Geislingen Porsche-Amerika-Chef fing in Geislingen an

Der HfWU-Absolvent und Porsche-Manager Klaus Zellmer auf dem Dach des Porsche-Museums in Stuttgart-Zuffenhausen.
Der HfWU-Absolvent und Porsche-Manager Klaus Zellmer auf dem Dach des Porsche-Museums in Stuttgart-Zuffenhausen. © Foto: HfWU/Zellmer
Geislingen / Udo Renner 28.06.2018
Die Auto-Leidenschaft führte ihn zum Studium an die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) nach Geislingen und danach zu Porsche. Heute ist Klaus Zellmer Chef in Nordamerika.

Dieselskandal, Elektromobilität, Digitalisierung. Die Umbrüche in der Autobranche sind gewaltig, ruhige Zeiten sehen anders aus. Klaus Zellmer aber ist gelassen, zuversichtlich. Seinen Gesprächspartner begrüßt der Porsche-Amerika-Chef entspannt mit einem freundlichen Lächeln.

Wenn der 51-Jährige von Herausforderungen statt von Problemen spricht, ist das keine Floskel. Und die alte Leidenschaft für das Auto ist immer noch da. Sie war es damals auch, die ihn zum Automobilwirtschaftsstudium an die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) nach Geislingen brachte.

„Auto-Papst“ Professor Willi Diez holte den begabten Studenten bald an das neu geschaffene Institut für Automobilwirtschaft (IfA). „Ich bin wohl dadurch aufgefallen, die Dinge auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen“, sagt Zellmer, auf die Anfänge zurückblickend.

Umbrüche standen der Branche auch damals ins Haus: Mit Lean-Management und Just-in-Time-­Produktion hatten die Asiaten der Deutschland AG Beine gemacht. Der Motor der Globalisierung lief gerade erst zu Hochtouren auf. „Wenn eine schlanke Produktion möglich ist, dann muss man auch über einen schlanken Vertrieb nachdenken und dies in einem internationalen Kontext“, bringt Zellmer die Überlegungen von damals auf den Punkt. „Das war eine total spannende Zeit.“

Am IfA lief zwar organisatorisch anfangs noch nicht alles rund. Dafür gab es einen fast familiären Zusammenhalt. Monatelang hatte Zellmer als wissenschaftlicher Assistent kein Gehalt bekommen. Als Diez das zu seiner Überraschung feststellte, streckte er seinem talentierten Nachwuchswissenschaftler kurzerhand das ausstehende Geld aus eigener Tasche vor.

Vielleicht liegt Zellmers Vertrauen, Herausforderungen ganz unterschiedlicher Natur zu bewältigen, auch in der IfA-Zeit begründet. Dass er im Besonderen Vertrieb kann, stellte er später eindrucksvoll beim Zuffenhausener Sportwagenhersteller unter Beweis. Während Zellmers Zeit als Geschäftsführer von Porsche Deutschland verdoppelten sich die Verkaufszahlen auf dem Heimatmarkt nahezu. Vor dem Wechsel in seine heutige Position als Nordamerika-Chef war er für die Tochtergesellschaften von Porsche in den Regionen Asien-Pazifik, Lateinamerika, Mittlerer Osten und Afrika verantwortlich. Heute lebt er mit seiner Familie in Atlanta.

Seit Porsche mit der „Mission E“ ein neues Zeitalter ausgerufen hat, treibt die Fangemeinde trotz aller vielgestaltigen aktuellen Herausforderungen vor allem eine Frage um: Ein Elektro-Porsche, ein Löwe ohne Gebrüll, geht das überhaupt? Das sieht Zellmer der Marke gemäß sportlich. „Es geht in der Tat darum, diesen Aspekt zu kompensieren. Aber wem, wenn nicht Porsche, kann dies gelingen? Mit den vielen faszinierenden Eigenschaften dieses Autos.“

Perspektivwechsel sind wichtig

Die Faszination für das Auto hatte ihn schon früh gepackt. „In der Autostadt Stuttgart ist das ja fast gar nicht anders möglich“, meint der im Stadtteil Degerloch aufgewachsene Manager.

Aber auch an dieser Stelle betont er, wie wichtig es sei, den anderen Blick auf die Dinge nicht aus den Augen zu verlieren. „Alles im Leben braucht Balance. Sich ausschließlich auf die Arbeit zu konzentrieren, halte ich nicht für clever.“

Zu seinen großen privaten Interessen gehört die zeitgenössische Kunst, erzählt der studierte Betriebswirt. „Perspektivwechsel sind wichtig, um sich die Offenheit zu bewahren“, sagt er. Und, so möchte man ergänzen, diese zuversichtliche Gelassenheit.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel