Schalkstetten Plötzlicher Boom im „Boden“

Jahrzehnte lang tat sich nichts, jetzt füllt sich das Gewerbegebiet „Boden“ in Schalkstetten.
Jahrzehnte lang tat sich nichts, jetzt füllt sich das Gewerbegebiet „Boden“ in Schalkstetten. © Foto: Hehn
Schalkstetten / Thomas Hehn 22.03.2018
Inzwischen boomt es im Gewerbegebiet bei Schalkstetten.

Jahrzehntelang passierte gar nichts. Und jetzt geht‘s plötzlich Schlag auf Schlag.“ Ortsbaumeister Manfred Werner weiß selbst nicht so recht, was derzeit in Schalkstetten passiert. Fast  20 Jahre lang hat die  Gemeinde Amstetten ihre Bauplätze im Gewerbegebiet „Boden“ angeboten wie Sauerbier – doch keinen hat‘s interessiert.  Anfragen von Firmeninhabern gab‘s zwar immer  wieder. „Aber die wollten alle nach Amstetten an die B 10, nicht auf die Alb nach Schalkstetten, erläutert der Ortsbaumeister.

Gemeinde hatte kein Geld

Dass sich lange nichts regte im „Boden“, liegt auch an der Gemeinde. 1991 gekauft und 1995 in den Flächennutzungsplan aufgenommen, dauerte es weitere sechs Jahre, bis man das 1,4 Hektar große Areal im Jahr 2002  endlich erschloss – und man tatsächlich auch  bauen konnte im „Boden“:  „Die Jahre zuvor standen die ersten Gewerbesteuerrückzahlungen an die HDM an und die Gemeinde hatte wenig  Geld“, erinnert sich Werner. Allein der gerade mal 50 Meter lange Kanalanschluss, bei dem man mit großem Aufwand die Gleise der Museumsbahn unterqueren musste, schlug mit 115 000 Euro zu Buche. Kein Wunder also, dass mancher Gemeinderat davor zurückschreckte, viel Geld in die Hand zu nehmen für ein Gebiet, in das eh keiner wollte.

Die Befürchtung schien sich zu bewahrheiten: Trotz der nun vollzogenen Erschließung und einem „Dumpingpreis“ von 30 Euro pro Quadratmeter blieben die Käufer weiter aus. 2004 ging zwar ein Grundstück weg (der Sohn des Ortsvorstehers baute eine Lagerhalle), doch das war‘s auch schon wieder. Es dauerte weitere acht Jahre, bis der nächste Interessent auf den Plan trat: 2012 zog der Licht- und Tontechnik-Verleih Schietinger von der B 10 in Amstetten auf die Alb und brachte die ersten vier Arbeitsplätze mit. Als schon keiner mehr so recht dran glaubte, kam die Wende doch noch: 2014 gingen gleich vier Grundstücke weg, seitdem folgte ein Verkauf nach dem anderen. Inzwischen herrscht reger Betrieb auf der „Baustelle Boden“: Eine Kfz-Werkstatt ist schon eröffnet, gegenüber steht die Halle einer Blechbearbeitungsfirma kurz vor der Vollendung. Maschinenhallen von Betrieben für Erd- und Bagger- sowie Forst- und Agrararbeiten sind mitten im Bau. Mit Raumausstatter und Fuhrunternehmer stehen weitere Firmen in den Startlöchern. „Neun von elf Bauplätzen sind verkauft“, konstatiert der Ortsbaumeister zufrieden.

Was ihn besonders freut: Alle Unternehmer  kommen aus der Gemeinde oder der näheren Umgebung. Vor diesem Hintergrund sieht Werner auch die extrem niedrigen Bauplatzpreise im „Boden“ (so billig kriegt man die sonst nirgends) gut angelegt. „Kleinere und mittelständische Betriebe sind inzwischen  verlässlichere Gewerbesteuerzahler als große Unternehmen wie die Heidelberger.“