksbank Göppingen-Geislingen, BLZ 610 605 00.