Geislingen Reifenwechsel ohne roten Kopf

Geislingen / Von Stefanie Schmidt 14.06.2018
Beim Do-it-yourself-Workshop der Hochschule zeigten Studenten, worauf zu achten ist, wenn man selbst am Auto werkelt.

Im Alter von 15 Jahren hat Felix Rimbach angefangen an seinem Mofa „rumzuschrauben“. Damit später am eigenen Auto weiterzumachen war für ihn ganz natürlich. Im Lauf der Jahre hat sich Rimbach, der im zweiten Semester Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt studiert, so viel Wissen selbst angeeignet.  Er fühlt sich sichtlich wohl, wenn er am Auto herumbastelt – auch wenn es tiefer in die Eingeweide geht. Bei vielen der knapp 30 Teilnehmer des Do-it-yourself-Workshops zum Thema Autotechnik, den Studenten der Automobilwirtschaft im Rahmen des Automobilsommers der Hochschule organisiert haben, ist die Berührungsangst größer.

In der Halle des TÜV-Süd in den Neuwiesen erfahren sie, was und wie bei einer TÜV-Hauptuntersuchung geprüft wird – von der Kontrolle der Scheinwerfer bis zum Test auf dem Bremsstand – und bekommen einige handwerkliche Tipps, zum Beispiel zum Reifenwechseln. Schon beim Ansetzen des Schlüssels an der ersten Schraube kann der unerfahrene Reifenwechsler eine böse Überraschung erleben, demonstriert Felix Rimbach. Manche Reifen sind mit einem Felgenschloss ausgestattet – einer besonderen Reifenschraube, die sich nicht mit einem normalen Sechskant­schlüssel öffnen lässt. Um das Felgenschloss zu lösen, benötigt man deshalb einen speziellen Aufsatz. „Dieser Stecker sollte eigentlich in der Reserveradmulde liegen.“  Da dieser Felgenschlüssel aber leicht verloren geht, empfiehlt Rimbach, das Felgenschloss durch eine normale Radschrauben zu ersetzen. „Wenn der Stecker weg ist, seid ihr am Arsch“, betont er.

Nachdem das erste Hindernis überwunden ist, hat Rimbach mit dem Ratschenschlüssel schnell die übrigen Schrauben gelöst und den Reifen von der Nabe gehoben. Zum Vorschein kommen unter anderem die Bremsscheiben. Rimbach empfiehlt, diese beim Reifenwechsel auch immer gleich zu überprüfen. Wichtig sei, dass die Scheiben eben und glatt sind und keine Rillen aufweisen.

Bevor der Student den Reifen wieder aufsteckt, weist er auf den Zentrierring in der Radnabe hin. Dieser sorgt dafür, dass die Felgen richtig sitzen. Bei manchen Sportfelgen seien diese Ringe nicht dabei, warnt er. Sie ohne die Zentrierringe aufzuschrauben, könne auf lange Sicht böse Folgen haben, warnt Felix Rimbach. Schon der geringste Spielraum könne starke Unwuchten verursachen.

Das Drehmoment ist wichtig

Wer beim Anziehen der Schrauben einen hochroten Kopf bekomme, wende zu viel Kraft auf, meint Rimbach. Deshalb empfiehlt er, einen Drehmomentschlüssel zu verwenden. Bei diesem Werkzeug kann man einstellen, mit wieviel Kraft die Schrauben angezogen werden sollen. Ist das eingestellte Drehmoment beim Anziehen der Radschraube erreicht, gibt es ein deutlich hörbares Knacken. Wie viel Drehmoment erforderlich ist, hängt unter anderem vom Fahrzeugtyp und der Felgengröße ab. Wenn man den genauen Wert nicht wisse, empfiehlt Student Rimbach ungefähr 120 Newtonmeter einzustellen. Dann den Schlüssel an der Schraube ansetzen und den Hebel „hochziehen bis es knackt.“

Das lässt der Student die Teilnehmer selbst ausprobieren. „Man braucht viel weniger Kraft als man glaubt“, sagt er. Wichtig sei, dass man die Schrauben nicht der Reihe nach anziehe, sondern über Kreuz. Sind die Schrauben drin, sollte man sie alle noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel „abknacken“. Ganz abgeschlossen ist der Reifenwechsel aber noch nicht: „Prüft nochmal alles nach, wenn ihr 50 Kilometer gefahren seid“, empfiehlt Rimbach. „Da löst sich öfter etwas, als man denkt.“

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