Kreis Göppingen/Ulm / Ruben Wolff  Uhr
Eine 33-Jährige aus dem Raum Geislingen wird beschuldigt, im September vergangenen Jahres ein Feuer vor einem türkischen Lebensmittelgeschäft in Geislingen gelegt zu haben. Außerdem soll sie versucht haben, eine Asylunterkunft in Bad Überkingen anzuzünden. Sie hat die Taten am Morgen des ersten Verhandlungstages gestanden.

„Ich habe die Taten begangen, ganz klar“, gibt die 33-jährige Angeklagte aus dem Raum Geislingen zu, die seit dem heutigen Freitag vor dem Ulmer Landgericht steht. Sie sei wegen einer gescheiterten Beziehung frustriert gewesen. Hinzugekommen sei ein Alkoholproblem, das sie seit etwa 20 Jahren habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, Brände vor einem türkischen Lebensmittelgeschäft in Geislingen und vor einer Asylunterkunft in Bad Überkingen gelegt zu haben. Sie habe in beiden Fällen bereitwillig in Kauf genommen, dass 31 Menschen hätten sterben können – so viele haben sich zu den Tatzeiten dort aufgehalten, erklärt der Staatsanwalt am Anfang der Verhandlung.

Angeklagte wollte Angst machen und Supermarkt beschädigen

„Ich wollte einfach nur den Supermarkt beschädigen“, sagte sie. Sie habe nie darüber nachgedacht, dass in den oberen Stockwerken Familien lebten. Das gelte auch für die Asylunterkunft in Bad Überkingen. „Ich wollte denen nur Angst machen.“

Ihre Taten liegen mittlerweile mehr als ein halbes Jahr zurück. Seit ihrer Festnahme in Bad Überkingen sitzt die Angeklagte in Untersuchungshaft.

Geislingen, 13. September: Gelbe Säcke brennen vor türkischem Lebensmittelgeschäft

Der Staatsanwalt wirft der 33-Jährigen vor, in der Nacht auf den 13. September mehrere Gelbe Säcke vor einem türkischen Lebensmittelgeschäft angezündet zu haben. Autofahrer waren um kurz vor Mitternacht an dem Geschäft an der Stuttgarter Straße in Geislingen vorbeigekommen. Ein 28-jähriger Geislinger hielt sofort an, rief die Feuerwehr und trennte die Müllsäcke voneinander, damit sich das Feuer nicht ausbreiten konnte. Hilfe bekam er von einer 19-jährigen Studentin, die aus ihrem Auto Decken holte. Sie bewässerten die Decken, um die Flammen zu löschen.

Wie der Staatsanwalt vor dem Landgericht berichtet, hielten sich in der Nacht 15 Menschen in dem Gebäude auf. Die mittlerweile 33 Jahre alte Angeklagte habe deren Tod billigend in Kauf genommen. Verhindert hatten diesen die Zeugen, die den Brand noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht hatten. Außerdem klingelten sie die Familien wach, damit diese ins Freie gelangen konnten.

Es gibt keine Anzeichen auf eine rechte Szene im Raum Geislingen, sagt die Polizei. Doch die mutmaßlichen Brandstiftungen haben viele schockiert. #gp-brand

Bad Überkingen, 18. September: Angeklagte soll Tür des Technikraums einer Asylunterkunft angezündet haben

In der Nacht auf den darauf folgenden Dienstag soll die Angeklagte die hölzerne Tür eines Technikraums einer Asylbewerberunterkunft in Bad Überkingen angezündet haben. Der Staatsanwalt wirft ihr vor, dafür einen flüssigen Grillanzünder verwendet zu haben. Zu diesem Zeitpunkt sollen 16 Menschen in der Unterkunft gewesen sein – auch deren Tod habe die Angeklagte billigend in Kauf genommen. Das Feuer sei dann aber selbst erloschen, ehe es auf andere Gebäudeteile übergegriffen war. „Ich wollte ihnen nur Angst machen“, sagte die Frau in der Verhandlung.

Die 32-Jährige, die eine Holztür der Gemeinschaftsunterkunft in Bad Überkingen angezündet haben soll, könnte im schlimmsten Fall 15 Jahre im Gefängnis sitzen. Die Staatsanwälte gehen von versuchtem Mord aus. #gp-brand

Interesse an Satanismus und rechtsradikalen Ideologien

Sie habe sich leer gefühlt, sei immer wieder auf der Suche nach sich selbst gewesen und trage tiefen Schmerz in sich, sagte die Angeklagte vor dem Landgericht. Sie habe sich bösem Gedankengut genähert, um ihren Schmerz durch Wut zu ersticken. Sie habe deswegen das Schlechte gesucht. So fand sie Interesse am Satanismus und näherte sich rechtsradikalem Gedankengut. Auf ihrem Handy entdeckten Polizisten Fotos von Adolf Hitler.

Auf der Suche nach sich selbst, begann die Angeklagte, die als Junge zur Welt kam, zudem ihr Geschlecht infrage zu stellen. Sie nimmt deswegen Hormone. Muslime hätten sie beschimpft, weil sie transsexuell ist.

Eine gescheiterte Liebesbeziehung und zu viel Alkohol hätten schließlich alles ausgelöst.

Ein „Bündnis gegen Rassismus“ organisiert für nächste Woche eine Kundgebung in der Geislinger Fußgängerzone.

Derzeit sind drei Verhandlungstage angesetzt, der zweite findet kommenden Freitag statt. Dann sollen neun weitere Zeugen vernommen werden.

Letzter Verhandlungstag ist dann der Dienstag, 21. Mai.

In der Samstagsausgabe (11. Mai) der GEISLINGER ZEITUNG berichten wir ausführlicher über den ersten Verhandlungstag. Wir sprachen mit einem Betreuer, mit dem Innenministerium und berichten über das Motiv der Angeklagten.