Schule Ist es sinnvoll, wenn Schüler Nachhilfe geben?

Gemeinsames Lernen kann Spaß machen und sinnvoll sein, wie unser Beispielbild zeigt.  Foto: Fotolia
Gemeinsames Lernen kann Spaß machen und sinnvoll sein, wie unser Beispielbild zeigt. Foto: Fotolia © Foto: Archivbild
Geislingen an der Steige / Angelina Neuwirth 10.10.2016

Schüler helfen Schülern – kann das gut gehen? Dass junge Menschen Nachhilfe geben, um ihr Taschengeld aufzubessern, gibt es schon lange. Ulrich Mayer, der seit mehr als 20 Jahren Schüler im Schülerzirkel in Deggingen aufnimmt, sieht das gern. Seiner Meinung nach sind Schüler oft besser als Erwachsene geeignet, um anderen Schülern zu helfen. „Lehrer bereiten sich auf den Unterricht vor, bei Nachhilfe bringt das aber relativ wenig – meist agieren sie am Problem des Schülers vorbei“, erklärt er. Ein Lehrer, der nicht spontan helfen könne, sei ungeeignet für die Nachhilfe, sagt Mayer.

Schüler, die Nachhilfe geben, profitierten auch für sich selbst. Sie müssen über die Probleme ihres Schülers nachdenken; das sind meist Problemstellungen, auf die sie normalerweise eine Antwort wüssten. „In diesem Fall müssen sie es aber anschaulich erklären können“, sagt Mayer. Aber: Nicht jeder Schüler kann mit jedem Nachhilfeschüler arbeiten. Manchmal sind die „jungen Lehrer“ auch am Ende mit ihrem Latein. Beispielsweise bei massiven Lernstörungen wie einer Lese-Rechtschreib-Schwäche.“In diesem Fall fehlen Schülern das pädagogische Wissen und der große Überblick über den Stoff. Bei kleinen stofflichen Lücken und Verständnisproblemen können sie gut helfen, doch wenn ihre Schüler in den Fünfer-Bereich abrutschen, haben die Nachhilfeschüler mit studierten Lehrern bessere Karten“, beschreibt Ulrich Mayer.

Er erzählt, dass Schüler sich früher untereinander viel mehr geholfen haben. Daher blühe das Nachhilfegeschäft in letzter Zeit auch so auf.

„Nachhilfe geben ist aber nicht so einfach, wie es sich anhört. Wie viele andere junge Menschen gebe auch ich Grundschülern Nachhilfe. Anfangs war das nur eine Notlösung, um genug Geld für Weihnachtsgeschenke zu haben; jetzt, fast ein Jahr später, mache ich es aus Überzeugung.

Für jemanden wie mich, der im Fach Deutsch nie Probleme mit der Grammatik und der Rechtschreibung hatte, wird es manchmal ganz schön eng – etwa, wenn ich erklären soll, warum „Fuchs“ mit „ch“ und nicht mit „x“ geschrieben wird oder wenn die Unterscheidung zwischen „dass“ und „das“ nicht klappt.

Erfolgserlebnisse sind wichtig für meine beiden Nachhilfe-Schülerinnen und mich, damit wir drei motiviert bleiben. Sich jede Woche zu überlegen, wie ich diese eine Stunde möglichst lehrreich und gleichzeitig spannend gestalten kann – auf Dauer gehen mir da die Ideen aus. Glücklicherweise haben die beiden Mädchen es noch nicht satt, Briefe, Geschichten oder Rezepte zu schreiben.Mal sollen sie an eine Brieffreundin aus dem All oder auf einem Piratenschiff schreiben oder eine spannende Krimi-Geschichte erzählen.

Dass sie dabei Spaß haben ist mir wichtig, denn wer würde sich schon gerne an einem Freitagnachmittag mit trockenen Grammatik-Aufgaben quälen?“

Info Die Autorin dieses Artikels, Angelina Neuwirth, ist Mitglieder unserer Jugendredaktion

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