Geislingen an der Steige / Ruben Wolff Ökonomie und Philosophie sind zwei Wissensgebiete, die weit voneinander entfernt sind. Das Studium Generale bringt sie zusammen.

So weit entfernt ihre Wissensgebiete auch sein mögen, so viel können Ökonomen und Philosophen voneinander lernen. Davon ist Professor Andreas Frey, Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen, überzeugt.

 Generell gelte, dass die Hochschule den Austausch mit der Gesellschaft brauche, um am Puls der Zeit zu bleiben. „Nicht nur wir als Hochschule geben Wissen und Forschungsergebnisse in die Gesellschaft ab. Auch die Gesellschaft trägt Anliegen und aktuelle Themen in die Hochschule. Dieser Input ist uns sehr wichtig.“ Viel erhofft sich Frey auch von einem Austausch zwischen Philosophie und Ökonomie.

Eine Chance dazu bietet das Studium Generale (siehe Infokasten), das in der nächsten Woche beginnt. Es steht im Sinne des humanistischen Bildungserbes und soll Allgemeinbildung fördern – ein wichtiges Anliegen des Hochschulrektors: „Wir haben einen generellen Bildungsauftrag, aber es geht mir auch um die Persönlichkeitsentwicklung. Unsere Studenten können hier sehr viel lernen.“  Zuhören darf jeder, nicht nur Studenten, aber insbesondere ihnen legt Frey die Philosophie-Seminare ans Herz. Es sei wichtig, dass die jungen Ökonomen und künftigen Unternehmer sich nicht allein mit der Geldwirtschaft beschäftigen.

Aber wie nahe können sich Philosophie und Wirtschaft überhaupt sein? Gerade in der Geschichte der Philosophie hatten viele Denker Prinzipien der Ökonomie infrage gestellt. So hatte John Stuart Mill (1806 – 1873) das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum als eine Sucht bezeichnet. Die Wirtschaft müsse ab einem bestimmten Punkt nicht weiter wachsen, nämlich dann, wenn „keiner arm ist, niemand reicher zu sein wünscht, und niemand Grund zu der Furcht hat, dass er durch die Anstrengungen anderer, die sich selbst vorwärts drängen, zurückgestoßen werde“. Der Soziologe Karl Marx verspottete Mills Hoffnung als eine „romantische Illusion“.

Auch der Gegenwartsphilosoph Richard David Precht kritisiert das bloße ökonomische Streben nach Gewinnmaximierung sowie das Verlangen, wirtschaftliches Wachstum ständig steigern zu wollen. In  Die Kunst, kein Egoist zu sein, schreibt er: „Die Verbindlichkeiten des Wirtschaftssystems werden durch die Spielregeln von Besitz, Tausch und Geld hergestellt, nicht aber durch eine wie auch immer geartete Moral.“

Prechts Vorwurf: Geld zerstört Werte – und Marktnormen ersetzen Sozialnormen. Daraus entwickelten sich schlimme Folgen: Selbstbedienungsmentalität, manipulierte Bilanzen, Insolvenzbetrug, Insider-Geschäfte, Korruption und die Zerstörung dieses Planeten.

Andreas Frey betont, dass die Gewinnmaximierung nicht höher einzustufen sei als die Gewinnoptimierung: „Wir müssen auch über die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche nachdenken.“ Man müsse den Blick von den reinen Zahlen abziehen und langfristig sinnvoll wirtschaften. An der HfWU geschehe das beispielsweise in Studiengängen, in denen sich Studenten mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen (wir berichteten). Es geht darum, schonend mit Ressourcen umzugehen. Nun sei nicht jeder Ökonom unmoralisch, betont Precht, doch die Wirtschaft brauche den Input anderer Fachrichtungen sowie die Politik als Gegengewicht. Der Philosoph hatte kritisiert, dass es ein gesellschaftliches Fiasko sei, dass sich Ökonomen kaum noch für Philosophie, Philosophen sich kaum noch für Ökonomie interessierten. Das Anliegen des HfWU-Rektors ist in seinem Sinne: beide Seiten zusammenzubringen.

Studium Generale an der HfWU

Öffentlich Nicht nur Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU), sind eingeladen: Jeder darf kommen. Die Vorträge finden im Hochschulgebäude in der Parkstraße 4 statt.

Philosophie Anton Schmitt bietet eine Einführung in die Religionsphilosophie an: Am 26. April diskutiert er über Pascals „Wette“ und Humes „Naturgeschichte der Religion“. Im zweiten Seminar am 10. Mai steht Kants Religionsverständnis im Fokus, eine Woche später der Zen-Buddhismus. Die Veranstaltungen sind jeweils mittwochs von 15.45 bis 18.45 Uhr.

Physik Die Doktorandin Ann-Kathrin Straub referiert am Dienstag, 2. Mai, über schwarze Löcher. Von 19 bis 20.30 Uhr gibt sie Einblicke in die Überlegungen von Genies wie Albert Einstein und Stephen Haw­king.

Kommunikation Die Betriebswirtin Salka Schwarz gibt einen Überblick über den Etikettekanon in der Geschäftswelt. Der Vortrag findet am Mittwoch, 31. Mai, von 19.30 bis 21 Uhr, statt.

Mehr Infos gibt es auf: www.hfwu.de/studium-generale