Geislingen Polizeichef: „Liebe Worte reichen nicht“

Die Polizei wird künftig in Geislingen härter zupacken.
Die Polizei wird künftig in Geislingen härter zupacken. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Von Stefanie Schmidt 11.06.2018
Körperverletzungen und Diebstähle nehmen in Geislingen zu. Die Polizei hält mit Kontrollen und Fußstreifen dagegen.

In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Anzahl der Straftaten, die pro Jahr in Geislingen begangen werden, eigentlich auf etwas über 1200 Delikte eingependelt, berichtete Jens Rügner, Leiter des Geislinger Polizeireviers, am vergangenen Mittwoch im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Einige Zahlen der Kriminalstatistik für 2017, die der Revierleiter vorstellte, ließen deshalb aufhorchen:  Die Zahl der Straftaten, die in Geislingen begangen wurden, ist 2017 im Vergleich zum Jahr davor um 8,7 Prozent angestiegen: von 1269 auf 1380 Delikte.

Die Entwicklung in Geislingen verläuft gegen den durchschnittlichen Trend im Polizeirevier Ulm. Im Ulmer Zuständigkeitsgebiet, das neben dem Kreis Göppingen auch den Alb-Donau-Kreis sowie die Landkreise Heidenheim und Biberach umfasst, ist die Anzahl der Straftaten im Durchschnitt rückläufig: im Kreis Göppingen zum Beispiel um 0,6 Prozent, im Alb-Donau-Kreis um 4,5 Prozent. Die Häufigkeitszahl, der Quotient von Straftaten und Bevölkerungszahl hochgerechnet auf 100 000 Einwohner, beträgt 5009. Damit liegt Geislingen zwar unter dem Landesdurchschnitt von 5259, aber die Häufigkeitszahl hat sich um 7,2 Prozent erhöht.

Vor allem drei Arten von Straftaten sind 2017 im Vergleich zum Jahr davor häufiger geworden: Rauschgift- und Rohheitsdelikte sowie Ladendiebstähle.  Dass die Zahl der Rauschgiftdelikte um 50 Fälle auf insgesamt 119 gestiegen ist, sei den verstärkten Polizeikontrollen geschuldet, erläuterte Rügner. „Gekifft wird schon immer. Durch unsere Schwerpunktkontrollen rücken die Delikte vom Dunkel- ins Hellfeld.“

Das tatsächliche Problem seien Rohheitsdelikte wie Raub und Körperverletzung, die sich um 29 Delikte auf insgesamt  244 erhöht haben, sowie leichte und schwere Diebstähle, von denen jeweils 22 mehr Fälle als im Vorjahr zu verbuchen waren: insgesamt 321 einfache Diebstähle  und 126 schwere Diebstähle. Als schwer wird ein Diebstahl dann eingestuft, wenn während der Tat eine Schutzvorrichtung überwunden wurde – der Täter also zum Beispiel eine Vitrine einschlägt oder in einen geschlossenen Raum einsteigt.

Verunsicherte Bürger

Für die Geislinger Polizeibeamten birgt die Jahresstatistik 2017 keine Überraschungen. Bereits Mitte 2016 seien sie auf die Entwicklung aufmerksam geworden, sagte Rügner. Im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größe seien die Geislinger Zahlen zwar nicht besonders auffällig oder besorgniserregend, aber es sei wichtig, einen „Deckel“ auf die Entwicklung zu bekommen.

Besonders im Fokus der Polizei  stehe ein bestimmter Personenkreis „perspektivloser“ Jugendlicher und junger Erwachsener aus „bildungsfernen Schichten“, die immer wieder durch Ordnungswidrigkeiten aufgefallen sei: Saufgelage, Pöbeleien, aggressives Verhalten und Respektlosigkeit hätten die Bürger verunsichert. Als die Polizei deshalb die  Kontrollen verstärkte, stellten die Beamten fest, dass einige dieser Personen teilweise durch Diebstähle oder Körperverletzungen  polizeibekannt waren, Drogen bei sich hatten oder Waffen wie zum Beispiel Schlagringe mit sich führten. „Es gibt eine Überschneidung zwischen den Personen, die mit Ordnungswidrigkeiten auffallen und den Personen, die Straftaten begehen“, erläuterte Jens Rügner im Gespräch mit der GEISLINGER ZEITUNG.

Deshalb wurde eine mit dem Ordnungsamt abgestimmte Konzeption entwickelt: Diese beinhaltet unter anderem vermehrten Streifendienst zu Fuß, intensive Personenkontrollen, Platzverweise und Schwerpunktkontrollaktionen, bei denen die Geislinger Beamten teilweise durch die Bereitschaftspolizei unterstützt werden. „Wir fahren eine ganz konsequente Linie“, meint Rügner. „Liebe Worte allein reichen nicht. Man muss den Leuten klarmachen: So lange ihr euch so verhaltet, gibt es Kontrollen.“

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