Bildung Schulleiter nehmen Stellung zu Anmeldezahlen

Geislingen / Isabelle Jahn 10.07.2018
Die weiterführenden Schulen in Geislingen erwarten weniger Fünftklässler als im Vorjahr. Schulleiter äußern sich zu der Entwicklung.

Die Konkurrenz im Einzugsgebiet ist groß: Viele weiterführende Schulen werben um dieselbe Zielgruppe, meint Franz Sommer, Leiter der Daniel-Straub-Realschule (DSR), mit Blick auf die Anmeldezahlen. Mit 40 Schülern hatten sich für das Schuljahr 2018/19 nur halb so viele auf einen Platz an der DSR beworben wie an der Schubart-Realschule. „Das ist natürlich wenig“, sagt Sommer. Als Konkurrenz sieht Sommer auch das Helfenstein-Gymnasium (HeGy) in unmittelbarer Nähe, seit dieses wieder G9 anbiete, und die Gemeinschaftsschulen sowie Schulen in den benachbarten Orten. Stolz ist Sommer auf die Bläserklasse der DSR, mit 16 Anmeldungen werde das Profil gut angenommen.

Joachim Boldt, der die Schubart-Realschule (SR) leitet, kann „gut leben mit den Zahlen“. Boldt sagt, er hätte sich dennoch mehr als die nach seinem Stand 84 neuen Fünftklässler erhofft, vor allem angesichts der knapp 100 Anmeldungen im Vorjahr. Zumal die SR im neuen Schuljahr eine bilinguale Teilklasse anbietet.

Der Rückgang der Anmeldezahlen macht sich an fast allen weiterführenden Schulen in Geislingen bemerkbar mit insgesamt 376 Anmeldungen im Vergleich zu 421 im Vorjahr. Auch kreisweit sind es weniger Fünftklässler als im vergangenen Schuljahr – entgegen dem Landestrend. Zum einen hängt das mit den über längere Zeit niedrigen Geburtenraten zusammen, erklärt Jörg Hofrichter, der Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen. Auch im Kreis würden zwar wieder mehr Kinder geboren, die Entwicklung sei aber zeitversetzt zum Bundes- und Landestrend.

Zum anderen sei der Zuzug aus anderen Städten in den Kreis Göppingen in den vergangenen Jahren nicht sehr groß gewesen – im Gegenteil: Es ziehen tendenziell mehr Menschen weg als her, führt Hofrichter aus. Die dicht beieinander liegenden Städte im Kreis seien für Pendler gut zu erreichen – „deren Kinder gehen dann nicht hier zur Schule“, macht der Schulamtsleiter deutlich. Als weiteren Grund für den Schwund der Anmeldezahlen nennt Hofrichter die große Auswahl an weiterführenden Schulen –  allein in Geislingen – auf die sich die Fünftklässler verteilen.

Der schwächere Jahrgang mache sich am Michelberg-Gymnasium (MiGy), stark bemerkbar, sagt Schulleiter Heiner Sämann. Dass das MiGy mit 66 Anmeldungen weit hinterm HeGy zurückliegt, begründet Sämann so: „Wir kämpfen gegen G9 an, für das das Interesse ungebrochen ist.“ Es sei schon seit Jahren ein Problem, dass die Schüler aufgrund des G9-Angebots ans HeGy strömen, um „vermeintlich entspannter zu lernen“. Sämann betont: „Das liegt nicht an unserer Qualität.“ Das MiGy wolle sich weiterhin als G8-Gymnasium profilieren, die Ganztagsbetreuung stoße bei vielen Eltern auf Interesse. Außerdem will Sämann künftig mit dem Fach Informatik, Mathematik, Physik (IMP) werben, das das MiGy einführen wird (wir berichteten).

„Wir freuen uns über die große Nachfrage“, sagt Wolfgang Rapp, der das Helfenstein-Gymnasium leitet. Die Zahlen belegten, dass das Konzept der Schule wertgeschätzt werde. Einen Wermutstropfen gibt es aber: Diesmal haben sich am HeGy nur sieben von 100 Schülern für G8 beworben. Das sind zu wenige für einen G8-Zug, sodass nur G9-Klassen gebildet werden, erklärt Rapp. Der Schulleiter rechnet damit, dass einige der Schüler, die sich fürs HeGy beworben hatten, doch ans MiGy gehen. Da es in der Folge nur drei anstatt wie bisher vier Klassen gibt, werden diese mit mehr als 30 Kindern pro Klasse umso größer sein. Auch das HeGy macht sich laut Rapp nach wie vor stark für G8: „Es muss eine Vielfalt an Angeboten geben.“

Die Werkrealschule hat noch eine Daseinsberechtigung – davon ist der Schulleiter der Uhlandschule, Markus Beyer, überzeugt. Zwar liegt die Uhlandschule mit 21 Anmeldungen hinter der Lindenschule (32) und empfängt zudem zum neuen Schuljahr fünf Schüler weniger als im Vorjahr; Beyer sieht aber einen „Trend nach oben“. Werk­realschüler hätten viele Möglichkeiten zu einer schulischen sowie beruflichen Weiterbildung. Der Schulleiter betont: „Werkrealschule Sackgasse? Ganz im Gegenteil!“

Dass Schüler an den Realschulen neuerdings auch auf Hauptschulniveau (grundlegendes Niveau G) lernen können, ersetze nicht das Angebot der Werkrealschulen. Denn an Letzteren werde auf G-Niveau nicht nur unterrichtet, sondern auch geprüft. „Wir müssen unseren Kindern gerecht werden“, sagt Beyer.

Ottmar Dörrer, der Leiter der Gemeinschaftsschule am Tegelberg, hat auch dieses Jahr „keine spektakulären Veränderungen“ erlebt: Dörrer rechnet mit 41 Fünftklässlern zum neuen Schuljahr, das sind fünf mehr als im Vorjahr. Da an der Tegelbergschule alle drei Niveaustufen angeboten werden, sei man von allen Schulen am breitesten aufgestellt, sagt Dörrer.

Die verpflichtende Ganztagsbetreuung sei jedoch „für viele ein Hemmschuh“: Nicht alle Eltern wollen, dass ihr Kind auch den Nachmittag an der Schule verbringt. Für andere Eltern wiederum ist dies eine Entlastung, erklärt der Schulleiter. Im Hinblick auf die steigende Anzahl an Schülern an der Tegelbergschule sagt Dörrer: „Jetzt brauchen wir nur noch eine Mensa, dann ist alles gut.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel