wahlkreis:Geislingen (11) Razavi: Bei der Hauptschule gibt es keinen Weg zurück

Nicole Razavi auf der Baustelle in Gingen: Die B10 ist für sie eine der Lebensadern des Landkreises.
Nicole Razavi auf der Baustelle in Gingen: Die B10 ist für sie eine der Lebensadern des Landkreises. © Foto: Sabrina Balzer
HARTMUT ALEXY 15.02.2016
Verkehrs- und Bildungspolitik sind die Spezialgebiete von Nicole Razavi (CDU). Die 50-jährige Landtagsabgeordnete aus Salach kandidiert am 13. März im Wahlkreis Geislingen für ihre dritte Amtszeit.

Geboren 1965 in Hong Kong - das muss die Kandidatin beim Gespräch in unserer Redaktion erst einmal genauer erklären. Nicole Razavi lächelt. "Mein Vater war mit der Familie für zehn Jahre in Fernost", erklärt sie. "Als Textilmaschineningenieur auf den Philippinen und in Hong Kong." 1967 kam die Familie in den Kreis Göppingen zurück, das Mädchen ging in Sparwiesen in den Kindergarten und die Grundschule und in Ebersbach aufs Gymnasium. Nach dem Studium wurde sie Lehrerin am Wirtschaftsgymnasium in Feuerbach, ließ sich nach zwei Jahren aber beurlauben und fing etwas Neues an. Als Leiterin der Presse- und Marketingabteilung der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg war sie mit verantwortlich für das Erscheinungsbild des Drei-Löwen-Taktes. Das Logo, das jetzt noch in vielen Zügen zu sehen ist, sei ihr Baby, sagt sie.

Für Politik interessierte sie sich schon als Schulsprecherin in Ebersbach. Schlüsselerlebnisse seien der Nato-Doppelbeschluss und die Menschenkette gegen die atomare Aufrüstung gewesen. Sie sei in einem "sehr liberalen Elternhaus" aufgewachsen; dass sie 1986 der CDU beitreten würde, sei ihr bestimmt nicht in die Wiege gelegt worden. Angesichts der harten Konfrontation von West und Ost sei in ihr aber die Überzeugung gereift, "dass wir eine klare West-Orientierung brauchen" und dass ihre Haltung am besten mit der CDU übereinstimmt.

2001 wechselte Razavi vom Verkehrsverband ins Verkehrsministerium. Sie wurde Referentin des damaligen Staatssekretärs Stefan Mappus, leitete drei Jahre später sein Ministerbüro und ein Jahr später sein Büro als Fraktionsvorsitzender. 2006 wurde sie im Wahlkreis Geislingen mit 46 Prozent der Stimmen Nachfolgerin des Landtagsabgeordneten Hermann Seimetz.

Den Machtwechsel vor fünf Jahren sieht sie im Rückblick zugleich als Chance zur Erneuerung der Partei. Bei der Wahl zwei Wochen nach der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima war die CDU auf 39 und die FDP auf 5,4 Prozent gerutscht - zwei Prozent zu wenig für die Fortsetzung der Koalition. In der Opposition habe die CDU die Gelegenheit genutzt, alte Strukturen aufzubrechen und sich zu verjüngen. Während der Regierungszeit hätte sie selbst nie daran gedacht, für den Landesvorstand zu kandidieren, sagt Razavi. Nun tat sie es und wurde als Beisitzerin gewählt.

In den 58 Jahren ihrer Regierungszeit habe die Partei "ein fast übertriebenes Selbstbewusstsein entwickelt", merkt die Abgeordnete an. "Sie war davon überzeugt, dass es in Baden-Württemberg keine Regierung ohne die CDU geben kann." Nun habe sie Zeit gehabt, ihre Positionen zu überdenken, zum Beispiel in der Bildungspolitik. Die Gesellschaft habe sich verändert, immer weniger Eltern schickten ihre Kinder auf die Hauptschule. Es wurde klar, dass diese Schulform keine Zukunft hat. Die neue Landesregierung reagierte darauf mit der Einführung der Gemeinschaftsschule - die CDU hätte das mit Rücksicht auf ihre Wählerklientel nicht getan. Umkehren lasse sich die Entwicklung nun aber auch nicht mehr, weil sich die Voraussetzungen geändert hätten. In der Regierung würde die CDU die Gemeinschaftsschulen daher nicht abschaffen - "die, die es gibt, werden Bestand haben". Sie würde das System allerdings von innen reformieren. Statt Lerngruppen soll es wieder Klassenverbände geben, die Lehrer sollen wieder Lehrer sein und nicht nur Lernbegleiter. Anders als die Grünen wolle sie außerdem die Realschulen und die duale Ausbildung stärken. "Nicht jedes Kind muss Abitur machen. Wir brauchen auch gute Handwerker."

Zweiter Schwerpunkt neben der Bildungspolitik ist nach wie vor die Verkehrspolitik. In Sachen B10 neu ist sie sich da mit FDP und SPD im Landkreis einig: "Wir brauchen die B10 bis Amstetten." Die B10 sei zusammen mit der A8 und der Bahnverbindung die Lebensader des Landkreises. "Überall dort, wo es die Ortsumfahrung schon gibt, leben die Städte und Gemeinden neu auf. Ein Beispiel dafür ist Eislingen." Die Planung sei nun Sache des Landes.
 



Wir stellen die Kandidaten in der GZ vor:
 

Montag, 15.02. Nicole Razavi CDU
Dienstag, 16.02. Sascha Binder SPD
Mittwoch, 17.02. Eckhart Klein Grüne
Donnerstag, 18.02. Armin Koch FDP
Freitag, 19.02. René Niess Linke
Montag, 23.02. Willy Kotzbauer AfD
Dienstag, 24.02. Herbert Krüger ALFA



 

Nicole Razavi: Zur Person

Geboren: 1965 in Hong Kong

Wohnt jetzt in: Salach

Schule: 1984 Abitur in Ebersbach

Studium: Anglistik, Politologie und Sport (Lehramt) in Tübingen und Oxford

Stationen: 1993 bis 1995 Assessorin und Studienrätin am Wirtschaftsgymnasium in Stuttgart-Feuerbach; 1995 bis 2001 Presse und Marketing der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg; 2001 bis 2006 im Verkehrsministerium in Stuttgart

Politik: 1986 in die CDU eingetreten / Seit 1997 Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Göppingen / 2006 mit 45,8 Prozent in Landtag gewählt Wahl 2011: 41,4 Prozent / Seit 2011 im Landesvorstand der CDU / Verkehrspolitische Sprecherin der CDU

Privat: Seit 2007 Präsidentin des Turngaus Staufen