Göppingen Ohne Geld geht in Kirche nichts

SWP 01.12.2012
Ohne Geld geht nichts! Unumstritten ist die Kirchensteuer aber nicht. Mit diesem Thema setzte sich das "Forum Thomas" auseinander.

Kritiker der Kirchensteuer argumentieren, dass sie der gebotenen Trennung von Kirche und Staat widerspreche. Die Mitglieder des "Forum Thomas", des kirchenkritischen katholischen Gesprächskreises im Dekanat Göppingen-Geislingen, hatten zum Thema Kirchensteuer den Redakteur der kirchenkritischen Zeitung "publik forum", Thomas Seiterich, eingeladen. Jede Glaubensgemeinschaft benötige für ihre Zwecke Geld, sagte der Referent: "Die Sorge für die Gläubigen, ein lebendiges kirchliches Leben, Caritas und solidarische Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif."

Seiterich erinnerte an die deutsche Geschichte, die für die christlichen Kirchen ein einmaliges System der Kirchenfinanzierung hervorgebracht hat. Ausgangspunkt der heutigen Kirchensteuer seien die Enteignungen der Kirche am Ende der napoleonischen Zeit. Die weltlichen Herren, denen das Kircheneigentum in die Hände fiel, sollten zur Entschädigung selbst für eine angemessene Ausstattung der Kirche sorgen. Bald begannen kleinere Territorialstaaten, den Kirchen ein Recht zur Steuererhebung einzuräumen. Das war die Geburtsstunde der Kirchensteuer, die dann in der Weimarer Reichsverfassung rechtlich verankert wurde und dies auch im heutigen Grundgesetz noch ist. Alle Bundesländer haben zur Ausführung die nötigen Landesgesetze geschaffen, deshalb schwanken die Prozentzahlen.

Seiterich betonte, dass die Kirchensteuer im Wesentlichen "die Sozialgestalt von Kirche" ausmache. Die deutsche Kirche sei vergleichsweise sehr reich und finanziere bis zu einem Drittel den Vatikan. Während z.B. die Kirche in Frankreich arm sei; andererseits habe sie keine Glaubwürdigkeitsprobleme: "Wer dort mitarbeitet, ist von der Sache Jesu echt überzeugt."

Die Kirchensteuer entlaste den Staat beträchtlich und trage zum Gemeinwohl bei. Dennoch wird, nicht nur vom Referenten, "mehr Transparenz und Mitsprache über die Verwendung der Gelder" gewünscht - wie in Österreich und der Schweiz. Das Kirchensteuersystem in Deutschland ist stark konjunktur- und steuerreformabhängig, sei jedoch auch sehr bequem für die Kirchen, da dieser freiwillige Beitrag über den Staat eingezogen wird.