Verkehr Ortsumfahrung wieder Thema

Von Ralf Heisele 15.11.2017
Immer mehr Autos und Lastwagen rollen durch Nellingen. Deshalb drängt die Gemeinde wieder verstärkt auf eine Umgehungsstraße.

Wer auf der Merklinger und Aicher Straße durch Nellingen fährt, wähnt sich mitunter auf einer Holperstrecke, die eher an DDR-Zeiten erinnert als an eine Landestraße im 21. Jahrhundert. Angesichts  des rasant zunehmenden Verkehrs beschweren sich immer mehr Nellinger im Rathaus. „Die Klagen nehmen zu“, sagte Bürgermeister Franko Kopp in der Ratssitzung am Montagabend. Für ihn ist insbesondere der Anstieg des Schwerlastverkehrs schuld an der Misere.

Durch den Bau der ICE-Strecke und den Ausbau der Autobahn habe die Zahl der Lastwagen, die durch den Ort fahren, erheblich zugenommen. Auch registriert der Bürgermeister, dass viele Fahrer über Nellingen eine Abkürzung von der A 8 auf die A 7 (und umgekehrt) nehmen. Laut Kopp wolle nun womöglich auch noch eine größere Spedition im Gewerbepark Schwäbische Alb bei Türkheim ansiedeln, deren Fahrzeugflotte dann ebenfalls durch die Gemeinde zum Autobahnanschluss bei Merklingen fahre – „das pfeifen schon die Spatzen von den Dächern“. Und nicht zuletzt befürchtet der Schultes, dass Nellingen nach dem dreispurigen Ausbau der A 8 „zum Nadelöhr wird“, weil der dann immer noch zweispurige Alb­abstieg viele Autofahrer zum Ausweichen veranlasse.

Franko Kopp will deshalb den Bau einer Ostumfahrung östlich an Nellingen vorbei forcieren. Man sei schon seit 2003 an dem Thema dran, habe auch ein Konzept entwickelt und die Straße in den Flächennutzungsplan aufgenommen, doch bislang hätte das Land „andere Prioritäten gesetzt“.

Umsetzung wird noch dauern

Unterstützung erfährt der Nellinger Bürgermeister vom Landkreis und vom CDU-Landtagsabgeordneten Manuel Hagel. Dieser war am Montag zu Besuch im Nellinger Rathaus und sicherte dem Schultes seine Unterstützung zu. Hagel will Kopp zu entsprechenden Gesprächen im Regierungspräsidium begleiten „und für uns aktiv werden“, freut sich der Bürgermeister. Vorrangig geht es Kopp jetzt darum, dass die Umgehungsstraße in den vordringlichen Bedarf des Generalverkehrs­plans des Landes aufgenommen wird. Der Bürgermeister warnt vor zu viel Euphorie. So schnell werde Nellingen keine Umgehung bekommen. „Das ist keine kurzfristige Angelegenheit, sondern braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Umgehung könnte Nellingen eine Entlastung von bis zu 6400 Fahrzeugen bringen

Die Variante Mit dem geplanten interkommunalen Gewerbepark bei Türkheim hat die Gemeinde Nellingen im Jahr 2003 erstmals eine Ortsumgehung ins Spiel gebracht. Zunächst standen zwei Varianten im Raum: Eine westliche und eine östliche Umfahrung des Orts. Letztlich entschied sich der Gemeinderat für die Osttangente. Diese soll den überörtlichen Verkehr von Türkheim kommend in Richtung Oppingen an Nellingen vorbeiführen. Die Umfahrung ist 4,7 Kilometer lang und soll an der Oppinger Straße und im Süden an der Merklinger Straße zwei Anbindungen erhalten. Somit könnte das im Osten der Gemeinde liegende Gewerbegebiet an die Umfahrung angeschlossen werden. Die Kosten für die Trasse wurden damals auf sieben Millionen Euro geschätzt.

Das Gutachten Ein Verkehrsgutachten aus dem Jahr 2005 kam zu dem Ergebnis, dass pro Tag etwa 4500 Fahrzeuge durch Nellingen fahren. „Diese Zahl hat inzwischen erheblich zugenommen“, schätzt Bürgermeister Franko Kopp. Eine Ortsumfahrung mache deshalb mehr denn je Sinn. Schließlich hat schon das zwölf Jahre alte Gutachten für das Jahr 2020 eine Entlastung von 4500 bis 6400 Fahrzeugen am Tag durch eine Umgehung prognostiziert.