Eigentlich hatte es für den Geislinger Tierschutzverein endlich mal nach nach ruhigen Feiertagen ausgesehen, an denen endlich mal die Vernunft in die Häuser eingekehrt zu sein schien: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren waren nach den Feiertagen keine lebenden Weihnachtgeschenke ins Tierheim bei Türkheim abgeschoben worden.

Wohlgemerkt "eigentlich". Nun landeten doch noch drei Kaninchen - allesamt Zwergwidder-Mischlinge - in der Obhut des Vereins. Und hatten dabei Glück, dass sie überhaupt mit dem Leben davonkamen: Die Tiere waren auf der Schildwacht ausgesetzt, der Tierschutzverein von einem Anrufer informiert worden, der die Tiere bei einem Parkplatz hatte herumhoppeln sehen.

"Wir haben uns sofort auf den Weg gemacht und die Tiere im Dickicht gefunden", berichtet Tierheim-Leiterin Gabriele Hagmann. Allerdings machten es die Mümmelmänner ihren Rettern nicht leicht: "Wir hatten erhebliche Probleme, die Häschen einzufangen, weil sie sich immer wieder ins Gebüsch verkrochen." Schließlich sei es doch gelungen, zwei der Tiere in Transportboxen zu verstauen. Nur das dritte Tier sei dermaßen schlau gewesen, dass es allen Einfangversuchen ein Schnippchen geschlagen habe.

Weil es zwischenzeitlich dunkel wurde, mussten die Helfer die Rettungsaktion abbrechen. "Schweren Herzens und mit blutenden Händen und Armen ließen wir das Kaninchen zurück - in der Hoffnung, dass wir es am nächsten Tag wohlbehalten wiederfinden", erzählt Gabriele Hagmann. Ausgerüstet mit Fangnetz, Heu und Karotten sei der Trupp tagsdrauf erneut zur Schildwacht ausgerückt - mit einem ernüchterndem Ergebnis: "Wir durchstreiften mehr als eine Stunde lang den Wald und mussten uns schließlich eingestehen, dass eine weitere Suche zwecklos sein würde", erzählt Gabriele Hagmann.

Das Happy End folgte jedoch auf dem Fuß: Als das Trio zurück war im Tierheim, meldete sich dort ein Mann und berichtete, dass er am Morgen ein Kaninchen aufgegriffen habe - "genau an der Stelle, an der wir das Häschen zurücklassen musstenen". Eines der Kaninchen - ein Rammler, dem die Tierheim-Mitarbeiter den Namen Tommy gegeben haben - ist zwischenzeitlich schon weitervermittelt worden, die beiden anderen warten noch "auf ein neues Zuhause, wo sie bis an ihr Lebensende bleiben dürfen".

Denkt Gabriele Hagmann an den Vorfall, packt sie noch immer die Wut. "Wer Haustiere aussetzt, handelt unverantwortlich. Domestizierte Tiere haben in der Natur so gut wie keine Chance zu überleben. Es war fast ein Wunder, dass die drei Kaninchen nicht von einem Fuchs gerissen wurden." Zumal die Alb schon gar nichts mit dem natürlichen Lebensraum eines Kaninchens - nicht zu verwechseln mit den hiesigen Feldhasen - zu tun hat. Wildkaninchen bevorzugen sandige und lockere Böden, in die sie ihre Höhlen graben können. Kaltes und feuchtes Klima, dazu lehmige und feuchte Böden wie auf der Alb behagen ihnen gar nicht.

Ob es sich um entsorgte Weihnachtsgeschenke handelt oder um sonstwie unliebsam gewordene Hausbewohner, "darüber können letztlich auch wir nur spekulieren", sagt Gabriele Hagmann. Der Zeitpunkt spreche dafür, das Alter der Tiere eher dagegen. "Es waren keine Jungtiere mehr, das steht fest. Und sie waren gut genährt und gepflegt, lediglich die Krallen waren etwas zu lang", erzählt Hagmann: "Genauso gut kann es sein, dass man sie loshaben wollte, um Platz für junge Tiere zu schaffen, das erleben wir leider auch immer wieder."Gerade bei Kaninchen würden die Besitzer der irrigen Ansicht erliegen, "dass diese Tiere leicht zu halten sind und wenig Pflege und Zuwendung brauchen. Genau das Gegenteil ist der Fall", sagt Gabriele Hagmann.

Will heißen: Kaninchen haben einen großen Bewegungsdrang und Spieltrieb, brauchen deshalb Auslauf und Möglichkeiten, um sich zu beschäftigen, brauchen wegen ihrer anfällige Verdauung eine rohfaserreiche Ernährung und so weiter. "Wenn sich dann zeigt, wie aufwendig es ist, ein Kaninchen artgerecht zu halten, haben manche keine Lust mehr." Die aber sollten, so betont Gabriele Hagmann, zumindest den Anstand haben, ihre Tiere abzugeben anstatt sie auszusetzen, "das tut man keinem Tier an, egal ob Kaninchen oder Hund und Katze".

Ausgebüxt an Silvester

Happy End Gleich fünf entlaufene Hunde hatte der Geislinger Tierschutzverein in der Zeit nach Silvester im Heim bei Türkheim aufgenommen. Die Tiere hatten - aufgeschreckt von der Böllerei in der Silvesternacht - panisch Reißaus genommen. Doch Ende gut, alles gut: Tierheim-Leiterin Gabriele Hagmann konnte alle Tiere zurückvermitteln, die Hunde sind inzwischen wieder daheim bei ihren Besitzern.

Tierschutzverein macht sich an Auftragsvergabe

Projekt Anfang Dezember kam die frohe Kunde aus Stuttgart: Das Land fördert den Ausbau des Tierheims bei Türkheim mit 18.000 Euro. Dort entsteht ein neuer Katzenbereich, die Kosten tragen zu je einem Drittel der Tierschutzverein, die Stadt Geislingen sowie das Land, das den Zuschuss über die Stadt weitergibt. Zwischenzeitlich liegt der offizielle Förderbescheid des Regierungspräsidiums vor. "Das bedeutet, wir können nun die Aufträge vergeben", sagt Hans-Georg Hoffmann, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Ehe die Bauarbeiten im Frühjahr starten, muss der Verein noch einige Vorarbeiten leisten. Das betrifft in erster Linie den Hundebereich, der auf Vordermann gebracht wird: Steht erst einmal das neue Katzenhaus, ist dieser Bereich von außen nicht mehr zugänglich.