Geislingen an der Steige PORTRÄT: Polizeirat Jens Rügner war schon als Kind gerne Sheriff

Posiert vor der geöffneten Tür eines Streifenwagens: Polizeirat Jens Rügner hat sichtlic h Spaß an seiner Arbeit als neuer Leiter des Geislinger Reviers.
Posiert vor der geöffneten Tür eines Streifenwagens: Polizeirat Jens Rügner hat sichtlic h Spaß an seiner Arbeit als neuer Leiter des Geislinger Reviers. © Foto: Claudia Burst
Geislingen an der Steige / CLAUDIA BURST 16.02.2016
Jens Rügner ist 38 Jahre alt und Polizist aus Leidenschaft. Seinen Beruf hat er von der Pike auf gelernt und innerhalb von 14 Jahren die Karriereleiter in den höheren Dienst erklommen.

Im Büro des neuen Geislinger Polizeirevierleiters Jens Rügner hängen Landschaftsaufnahmen von England, Schottland, Irland. Sie zeigen, wohin es den 38-Jährigen im Urlaub zieht. Ihm gefällt "die Kultur, die Musik und die Lebensart" der Menschen auf den britischen Inseln. Er besucht mit seiner Frau gerne Rockkonzerte. Am besten gefallen den beiden Fiddler's Green die irische Speedfolkgruppe.

Allerdings fehlt Jens Rügner die Zeit, seinen Hobbys intensiv nachzugehen. Seit dem 1. Oktober leitet der Polizeirat das Revier in Geislingen. Er schwärmt von einer "sehr reizvollen Stelle", weil sein Vorgänger Manfred Malchow "ein sehr gut bestelltes Revier mit einer hervorragenden Mannschaft hinterlassen" hat. Dadurch war der Start für Rügner "hier sehr einfach."

Rügner mag die Kombination von operativer Arbeit, Strategie und Verwaltung. Der Beruf ist "so abwechslungsreich, man weiß vorher nie, was ein Tag bringt." Mit dem Beruf erfüllt er sich einen Kindheitstraum. Schon als Kind war er "bei der Fasnet am liebsten der Sheriff", bekennt er. Nach dem Abitur habe er nur eine einzige Bewerbung weggeschickt: die für den Polizeidienst.

Es hat funktioniert, Jens Rügner wurde von der Realität nicht enttäuscht. Geprägt haben ihn die eineinhalb Jahre beim Einsatzzug in Böblingen. Da war er am 1. Mai bei Ausschreitungen in Berlin-Kreuzberg. "So was sind Erfahrungen fürs Leben", sagt er und weiß daher "die Beschaulichkeit hier in Geislingen" umso mehr zu schätzen. Und die Flüchtlinge? "Hier in Geislingen haben wir keine größeren Probleme mit Flüchtlingen", betont der Polizeichef. Trotzdem versteht er den Schrei aus der Bevölkerung nach mehr Sicherheit. Das sei ein rein subjektives Gefühl, für das es im Raum Geislingen keine tatsächlichen Gründe gebe.

Jens Rügner hat Erfahrung. Im aktiven Einsatz wie als Stratege, in akuten Notfällen wie bei langfristigen Planungen. In seiner Vita wechseln die beruflichen Stationen in verblüffender Geschwindigkeit. Mit jedem Wechsel erklomm der Schwarzwälder eine weitere Sprosse auf der Karriereleiter - oder er sammelte Praxiserfahrungen, die ihm später dazu verhalfen. Der Polizeirat kennt die Arbeit als Streifenpolizist wie auch die Stabsarbeit. Nach einem zweijährigen Studium für den gehobenen Dienst lernte er die Perspektive eines Dienstgruppenleiters kennen, nach zwei Jahren sammelte er Know-how als Sachbearbeiter für Verkehrspolizeiliche Angelegenheiten im Innenministerium. Ihn faszinierte "der Blick über den Tellerrand, die neue Perspektive, die das Verständnis fürs große Ganze weckte", erklärt er. Weiter ging seine Laufbahn als Leiter im Ermittlungsdienst und bei der Landespolizeidirektion Tübingen, es folgte ein Masterstudium für den höheren Dienst und schließlich ein vierjähriger Einsatz im Innenministerium. Diesmal als Referent im Sachbereich Einsatz/Lagezentrum.

In Geislingen "habe ich jetzt meine Heimat gefunden", sagt Rügner. Seiner Verantwortung ist er sich bewusst. "Man entscheidet sich nicht für den höheren Dienst, wenn man Angst vor der Verantwortung hat", sagt er und verweist auf seine zuverlässigen Kollegen. "Wir Polizisten sind Teamplayer und können uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen". Als Einzelkämpfer, erklärt er, "kann man wenig oder gar nichts bewirken."

Das Geislinger Polizeirevier

Mitarbeiter Zum Geislinger Polizeirevier, das Jens Rügner leitet, gehören 57 Polizeibeamte, darunter neun Frauen. Die Mitarbeiter der Polizeiposten Böhmenkirch, Kuchen und Deggingen sind hier mitgezählt.

Gebiet Das Einsatzgebiet reicht von Böhmenkirch bis Wiesensteig im Oberen Filstal und Gingen im Unteren Filstal, es umfasst 253 Quadratkilometer, zwölf selbstständige Gemeinden, 65.000 Einwohner und ein Straßennetz von 183 Kilometern.

Ganz persönlich

Meine Hobbys sind Rockkonzerte, möglichst ausgedehnte Ausritte oder Fahrten mit unserer Pferdekutsche sowie die britischen Inseln.

Mein Lieblingsbuch ist "Illuminati" von Dan Brown.

Ich schätze Menschen, die ehrlich und aufrichtig durchs Leben gehen.

Ich habe Angst vor einer meinem Empfinden nach zunehmenden Schwarz-/Weiß-Betrachtung unserer Welt. Ich würde mir wünschen, dass Probleme wieder mehr lösungs- und zukunftsorientiert diskutiert werden, anstatt dass Ängste und Befürchtungen in den Vordergrund gestellt werden.

Mein Lieblingsgericht ist Spaghetti à la Carbonara.

Mich ärgert, dass Menschen sich manchmal gegenseitig das Leben schwer machen, anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Als Kind wollte ich schon immer Polizist werden.

Ich bewundere Nelson Mandela, weil er trotz einer 27-jährigen Haftstrafe als politischer Gefangener an seinem Weg festgehalten und als Freiheitskämpfer in Südafrika auf friedliche Art und Weise Großes bewirkt hat.

Wenn ich im Lotto gewinne, ginge unser bisheriges Leben wohl mit ein paar Euro mehr in der Tasche weiter.

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