Militärgeschichte Schotter im Wehrmacht-Erbe

Das 43 Hektar große Areal diente von 1938 bis 2007 militärischen Zwecken. Nun benutzen es acht Firmen als Vertriebsstandort, um Sand für die neue Schnellbahntrasse zu liefern.
Das 43 Hektar große Areal diente von 1938 bis 2007 militärischen Zwecken. Nun benutzen es acht Firmen als Vertriebsstandort, um Sand für die neue Schnellbahntrasse zu liefern. © Foto: Joachim Lenk
Amstetten / Joachim Lenk 04.01.2018
Einst lagerte die Wehrmacht Treibstoff auf einem Gelände zwischen Amstetten und Stubersheim. Nun gehört es acht Kiesunternehmen.

Vor zehn Jahren ging in Amstetten nach rund sieben Jahrzehnten ein Stück Militärgeschichte auf der Alb zu Ende. Am 31. Dezember 2007 wurde das ehemalige Korpsdepot 251 der Bundeswehr geschlossen. Heute gehört das 43 Hektar große Areal in Amstetten der Sand-Kies-Vertrieb GmbH  mit Sitz in Langenau.

Rückblick: 1938 hatte die Wehrmacht auf dem Gelände zwischen Amstetten und Stubersheim ein Treibstofflager für das Militär unter dem Decknamen „Treibstofflager der wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft“ errichtet. Es lag entlang der 20 Kilometer langen Nebenbahn nach Gerstetten. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die US-Amerikaner das Gelände für ihre Zwecke, bevor es der Bund im Jahr 1958 wieder überschrieben bekam.

Die Bundeswehr errichtete dort das Korpsdepot 251 mit einer Lagerfläche von rund 41 000 Quadratmetern ein. Untergebracht waren dort in erster Linie Kraft- und Betriebsstoffe sowie weiteres Material und Gerät der deutschen Streitkräfte. Zivilbedienstete pumpten dort jährlich bis zu 360 000 Liter Benzin, Petroleum und Diesel über Leitungen in eine Halle, wo sie die Treibstoffe in Kanister abfüllten. Die militärische Einrichtung hatte eine rund 300 Meter lange Verladerampe, einen Lokschuppen, einen Lagerbahnhof sowie eine moderne Kanister-Abfüllanlage. Es war das einzige Depot in Baden-Württemberg mit eigenem Gleisanschluss.

Mehr als die Hälfte aller Waren, wie zum Beispiel Ersatzteile für Autos und Lastkraftwagen, Werkzeuge, Zelte und Batterien, kamen mit dem Zug im Depot an. Das waren pro Jahr rund 5000 Tonnen, erinnert sich der ehemalige Leiter des Bundeswehrdepots, Stabsfeldwebel außer Dienst Roland Brandl. Von 1994 an befand sich dort zudem ein Außenlager des Gerätehauptdepots Feldstetten und das Pipelinepionier-Materiallager der Nato.

2003 teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit, dass Ende 2007 das Gerätehauptdepot in Feldstetten geschlossen werde. Damit war klar, dass auch die Tage des Amstetter Depots gezählt waren, wo zuletzt noch zwei Soldaten, Depotleiter Stabsfeldwebel Thomas Pirhalla und Stabsfeldwebel Reinhold Höfler, im Dienst waren. Außerdem vier zivile Mitarbeiter. Zu Spitzenzeiten waren dort vier Soldaten, 20 Zivilbedienstete und 16 Wachmänner mit acht Hunden, erinnert sich Stabsfeldwebel außer Dienst Roland Brandl, der dort von 1993 bis 2004 das Sagen hatte.

Das Gelände stand nicht lange leer: Bereits 2010 konnte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das ehemalige Amstetter Militärdepot an die Lebenshilfe Donau-Iller verkaufen, die auf dem Gelände schon ein Jahr lang eingemietet war. Sie richtete dort einen Integrationsbetrieb ein und vermietete Lagerflächen unter anderem an die Firma Liebherr, an Fotovoltaik-Händler und Landwirte aus der Region.

Von Ende 2015 bis Mitte 2017 lebten in einer vom Landratsamt angemieteten Produktionshalle, die umgebaut wurde, zeitweise bis zu 150 Flüchtlinge, die in erster Linie aus Gambia, Pakistan, Kamerun und Nigeria kamen.

Während dieser Zeit gab es einen Eigentümerwechsel im ehemaligen Bundeswehrdepot. „Die isolierte Lage“ außerhalb Amstettens führte dazu, dass die Lebenshilfe ihren Integrationsbetrieb zurück an ihren Stammsitz nach Neu-Ulm verlegte. Das Gewerbegebiet Benzwang, wie es inzwischen heißt, übernahm die in Langenau beheimatete Sand-Kies-Vertrieb GmbH & Co. KG (SKV). Sie ist ein Zusammenschluss von acht Kiesunternehmern mit 22 Standorten an der Donau, die einen gemeinsamen Vertrieb haben, informiert Geschäftsführer Wolfgang Engler. Die SKV hatte bereits seit Herbst 2013 ein Logistikzentrum im Benzwang, um die am Tunnelbau für die Schnellbahntrasse Ulm-Stuttgart beschäftigten Baufirmen mit Sand zu versorgen. Heute sind zudem noch die Ulmer Eisenbahnfreunde mit ihren Lokomotiven  und Waggons auf dem Gelände, das nach wie vor über den Eisenbahnanschluss an der Bahnstrecke Amstetten-Gerstetten verfügt.

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