Schnee Schnee sorgt für Chaos im Kreis

Kreis Göppingen / JOCHEN WEIS/DANIEL GRUPP/RODERICH SCHMAUZ/ARND WOLETZ 29.11.2012
Der Wintereinbruch in der Nacht zum Donnerstag hat auch den Raum Geislingen voll erwischt. Auf Grund der Schneefälle kam und kommt es nach wie vor zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr.
Der Wintereinbruch hat den Kreis Göppingen voll erwischt. Am Donnerstagvormittag ging von 8 bis 9 Uhr auf den Straßen in und um Geislingen gar nichts mehr. Die Behinderungen durch starken Schneefalls und glatte Straßen hielten streckenweise bis in den Nachmittag hinein an. Nach Auskunft der Polizeidirektion Göppingen waren vor allem die Steigen betroffen, wegen liegen gebliebener Lastwagen mussten die Weißensteiner und die Gammelshausener Steige gesperrt werden, mehrfacht blockiert waren die Stöttener und die Steinenkircher Steige, nichts ging mehr von Bad Ditzenbach nach Aufhausen, auf der Waldhäuser Steige  hatte sich an der Spitzkehre hinab nach Eybach ein Lkw festgefahren. Querstehende Lastwagen meldete der Verkehrsfunk von der Geisinger Steige. "Das ist immer dasselbe Problem: Ein Lkw kommt nicht mehr weiter, ein anderer versucht noch  vorbeizufahren und bleibt ebenfalls stecken, dann ist die ganze Straße dicht", sagt Polizeisprecher Uli Sauter.

Im Filstal ging es es auf der B 10 zwischen Süßen und Geislingen im Berufsverkehr bestenfalls im Schritttempo voran. Ein Ottenbacher brauchte für die Fahrt zum Arbeitsplatz nach Amstetten geschlagene drei Stunden. In Geislingen war für einen Sattelzug auf der Sternplatzkreuzung Schluss, er kam nicht mehr weiter. Dasselbe passierte unter anderem auf ebener Strecke Lkw auf der B10 bei der Uhlandschule und vor dem Polizeirevier. In der Folge staute sich der Verkehr rasch auf der Bundesstraße ins gesamte Mittleren Filstal zurück.

Was wiederum die Arbeit der Räumdienste erheblich erschwerte. Sie kamen gar nicht mehr zum Einsatzort durch. "Wir hatten deshalb unsere kleinen Traktoren eingesetzt und wir fuhren die B 10 von den Seitenstraßen aus an, um zu streuen", sagt der Geislinger Bauhofleiter Traugott Oßwald. Auch abseits der Hauptstraßen sorgten viele liegen gebliebene Autos für Verzögerungen bei der Arbeit des Winterdienstes. "Da gibt es immer wieder Fälle von unverbesserlichen Fahrern, die noch Sommerreifen draufhaben und meinen, sie müssen schnell mal wohin fahren, dann aber kommen sie nicht mehr weiter", erzählt Oßwald.
Das Wetter bestätigte die Prognosen - jedoch verfrüht: "Jeder wusste, dass ein Wintereinbruch bevorsteht. Allerdings waren die Schneefälle erst für Donnerstagnachmittag vorhergesagt", erläutert Oßwald. So trafen Wintereinbruch und morgendlicher Berufsverkehr zusammen, noch ehe die Straßen frei waren.

Im Bereich Mühlhausen auf der Autobahn A 8 blockierte am Morgen ein Lkw zeitweise die Fahrbahn – mit nachhaltigen Folgen; zwischen Merklingen und Mühhausen stockte der Verkehr ebenso wie in Fahrtrichtung Ulm zwischen Wendlingen und Merklingen.
Auf der Alb machten Schnee und Schneeglätte die Straßen schwer passierbar. Auch hier dasselbe Bild: Immer wieder liegen gebliebene Autos, die Schulbusse erreichten ihr Ziel am Morgen nur erheblich verspätet - oder kamen gar nicht durch. Im benachbarten Alb-Donau-Kreis sah es nicht besser aus. Auf der Urspringer Steige war schon gegen fünf Uhr ein Lkw in den Graben gerutscht und blockierte die B 10. Der Verkehr staute sich kilometerweit bis Amstetten zurück.

17 Unfälle im Kreis Göppingen

Die Unfälle hielten sich nach einem ersten Überblick der Polizei in Grenzen. Insgesamt 17 Blechschäden, die sich auf 20 000 Euro Reparaturkosten summieren, regisierte die Polizei im Kreis Göppingen. Allein die Geislinger Polizei wurde zu 13 Kleinstunfällen gerufen. Im Alb-Donau-Kreis war zwischen Lonsee und der Laichinger Alb die Lage laut Polizei sogar überraschend entspannt: Bei drei Unfällen seien 13 500 Euro Schaden entstanden.

Die Pendler brauchten am Donnerstagmorgen auf jeden Fall gute Nerven - und vor allem deutlich länger für den Weg zur Arbeit: "So schlimm war es noch nie", sagt Ingeborg Biekert. Die Weißensteinerin fährt seit rund 25 Jahren nach Donzdorf, wo sie im Bürgerbüro der Stadtverwaltung arbeitet. Gegen acht Uhr fuhr sie zu Hause los, eineinhalb Stunden war sie unterwegs, um nach Donzdorf zu kommen, berichtet Biekert. An normalen Tagen kann die Strecke in einer Viertelstunde gefahren werden. Ihre Kollegin, die von Nenningen aus noch früher los gefahren war, brauchte sogar zwei Stunden bis zum Donzdorfer Schloss.

Als Hauptursache für den Stillstand machte auch Ingeborg Biekert quer stehende Lastwagen aus. Sie habe noch nie erlebt, dass so viele Lastwagen schon auf ebenen Straßenabschnitten nicht weiter kamen. Bei ihrer Fahrt in Richtung Donzdorf seien zwei Lkw am Ortseingang von Weißenstein nicht mehr weiter gekommen, der nächste Sattelzug habe sich dann bei der Gaststätte Ställe leicht quer gestellt. Solche Situationen hätten in Nenningen und am Kreisverkehr beim Steinernen Kreuz wiederholt. Die Folge war, dass die Räumfahrzeuge kaum durch kamen.

Schlosspark in Donzdorf gesperrt

Aus Gerstetten ist Stadtbiologe Georg Krause am Donnerstagmorgen nach Donzdorf gefahren. Auf der Alb sei er noch voran gekommen, aber auf der Messelbergsteige hätten auch quer stehende Lastwagen das Passieren extrem behindert. Als Krause dann im Rathaus war, ließ er den größten Teil des Schlossparks sperren. Denn die schwere Last des nassen Schnees setzte den Bäumen zu, berichtet der Biologe. An einer Schwarzkiefer sei ein Ast, dick wie ein Oberschenkel, abgebrochen. Die Stadt wollte nicht riskieren, dass Fußgänger im Park durch Schneebruch verletzt werden. Vor allem die alten Bäume des Park sind durch die Last des schweren Schnees gefährdet, erläutert Krause. Er hofft, dass der Schnee auf den Bäumen rasch abschmilzt und dort nicht auch noch festfriert.

Damit keine Schulkinder den Park durchqueren hat die Stadt Personal an die Eingänge gestellt, um die Schüler um den Schlossgarten herum zu leiten. Für Schüler, die im Lautertal mit dem Bus unterwegs waren, waren die Anfangszeiten gestern eher theoretischer Natur, da auch die Busse nicht voran kamen, aber auch bei den Heimfahrten am Nachmittag gab es teilweise lange Wartezeiten.

Auf der Alb liegen schon 30 Zentimeter Schnee

Zumindest die Wintersportler können sich über das aktuelle da schneereiche Wetter auf der Alb freuen: Beachtliche 30 Zentimeter Schnee liegen seit Donnerstag bei Stötten. "Eine ganz ordentliche Menge", bestätigt Wetterbeobachter Matthias Kloß von der Wetterwarte Stötten. Gegen 6 Uhr in der Früh' hatte es noch drei Grad plus, bis zum Spätnachmittag war das Thermometer auf der Albwetterstation auf minus 1,4 Grad abgesackt – Tendenz weiter sinkend. Kloß geht auf jeden Fall davon aus, dass auf der Alb in den kommenden Tagen durchgängig Minusgrade herrschen werden – nur im Tiefland Baden-Württembergs werden Plusgrade erwartet. Am Freitag soll es noch etwas schneien. Der Nassschnee werde zwar ein wenig zusammensacken, doch lasse eine geschlossene Schneedecke Wintersport durchaus zu, so die Prognose von Kloß.
 
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