Gerade einmal 500 Meter sind es von Waldhausen bis zur Kreisgrenze, nur etwa drei Kilometer Luftlinie zum Nachbarort Gussenstadt und weitere fünf Kilometer bis nach Gerstetten. Eigentlich keine nennenswerten Entfernungen. Wer sie aber mit dem ÖPNV bewältigen wollte, für den war das bislang eine Mission Impossible: Seit März 1996, als das Aus für die Lokalbahn von Amstetten nach Gerstetten kam, gab es keine Möglichkeit mehr, werktags mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Kreisgrenze zu gelangen. Wären nicht die Ulmer Eisenbahnfreunde (UEF) gewesen, die von Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen ihren Dampfzug respektive Diesel-­Triebwagen auf der Strecke rollen lassen, wäre die Verbindung komplett abgeschnitten gewesen.

Nun hat sich die Lage seit Jahresbeginn entscheidend verbessert: Die seit 2007 bestehende Rufbus-Verbindung von Waldhausen nach Geislingen wurde bis Gerstetten erweitert, die Strecke bedient das Geislinger Taxi-Unternehmen Fauth. Bei einer Bürgerinfo am Dienstag um 20 Uhr im Rathaus von Waldhausen wird Ortsvorsteher Reiner Strehle die erweiterte Linie 59 vorstellen. Konkret wurde diese Erweiterung erstmals vor einem Jahr bei Gesprächen, bei denen Vertreter der Gemeinden Geislingen und Gerstetten sowie der Landkreise Göppingen und Heidenheim am Tisch saßen. Im Sommer war die Geschichte spruchreif. „Der Ausbau macht aus mehreren Gründen Sinn“, sagt Strehle, „zum einen gibt es viele private Beziehungen zwischen den Ortschaften. Die Waldhausener sind in Gussenstadter Vereinen aktiv, sie gehen nach Gerstetten zum Einkaufen.“ Wie genau das Mobilitätsverhalten der Waldhausener aussieht, hatte Cornelia Heinle, Absolventin der Hochschule in Geislingen, 2016 in ihrer Masterarbeit wissenschaftlich ausgewertet. „Diese Arbeit war Grundlage für die weitere Planung“, sagt Strehle.

Was ebenso schwer wiegt, ist das Pendlerverhalten aus der Nachbargemeinde. „Dazu gab es bereits vor zehn Jahren eine Umfrage – mit dem Ergebnis, dass viele Berufstätige von Gussenstadt bis Dettingen, die im Raum Stuttgart arbeiten, ab Geislingen mit dem Zug dorthin pendeln“. Aber eben zunächst mit dem Auto in die Fünftälerstadt fahren. Strehle: „Angesichts des dortigen Parkraumproblems ist der Rufbus ab Gerstetten eine attraktive Alternative. Und wenn die Vollintegration in den VVS kommt, wäre auch der Landkreis Heidenheim angeschlossen.“