Geislingen Parkhaus-Sanierung liegt im Zeitplan

Stadtwerke-Chef Martin Bernhart informiert über den Stand der Sanierung des Parkhauses im Sonne-Center. Auf den beiden unteren Parkdecks ist bereits der Asphaltbelag drauf.
Stadtwerke-Chef Martin Bernhart informiert über den Stand der Sanierung des Parkhauses im Sonne-Center. Auf den beiden unteren Parkdecks ist bereits der Asphaltbelag drauf. © Foto: Alexander Jennewein
Geislingen / Jochen Weis 06.04.2018
Die Sanierung des Parkhauses im Sonne-Center liegt voll im Zeitplan – trotz der Kälteeinbrüche im Februar und März.

Vor 13 Monaten ist die Sanierung des Parkhauses im Geislinger Sonne-Center angelaufen. Nun biegt das millionenschwere Projekt in die Zielgerade ein: „Wir sind voll im Soll, läuft alles weiterhin nach Plan, sind wir wie vorgesehen Ende Juni, Anfang Juli fertig“, sagt Martin Bernhart, Geschäftsführer der Geislinger Stadtwerke, denen das Parkhaus gehört. Die Betonsanierung ist so gut wie abgeschlossen, die beiden unteren Parkdecks haben schon einen neuen Oberflächenbelag aus Guss-Asphalt erhalten. „Die technischen Einrichtungen werden fertiggestellt, sobald  wir mit den Arbeiten am Gebäudekörper fertig sind“, erklärt Bernhart.

Die Sanierung war notwendig geworden, weil die Chloride des Streusalzes, das über Jahrzehnte durch die Autos ins Parkhaus gelangt war, die Stahlbewehrung im Beton angegriffen hatten. Und zwar so stark, dass das Parkhaus samt darüber liegender Wohnbebauung sprichwörtlich auf wackligen Beinen stand: Insgesamt 30 Pfeiler leiten den Gebäudedruck in den Boden ab. Rostet ihr stabilisierendes Stahlgerippe, gerät die gesamte Statik aus den Fugen.

Dass es bislang keine Verzögerungen im Zeitplan gibt, ist nicht selbstverständlich. Grundlegendes Problem ist die Unberechenbarkeit der Stahlbeton-Karies. „Man weiß trotz aller vorangehender Messungen nie genau, an welcher Stelle man wieviel von dem bröckeligen Beton wegnehmen muss“, erklärt Bernhart: „Außerdem ist es jedes Mal eine Fall­entscheidung: Ist noch genug Bewehrung da? Muss man sie nur verstärken oder komplett erneuern? All das kostet Zeit.“ Und bisweilen auch Geld, im aktuellen Fall etwa 200 000 Euro, die das mit 2,3 Millionen Euro angesetzte Projekt mehr kostet. „Man kann aber trotzdem noch sagen, die Kosten halten sich im Rahmen“, betont Bernhart.

Erschwerend kam hinzu, dass die Bautrupps nicht in einem Abwasch über die gesamte Fläche gehen konnten, um per Roboter und mit einem 1000 Bar starken Wasserstrahl die marode Betonhülle wegzusprengen. Sie mussten sich vielmehr über unzählige, eng abgegrenzte Bereiche vorarbeiten, „das haben jedes Mal die Statiker vorgegeben. Kommt zu viel Beton auf einmal weg, wirkt sich das auf die Statik aus.“ In der Summe kamen gut 400 Tonnen Schutt zusammen, die Ladung von etwa 20 Sattelschleppern.

Zuletzt war aber das Wetter das große Handicap: „Nach den Kälte-Einbrüchen im Februar und im März mussten wir die beiden unteren Parkdecks heizen, um überhaupt weiterarbeiten zu können.“ Nachdem dort die Betonsanierung abgeschlossen war, kam zunächst eine sogenannte Kratzspachtelung, sprich: eine Grundierung aus Kunstharz, auf den Boden, auf der dann Schweißbahnen verlegt wurden. Diese Schweißbahnen laufen noch etwa 30 Zentimeter an der Wand und an den Säulen hoch. „Damit wird verhindert, dass in diesem Bereich Spritzwasser in den Beton eindringt, sonst hätten wir schnell wieder das alte Problem“, erklärt Bernhart.

Die Schweißbahnen liegen nun unter zwei Schichten aus besagtem Gussasphalt, beide je dreieinhalb Zentimeter dick. „All diese Komponenten sind genau aufeinander abgestimmt. Damit sie sich miteinander verbinden, ist eine Temperatur von mindestens acht bis zehn Grad notwendig“, erläutert der Stadtwerke-Chef, „darum ist uns nichts anderes übrig geblieben, als die Heizung anzuwerfen, weil wir unbedingt den Zeitplan einhalten wollen. Außerdem ist das Ganze auch eine Sache der Gewährleistung.“

Auf den Rampen sowie auf der obersten Ebene, an die das Parkdeck anschließt und die zum Teil im Freien liegt, steht das ganze Prozedere noch aus. „Dafür brauchen wir jetzt einfach gutes Wetter“, sagt Bernhart. Eine Alternative zum aufwändigen Zwiebelschalen-Verfahren gibt es nicht, will man die nächsten 50 Jahre Ruhe im Untergrund haben: „Zuvor hatte der Beton nur eine Kunststoff-Beschichtung. Die hat sich mit der Zeit abgerieben, der Beton war damit ungeschützt.“

Bei den noch anstehenden technischen Arbeiten steht der Brandschutz im Vordergrund, der etwa 30 Prozent der Ausgaben verschlingt. „Wir haben ein Brandschutz-Konzept für das gesamte Gebäude erstellt, das auch die Wohnbebauung miteinschließt“, sagt Klaus Böpple, der Zuständige der Stadtwerke vor Ort. Das Parkhaus wird mit Rauchmeldern und Kohlendioxid-Sensoren versehen (die gab es auch zuvor schon), außerdem mit Jet-Ventilatoren, die im Brandfalle den Rauch aus dem Gebäude drücken. Außerdem gibt es künftig eine Löschwasser-Einspeisung. Böpple: „Bricht ein Feuer aus, kann die Feuerwehr über ein Leitungssystem Löschwasser zu zwei Hydranten im Gebäude pumpen, an denen die Feuerwehrmänner die Löschrohre anschließen, um den Brand zu bekämpfen.“

Ausweichquartier für MAG-Dauerparker

Das Parkhaus des Sonne-Centers wurde 1979/80 erbaut. Vor der Sanierung gab es dort 113 Parkplätze, nach Abschluss werden es laut Stadtwerke-Chef Martin Bernhart „einige weniger“ sein, geschuldet den Sicherheitsabständen zu den Pfeilern. Über die künftige Nutzung muss der Geislinger Gemeinderat entscheiden. Während der anstehenden Sanierung des MAG-Parkhauses sollen dort wohl Dauerparker untergebracht werden.