Gosbach REPORTAGE: Der Tante-Edeka-Laden von Gosbach

Anette Dannenmann in ihrem Edeka-Markt in Gosbach. Sie will den Standort mit einem Neubau sichern.
Anette Dannenmann in ihrem Edeka-Markt in Gosbach. Sie will den Standort mit einem Neubau sichern. © Foto: Günter Burkhardt
19.02.2016
In der Fasnetszeit hatte man gelegentlich Mühe, Anette Dannenmann in ihrem Geschäft zu erkennen. Auch unter dem Jahr sieht man sie nicht selten einen Plausch mit Kunden halten. Nun ging sie bisweilen im Clownskostüm ihrer Arbeit nach.

Der Edeka-Markt in Gosbachs Gewerbegebiet Sänder, den sie vor fünf Jahren von ihrem Vater Dieter Mändle übernommen hat, soll mehr sein als nur ein Vollsortimenter. Dazu ist ihr der Laden, den es nun schon seit fast 20 Jahren gibt, zu sehr ans Herz gewachsen.

Der Edeka-Markt in Gosbach ist eine Art moderner Tante-Emma-Laden. Kindergarten und Schule sind regelmäßige Gäste und werden jedes Mal mit Obstspießen und gesunden Kleinigkeiten empfangen. In der närrischen Jahreszeit gibt es einen Fasnetstisch, an dem die Kunden mit Sekt (nur für Erwachsene) und Süßigkeiten (für Kinder) bewirtet werden. Und mancher erinnert sich noch an den 50. Geburtstag der Inhaberin, den sie zusammen mit ihren Kunden mit einem Büfett feierte. Immer wieder bietet der Markt auch eine Plattform für gemeinnützige Aktionen wie Würstchenverkauf von Vereinen oder die Tombola für vom Hochwasser betroffene Bürger in Wiesensteig.

Und es geht sogar noch weiter. Da kann man sich auch schon mal eine bestimmte Joghurt- oder Käsesorte wünschen, die gerade nicht im Sortiment ist. Meistens dauert es dann nicht lange und der Wunsch wird erfüllt.

Und nun will der Markt auf der anderen Seite der Bundesstraße neu bauen und sich vergrößern. Reichen die 800 Quadratmeter Verkaufsfläche etwa nicht mehr? Wenn man hinter die Kulissen schaut, versteht man warum. Bei einem „Vollsortimenter“ wie Edeka gibt es eben nicht nur einen Artikel pro Sorte, sondern mehrere in verschiedenen Preislagen, insgesamt etwa 15.000 bis 16.000. Neue Trends wie vegane Ernährung, regionale Produkte oder Bioartikel wie zuletzt von Alnatura brauchen immer mehr Verkaufsfläche. 1200 Quadratmeter, wie Dannenmann sie im neuen Teil des Sänders plant, seien da schon eher als klein zu bezeichnen. Dazu komme, dass es in den letzten 20 Jahren enorme technische und energetische Entwicklungen gegeben hat und immer neue Auflagen zu erfüllen sind. Im alten Markt wäre das so nicht möglich. Alte Kassen, eine alte Heizung und ein veraltetes Energiesystem müssten erneuert werden, ohne damit den Standort wirklich sichern zu können. Der Markt würde weiterhin aus allen Nähten platzen. Bei einem Neubau mit den neuesten Techniken der Wärmerückgewinnung können die Energiekosten pro Quadratmeter halbiert werden, sodass ein wesentlich ökologischeres Wirtschaften möglich ist, sagt Anette Dannemann. Fehlende Lagerflächen, behindertengerechte Kundentoiletten und ausreichend Parkplätze seien nur an einem anderen Standort möglich.

Und Gosbach liegt der Markt-Besitzerin am Herzen. Es ist ihr Ziel, auf jeden Fall im Täle zu bleiben, hier für sich und ihre Kinder eine Perspektive zu haben. Das gilt auch für ihre 21 Mitarbeiter, zu denen sicherlich im neuen Markt noch einige hinzukommen werden.

„Mein Mann sagt, du bist mit deinem Laden verheiratet“, erklärt Anette Dannenmann, wenn man sie nach der Bedeutung des Geschäftes für sie fragt. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie sich besonders gefreut hat, dass sie als Tochter den Markt übernehmen durfte. Vielleicht bezeichnet sie ihn deshalb manchmal als ihr „viertes Kind“.

Gerade darum will sie jetzt den großen Schritt wagen, der ja nicht ohne finanzielle Risiken ist: Um die Zukunft ihres Familienunternehmens in Gosbach zu sichern.