Ökologie Retter bedrohter Arten

Die Sortenretter Wolde Mammel und Roman Lenz sowie Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und die Beurener Freilichtmuseumsleiterin Steffi Cornelius stoßen auf die UN-Auszeichnung an (von links).
Die Sortenretter Wolde Mammel und Roman Lenz sowie Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und die Beurener Freilichtmuseumsleiterin Steffi Cornelius stoßen auf die UN-Auszeichnung an (von links). © Foto: HfWU
Geislingen an der Steige/Nürtingen / SWP 26.07.2017
Das Projekt „Genbänkle“ der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) dient dem Ziel, Zehntausende Arten vor ­ dem Verlust zu bewahren. Von den Vereinten Nationen wurde es dafür ausgezeichnet.

Das „Genbänkle“ ist kein nostalgisches Projekt, bei dem Liebhaber alte Sorten sammeln. Es geht um die ökologisch wie ökonomisch wichtige Erhaltung der Sortenvielfalt. „Wir wollen helfen, die Kulturpflanzen zu schützen, indem wir die Sortenvielfalt nutzen“, erklärt Professor Dr. Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU). „Derzeit haben wir über 220 Gemüsesorten für Baden-Württemberg gelistet, die sehr selten und vom Aussterben bedroht sind.“

Lenz koordiniert die Initiative, die dieses Frühjahr als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt wurde. Zu den gefährdeten Sorten gehören beispielsweise die Neckarperle, eine Blumenkohlsorte, der Braune Trotzkopf, eine Salatsorte, und die Stangenbohne Blauhilde.

Das „Genbänkle“ macht Ini­tiativen und Organisationen zum Thema „Alte und seltene Gemüsesorten“ in Baden-Württemberg bekannt und vernetzt die Akteure miteinander. Eine Datenbank sorgt dafür, dass Interessierte leichter Zugang zu regionalem, samenfestem Saatgut alter und seltener Gemüsesorten bekommen können.

Partner und Initiatoren des „Genbänkle“ sind außer der HfWU der Alblinsen-Förderverein mit „Linsenpapst“ Wolde Mammel und „Die Agronauten“ (Roman Lenz und Dr. Philipp Weckenbrock, Forschungsgesellschaft für nachhaltige regionale Landwirtschaft). Die Datenbank der Gemüsesorten soll in einem zweiten Schritt auf weitere Feldfrüchte ausgeweitet werden.

Es geht nicht nur um die Bewahrung des genetischen Codes der Pflanzen: In den alten Züchtungen steckt über Jahrhunderte erbrachte Kulturarbeit. Zugleich verbirgt sich in den alten Sorten wichtiges genetisches Kapital für Weiterentwicklungen.

„Der Artenschutz und -erhalt ist eine zivilgesellschaftliche Aufgabe“, betont Lenz. Die große ­Resonanz auf das Projekt „Genbänkle“ sieht er als Zeichen dafür, dass dies auch in der Bevölkerung als ein überaus wichtiges Thema angesehen wird. „Wir bekommen inzwischen mehr Geld von privater Seite als aus dem Ministerium. Das ist mir in 30 Jahren noch nie passiert“, sagt der Wissenschaftler, der sich über die große Wertschätzung freut.

Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, wies bei der Feierstunde zur Übergabe der Auszeichnung auf dem Gelände des Freilichtmuseums in Beuren darauf hin, dass die erhaltenen Pflanzen wichtige Eigenschaften aufweisen, die Grundlage für neue Züchtungen werden können. Zuchtziele könnten sich ändern. Die Staatssekretärin verwies auf die enormen Schäden, die der Frosteinbruch im April im Obst- und Weinbau verursacht hatte. Alte Sorten könnten etwa dazu dienen, neue widerstandsfähige Sorten zu züchten. Gurr-Hirsch warb in diesem Zusammenhang für ein besseres Sponsoring für das Projekt und versprach, sich weiterhin im Ministerium einzusetzen.