Gastkommentar Ursula Jung, Vizepräsidentin, DLRG Landesverband, zu den vielen Badetoten und zur Situation der Bäder Schwimmen ist kein Luxus

Ursula Jung ist Vizepräsidentin des DLRG-Landesverbands-Württemberg.
Ursula Jung ist Vizepräsidentin des DLRG-Landesverbands-Württemberg. © Foto: DLRG
Geislingen / Ursula Jung 11.08.2018

Schon jetzt 37 Badetote mehr als 2017. Um die Schwimm­fähigkeit ist es in unserem Land schlecht bestellt. Es ist alarmierend: In den letzten Jahren ertranken immer mehr Menschen. Gleichzeitig verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für die Schwimmausbildung. Dies erschwert den Schwimmverbänden die Arbeit. Doch was wird dagegen getan? Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und andere Schwimmverbände bieten Schwimmkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. In der Schule soll ebenfalls Schwimmunterricht stattfinden. Doch wie Unterricht geben, wenn keine oder zu wenig Fachlehrer an den Schulen sind? Was nützt es, wenn keine Bäder da sind? Die Kommunen sind Schulträger und sollten eigentlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages sorgen. Und Schwimmen steht verpflichtend im Bildungsplan. 20 bis 25 Prozent aller Grundschulen bundesweit bieten keinen Schwimmunterricht mehr an, weil kein Bad zur Verfügung steht. Ausbildende Verbände wie die DLRG haben Wartezeiten von bis zu zwei Jahren für einen Schwimmkurs.

Die Proteste in der Bevölkerung gegen Bäderschließungen werden immer lauter. 85 Prozent der Menschen wollen ihr Bad um die Ecke behalten. Mit keinem Wort allerdings wird die Bädersituation seitens der Politik angesprochen. In diesem Jahr wurden im Bundeshaushalt 100 Millionen Euro für den Bereich Sport, Jugend und Kultur bereitgestellt, davon 30 Millionen Euro für Bädersanierungen. Gemessen an der Zahl der geschlossenen und sanierungsbedürftigen Bäder ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Bäder-Sanierungen bewegen sich schnell im Millionen-Bereich. Es muss endlich in das Bewusstsein der Kommunen dringen, dass Schwimmen kein Luxus ist, sondern in unseren Kulturkreisen zum Selbstverständnis gehört.

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