Aktionstag Pflegekräfte schlagen Alarm

Den internationalen Tag der Pflege nutzte die Diakonie gestern bei Aktionen in 20 Kommunen, so auch in Geislingen, um Forderungen an die Politik zu formulieren. Passanten konnten in der Fußgängerzone auf Postkarten ebenfalls ihre Wünsche zur Pflege an die Politik formulieren. Auch die SPD-Abgeordneten Heike Baehrens und Sascha Binder (Bildmitte) zeigten Solidarität mit den Pflegekräften und sprachen sich für Verbesserungen bei einer Pflegereform aus.
Den internationalen Tag der Pflege nutzte die Diakonie gestern bei Aktionen in 20 Kommunen, so auch in Geislingen, um Forderungen an die Politik zu formulieren. Passanten konnten in der Fußgängerzone auf Postkarten ebenfalls ihre Wünsche zur Pflege an die Politik formulieren. Auch die SPD-Abgeordneten Heike Baehrens und Sascha Binder (Bildmitte) zeigten Solidarität mit den Pflegekräften und sprachen sich für Verbesserungen bei einer Pflegereform aus. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / MICHAEL RAHNEFELD 13.05.2014
Zum bundesweiten Aktionstag für ein Rettungspaket Altenpflege gingen gestern auch Menschen in Geislingen auf die Straße. Unterstützung fanden sie mit den SPD-Abgeordneten Heike Baehrens und Sascha Binder.

"Die Situation in der Altenpflege ist kritisch. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt. Fachkräfte für die Pflege werden dringend gesucht. Pflegende Angehörige fühlen sich nicht ausreichend unterstützt. Die Arbeit der Pflegekräfte wird zu wenig wertgeschätzt. Die Pflege ist chronisch unterfinanziert". Mit diesen Worten wird in einer Info-Broschüre der Diakonie auf die Missstände in der Altenpflege hingewiesen. Gestern machten Altenpfleger aus dem Samariterstift mobil. Vor dem Alten Rathaus in der Geislinger Fußgängerzone hatten sie Info-Stände aufgebaut, ein Saxofon-Quartett der Geislinger Musikschule sorgte für den guten Ton. Und dass die Pflege regelrecht im Regen steht, das bewiesen einige kräftige Duschen vom Himmel, gegen die sich die Demonstranten mit bunten Schirmen schützten.

Der Chef der Samariter-Einrichtungen in Geislingen, Uwe Glöckner, hatte bereits im Vorfeld des Aktionstages darauf hingewiesen, dass es nicht um den destruktiven Duktus "die Pflege liegt am Boden" gehe, sondern vielmehr um den Hinweis auf Gefahren, die dazu führen können. Die Kernforderungen der Diakonie sind deshalb bessere Rahmenbedingungen für würdevolle Pflege, gerechte Finanzierung, Entlastung der pflegenden Angehörigen und attraktive Ausbildung. Das alles kostet Geld, und die Pflege ist chronisch unterfinanziert. Mit dem Aktionstag, so wird immer wieder deutlich gemacht, soll eine öffentliche und politische Diskussion über die Pflege in Deutschland angestoßen werden.

Auf Postkarten hatten gestern Passanten die Gelegenheit, ihre Forderungen an die Politik in Bezug auf Pflege in kurzen Sätzen oder Schlagworten zu formulieren. Die Postkarten werden in großen Paketen gesammelt und dann an den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe verschickt, der momentan in Berlin an einer Pflegereform arbeitet. Daran beteiligt sich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens, die gestern vor dem Alten Rathaus anerkennende Worte dafür fand, dass die Pflegekräfte für ihre Interessen kämpfen und Flagge zeigen. Vermittelt werden müsse den Bürgern, warum Pflege so viel koste, sagte Baehrens, die zudem dafür plädiert, dass Heime und Einrichtungen Transparenz zeigen, sich für viele Gruppen und Besuchern öffnen, um einem verallgemeinerndem Vorwurf von schlechten Zuständen in den Einrichtungen vorzubeugen. In Berlin, so Heike Baehrens, wolle sie sich dafür stark machen, dass eine würdevolle Pflege bei den Reformplänen im Zentrum stehe.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder setzt sich für bessere Bedingungen in der Pflege ein und würdigte die Leistung der in der Pflege tätigen Menschen. Ihnen sprach er ausdrücklich Dank aus. Er verwies darauf, dass die Landesregierung ordnungspolitische Dinge bezüglich der Pflegeformen neu regeln wolle und zudem eine Enquete-Kommission eingesetzt habe, die sich in diesem Jahr intensiv mit dem Thema Pflege auseinandersetzen werde. Ihr gehören aus jeder Landtagsfraktion zwei Experten an.

Alt-Dekan Hermann Stahl erinnerte daran, dass es außerhalb der Tariftreue erhebliche Unterschiede bei der Bezahlung von Pflegekräften gebe - bis zu 15 Prozent -, die sich letztlich in den Kosten der Pflegeplätze niederschlage, und Pfarrer Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer machte deutlich, dass Menschen im Pflegeberuf bei den Diakonieeinrichtungen natürlich von ihrer Arbeit auch leben können müssen.

Uwe Glöckner ergänzte in diesem Zusammenhang, dass die Diakonie-Einrichtungen zwar auf christlichen Werten basierten, aber selbstständige Wirtschaftsunternehmen seien, die natürlich ihre Leistungen erwirtschaften müssten und nicht von der Kirche finanziert würden.

So wird Pflege momentan bezuschusst und mitfinanziert
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