Aufeinandergestapelte Autowracks, Reifentürme und ein großer Schuppen voller alter Autoteile, aus einer Nebelmaschine steigt dichter Rauch auf; dazwischen vier junge Musiker mit Gitarren, Bass und Schlagzeug: Der Schrottplatz von Jürgen Scharpfs Autoverwertungsfirma in den Geislinger Neuwiesen wurde am 11. Mai zur Filmkulisse. Die Band "Die Autos" filmte für die SWR-Sendung "Expedition in die Heimat" ein Musikvideo zu dem Lied "Nähe/Distanz" aus ihrem aktuellen Album "Swongs".

Der Bandname habe den Drehort nahegelegt, sagt SWR-Redakteur Stephen Zierhut, der in der vergangenen Woche mit einem neunköpfigen Team und Moderatorin Lena Ganschow im Filstal und rund um die Fünftälerstadt für "Expedition in die Heimat" unterwegs war. Am Freitag, 28. Juni, um 20.15 Uhr wird die 90-minütige Sendung im Dritten ausgestrahlt.

Neben Landschaft und Menschen aus der Region werden auch drei lokale Bands im Mittelpunkt stehen - neben den "Autos" sind das die Geislinger Sängerin Olimpia Casa und ihre "Diners" und die Göppinger Band "Zydeco-Playboys". Drei musikalische Glückstreffer, meint Zierhut: "Früher wurden die Sendungen mit Volksmusik vollgestopft, jetzt können wir auch lokale Talente präsentieren." Für die vier Jungs von den "Autos" ist der professionelle Videodreh mit großer Crew und aufwendigem Equipment noch Neuland. Multitasking ist angesagt: Synchron zum Voll-Play-back spielen, Regieanweisungen befolgen, dabei möglichst cool, aber natürlich rüberkommen und - ganz wichtig - bloß nicht direkt in die Kamera schauen. "Man weiß nie so richtig, wie und wohin man gucken soll", gesteht Bassist Andreas Neubert. Doch die vier "Autos" meistern die ungewohnte Aufgabe mit Gelassenheit und Humor. "Das macht man nicht jeden Tag", sagt auch Simon Schöfisch, der als Sänger besonders im Kamerafocus stand. "Aber wir bekommen gute Anweisungen und wissen, was von uns erwartet wird."

Aufwendige Spezialeffekte gibt das SWR-Budget zwar nicht her - auf spektakuläre Auto-Explosionen warten die Musiker vergeblich -, aber immerhin darf Drummer Andi Schmid sein Schlagzeug-Intro mit zwei Hämmern auf ein Autodach trommeln, und neben Gitarrist Dominik Pertl zertrümmert der Regisseur passend zu einer Textzeile immerhin ein altes Radio.

Ansonsten verbringen die Musiker den Drehtag vor allem mit Warten: Der Kamerakran muss positioniert, Einstellungen abgesprochen werden, Instrumente werden auf- und abgebaut. Und auch das gehört zum Filmalltag: Während der ab und zu niedergehenden Regenschauer wird pausiert, aber nass wird Sänger Simon Schöfisch trotzdem. Denn wenn Regen im Skript verlangt wird, kommt halt eine Gießkanne zum Einsatz.

Für das SWR-Team war der Tag auf dem Schrottplatz der Abschluss ihrer ersten Drehwoche im Filstal, Anfang Juni folgen noch ein paar Drehtage in Göppingen. Ungefähr sieben Stunden Filmmaterial kamen in dieser Woche zusammen, sagt Redakteur Zierhut. Das Team interviewte unter anderem Fußballer Karl Allgöwer und Kabarettistin Martina Brandl, befuhr die Geislinger Steige mit dem Zug, besuchte die Wallfahrtskirche Ave Maria und erforschte mit Stadtarchivar Hartmut Gruber die Geschichte des Erzabbaus in Geislingen.

SWR-Redakteur Stephen Zierhut hat vor allem die "herrliche Landschaft" rund um Geislingen beeindruckt: "Es gibt hier einen unglaublichen Abwechslungsreichtum und wunderbare Ausblicke", schwärmt er.