Geisingen Platz für Praxen und Notfälle

Gesundheitszentrum: jede Menge Technik in der Decke. Foto: Manfred Bomm
Gesundheitszentrum: jede Menge Technik in der Decke. Foto: Manfred Bomm
MANFRED BOMM 05.06.2012
Roher Betonboden, dicke Kabelpakete und Rohre, die in Wänden verschwinden: Wo Anfang nächsten Jahres Patienten behandelt werden, sind jetzt noch Handwerker zugange. Das Gesundheitszentrum entsteht.

Nur von einem Anbau an die Helfenstein Klinik zu reden, wäre weit untertrieben. Denn das Gesundheitszentrum entspricht vom Volumen her immerhin etwa einem Drittel des bisherigen Krankenhaus-Komplexes. Allein die Flächen für die neun Arztpraxen in den beiden Obergeschossen umfassen rund 4000 Quadratmeter. Derzeit ist der Innenausbau in vollem Gange. Mit sogenannten Raumständerwänden wird die individuelle Aufteilung vorgenommen, sodass Änderungen künftig jederzeit möglich sind.

L-förmig schmiegt sich der Baukörper an die Helfenstein Klinik an - zum früheren Park hin vier Geschosse hoch. Ganz unten, also ebenerdig zur tiefer liegenden Grünfläche an der Eyb, zieht ein großes Dialysezentrum ein.

Drüber, auf dem Geländeniveau des bisherigen Haupteingangs, lassen sich bereits die großzügig ausgelegten Dimensionen der zentralen Notaufnahme erahnen. Der Notfallstützpunkt, der auch für die Ambulanz zuständig ist, wird mit allen klinischen Versorgungseinrichtungen ausgestattet sein - und dies in direkter Nähe zur Radiologie. Baukoordinator Jürgen Knoblauch spricht in diesem Zusammenhang vom "Herzstück der Klinik". Hier könnten auch die niedergelassenen Allgemeinmediziner für ihren Wochenend-Bereitschaftsdienst eine Notfallpraxis einrichten (wir berichteten darüber).

Für Patienten, die nachts aufgenommen werden, entstehen Räumlichkeiten mit neun Betten. Die Verlegung in die jeweilige Station erfolgt künftig erst am nächsten Morgen. Damit wird nachts die Unruhe durch Neuaufnahmen vermieden.

Schon fällt es schwer, sich den bisherigen Haupteingang nochmal vorzustellen. Nichts ist dort mehr so, wie es einst war. Eine große Empfangshalle erhebt sich mittlerweile über alle Geschosse hinweg nach oben und macht die Übergänge zwischen Klinik und den Arztpraxen des Gesundheitszentrums transparent. Auch das Café deutet sich an, das zum Verweilen einladen wird und den Beginn der Ladenpassage markiert, die entlang des Parkplatzes in das Gebäude integriert ist. Ebenerdig wird es eine Apotheke, eine Sparkassenfiliale und ein Sanitätshaus geben.

An den Schnittstellen zwischen Alt- und Neubau sind drei Lichthöfe entstanden, die den Komplex hell und luftig erscheinen lassen. In jenem, der dem Eingang am nächsten ist, soll nach Angaben von Standortleiter Alexander Vater der Brunnen mit den "Stelzenkindern" einen neuen Platz finden. Das Figuren-Ensemble hatte dem Neubau weichen müssen und war wenig später auf dem Lagerplatz von Unbekannten zerstört worden: Sie brachen eine der Bronzestatuen ab und entwendeten sie. Vater hofft nun, mit Hilfe von Spenden das Kunstwerk wieder reparieren lassen zu können. Kosten: 35 000 Euro.

Bis zur Einweihung Anfang 2013 gibts allerdings noch viel zu tun, obwohl die "Veredelung" des Rohbaus täglich voranschreitet. In allen Etagen wird gebohrt, gesägt und geschraubt. Musik aus verstaubten Radios und CD-Playern mischt sich mit dem Lärm von Bohrmaschinen und Sägen. An den Decken lässt sich ein Gewirr von Heizungs- und Lüftungsrohren verfolgen - Kabelenden warten darauf, irgendwo angeschlossen zu werden. Im obersten Geschoss ist bereits der Estrich aufgebracht.

Draußen hat die Baustelle tiefe Geländewunden gerissen. Doch wenns wieder Frühling wird, soll auch das, was noch vom einstigen Park übrig geblieben ist, wieder üppig grünen. Bis dahin ist auch das Gemeinschaftshaus in die Außenanlage integriert und die "Hinterhof-Atmosphäre" verschwunden. Die Rettungsfahrzeuge treffen weiterhin hier ein, werden dann aber in einer mit Rolltor verschließbaren Halle verschwinden. Bislang müssen die Patienten am rückwärtigen Klinik-Eingang unter einem überdachten Platz ausgeladen werden.

Das Projekt ist derzeit die größte Baumaßnahme im Landkreis Göppingen. Die Kosten belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro; jeweils die Hälfte davon entfällt einerseits auf die neue zentrale Notaufnahme und die Eingangshalle sowie andererseits auf das eigentliche Gesundheitszentrum mit Arztpraxen, Ladenpassage und Dialysezentrum.